US Open

Julia Görges serviert 21 Asse – und verliert trotz Matchball

Julia Görges hat bei den US Open ihr erstes Viertelfinale verpasst.

Julia Görges hat bei den US Open ihr erstes Viertelfinale verpasst.

Foto: Sarah Stier/FR171690 / AP/dpa

Die 30-Jährige hat bei den US Open ihr erstes Viertelfinale auf dramatische Weise verpasst. Auch Alexander Zverev kam nicht weiter.

New York City. Schnell packte Julia Görges ihre Tasche und verließ mit gesenktem Kopf den Court im Louis-Armstrong-Stadium. Dabei hätte alles so einfach sein können: Sie servierte im Achtelfinale der US Open gegen Donna Vekic bärenstark, hatte Matchball bei eigenem Aufschlag – und dann zitterte das Händchen auf einmal. Erst kassierte sie das Break, verlor den Satz und schließlich auf dramatische Weise auch das Match. Mit 7:6 (7:5), 5:7, 3:6 musste sich Görges der Kroatin geschlagen geben und verpasste ihr erstes Viertelfinale bei einem Hartplatz-Grand-Slam.

Vekic hingegen spielt nun gegen Belinda Bencic um den Einzug ins Halbfinale. Die Schweizerin hatte überraschend Titelverteidigerin Naomi Osaka aus Japan ausgeschaltet, welche damit auch die Führung in der Weltrangliste wieder an die Australierin Ashleigh Barty verliert.

Da sie bereits in der Auftaktpartie gegen die Russin Natalia Wichljanzewa einen Matchball abwehren musste, sei jedes weitere Spiel in New York für Görges ohnehin ein „Bonus“, hatte sie im Vorfeld gesagt. Gegen die Kroatin, die von Angelique Kerbers Ex-Coach Torben Beltz trainiert wird, wendete sich das Blatt.

US Open: Julia Görges servierte zunächst stark

Wie schon beim überzeugenden Drittrunden-Sieg über die Weltranglisten-Siebte Kiki Bertens begann die Bad Oldesloerin äußerst aggressiv und servierte stark, Vekic sah kaum Land. Schnell führte sie völlig verdient 4:1, doch dann leistete sie sich mehr Fehler, und Vekic kam wieder heran. Im Tiebreak zeigte sich aber wieder Görges' Klasse: Mit einem herrlichen Passierball erspielte sie sich den Satzball, den sie nach 54 Minuten nutzte.

In den vorangegangenen drei Duellen mit Vekic hatte sie nie verloren. „Aber das ist ja keine Garantie“, sagte die Deutsche vor der Partie: „Sicher weiß man, was einen dazu gebracht hat, erfolgreich zu sein. Aber sie weiß auch, was sie dazu gebracht hat, nicht erfolgreich zu sein.“

Doppelfehler wurde Görges zum Verhängnis

Doch am Montag ergab sich zunächst wieder das gewohnte Bild. Görges konnte sich auch im zweiten Satz auf ihren bärenstarken Aufschlag verlassen, servierte insgesamt 21 Asse – alleine vier am Stück zum 2:0. Erst als es bei 5:4 darum ging, das Spiel zu beenden, wackelte sie und gab trotz eines Matchballs ihren Aufschlag ab. Vekic breakte Görges danach erneut und rettete sich in den Entscheidungssatz.

Dort entwickelte sich eine wahre Zitterpartie, in der Görges zunächst Nervenstärke bewies: Beim Stand von 2:3 hatte Vekic zwei Breakbälle, Görges befreite sich aber aus der misslichen Lage. Im nächsten Aufschlagspiel hatte sie dann sogar drei Breakbälle gegen sich – zwei konnte sie noch abwehren, den dritten nutzte Vekic nach einem Doppelfehler von Görges. Nach 2:42 Stunden verwandelte die Kroatin ihren ersten Matchball und feierte den Einzug in ihr erstes Viertelfinale bei einem Grand Slam.

Auch Alexander Zverev muss sich geschlagen geben

Alexander Zverev ging beim nächsten Abnutzungskampf die Puste aus, Julia Görges zitterte mit dem Sieg vor Augen das Händchen: Die Viertelfinals bei den US Open finden ohne deutsche Beteiligung statt. Während Görges im Achtelfinale trotz eines Matchballs gegen die Kroatin Donna Vekic 7:6 (7:5), 5:7, 3:6 verlor, musste sich Zverev dem giftigen Argentinier Diego Schwartzman nach einer zu fehlerbehafteten Vorstellung verdient 6:3, 2:6, 4:6, 3:6 geschlagen geben.

„Ich hatte das Gefühl, dass Alex große Schwierigkeiten mit dem Aufschlag hatte“, sagte Schwartzman nach der Partie: „Ich bin ein großartiger Returner und habe das gut genutzt. Ich glaube, ich habe großes Tennis gespielt.“

Zverev reihte Doppelfehler an Doppelfehler

Nach einem starken ersten Satz verfiel der Weltranglisten-Sechste aus Hamburg in alte Muster: Zverev zeigte wie schon in den schwachen Spielen im Vorfeld des Turniers enorme Probleme beim zweiten Aufschlag und reihte Doppelfehler an Doppelfehler - 17 waren es insgesamt gegen Schwartzman. Dazu verschlug er zu viele einfache Bälle und leistete sich 65 „unforced errors“.

Zverev wirkte nach dem verlorenen dritten Satz müde, gleich zweimal ließ er sich vom 1,70 m kleinen Schwartzman im vierten Durchgang den Aufschlag abnehmen. Das 0:4 servierte er dem Argentinier standesgemäß mit einem Doppelfehler - die Geschwindigkeit des zweiten Aufschlags von 106 km/h demonstrierte Zverevs Verunsicherung.

In seinen ersten drei Partien in Flushing Meadows hatte Zverev jeweils über drei Stunden auf dem Platz gestanden. Auch diesmal entwickelte sich aufgrund vieler langer Ballwechsel ein kräftezehrendes Spiel, das der Argentinier nach 3:08 Stunden mit dem zweiten Matchball trotz eines letzten Aufbäumens Zverevs für sich entschied. Zuvor hatte der Deutsche wegen eines Kraftausdrucks sogar einen Punktabzug bekommen.