Beachvolleyball-WM

Team Ludwig/Kozuch: "Noch sind wir eine Wundertüte"

Acht Hamburgerinnen und Hamburger freuen sich auf die Beachvolleyball-WM am Rothenbaum und den WM-Pokal (v. l.): Julius Thole, Clemens Wickler (beide Eimsbütteler TV), Weltmeisterin und Olympiasiegerin Laura Ludwig, Margareta Kozuch, Isabel Schneider, Victoria Bieneck, Nils Ehlers und Lars Flüggen (alle Hamburger SV).

Acht Hamburgerinnen und Hamburger freuen sich auf die Beachvolleyball-WM am Rothenbaum und den WM-Pokal (v. l.): Julius Thole, Clemens Wickler (beide Eimsbütteler TV), Weltmeisterin und Olympiasiegerin Laura Ludwig, Margareta Kozuch, Isabel Schneider, Victoria Bieneck, Nils Ehlers und Lars Flüggen (alle Hamburger SV).

Foto: Tay Duc LamWITTERS

Generalprobe für Laura Ludwig und die neue Frau an ihrer Seite bei WM am Rothenbaum im Juni/Juli mit vier Hamburger Teams.

Hamburg.  Küsschen hier, Umarmungen da, Laura Ludwig (33) ist in ihrem Element, strahlt, hat für jeden ein paar nette Worte parat. „Ich habe lange nicht mehr so viele Bekannte getroffen“, meint die Beachvolleyball-Weltmeisterin und -Olympiasiegerin. Neben ihr die neue Frau an ihrer Seite, Margareta Kozuch (32), gebürtige Hamburgerin, langjährige Kapitänin der deutschen Hallenvolleyball-Nationalmannschaft, nicht minder eloquent und freundlich, aufgeschlossen für jedes Gespräch – in Deutsch, Englisch, Polnisch, Italienisch oder auch in ein paar anderen Sprachen, dann allerdings nicht mehr ganz so flüssig, sagt sie. Die Kommunikation außerhalb des Spielfeldes beherrschen beide bereits bestens, „am perfekten Zwiegespräch auf dem Court arbeiten wir“, berichten sie – und lachen herzlich.

Vier deutsche Paare an der Weltspitze

In 102 Tagen, am 28. Juni, wollen sie am Hamburger Rothenbaum zur Beachvolleyball-Weltmeisterschaft aufschlagen, Ludwig dabei als Titelverteidigerin, und Ary S. Graça, Präsident des Volleyballweltverbandes FIVB, kürt das HSV-Duo bei der Präsentation des Turniers am Montagmittag in der Speicherstadt gleich zu Mitfavoriten. „Die Deutschen gehören zu den Besten der Welt“, sagt der Brasilianer. Da will René Hecht, Präsident des deutschen Verbandes DVV, nicht nachstehen: „Ich möchte mindestens ein deutsches Team bei Männern und Frauen im Halbfinale sehen.“

Derartige Ambitionen sind nicht unberechtigt. Mit Kozuch/Ludwig, den deutschen Meisterinnen Victoria Bieneck/Isabel Schneider (HSV), Karla Borger/Julia Sude (Stuttgart/Friedrichshafen) und Chantal Laboureur/Sandra Ittlinger (Stuttgart) gehören vier deutsche Paare zur absoluten Weltspitze, nur zwei können sich aber für Olympia 2020 in Tokio qualifizieren. Die Ausscheidungswettbewerbe haben begonnen.

Kozuch/Ludwig erhalten notfalls Wildcard für WM

Bei den Männern ruhen die Hoffnungen auf Julius Thole/Clemens Wickler vom Eimsbütteler TV, in der neuen Weltrangliste erstmals auf 15 notiert, ihrer bisher höchsten Position. Sie würde zur direkten Olympia-Qualifikation reichen. Auch Lars Flüggen/Nils Ehlers (HSV) und Philipp Arne Bergmann/Yannick Harms (Hameln) kämpfen chancenreich um die maximal zwei Startplätze für Japan. Niclas Hildebrand (Hittfeld), DVV-Sportdirektor Beachvolleyball, hält das Rennen für offen. Alle sieben Teams sollen die WM am Rothenbaum spielen, Kozuch/Ludwig notfalls mit einer Wildcard. Es wird ihre Olympia-Generalprobe. Der Verband sieht in ihnen das größte Medaillenpotenzial für Tokio, obwohl sie ihr vermutetes Leistungsvermögen bislang nicht beweisen konnten. „Noch sind wir eine Wundertüte“, sagt Kozuch.

20 Monate hat Laura Ludwig wegen der Geburt ihres Sohnes Teo am 28. Juni 2018, Vater ist der schottische Chefbundestrainer Imornefe Bowes, nicht mehr bei einem Turnier im Sand gestanden. Im vergangenen Dezember verlor sie zudem mit der chronisch verletzten Kira Walkenhorst ihre Erfolgspartnerin. Die 28 Jahre alte Weltklasse-Blockerin hat ihre sportliche Karriere vorerst beendet, schließt indes ein Comeback nach den Sommerspielen in Tokio nicht mehr aus.

Frohsinn und Lebensfreude

Ludwigs Wahl fiel in Absprache mit Cheftrainer Jürgen Wagner (Moers) auf Kozuch, der DVV unterstützte die Entscheidung. Beide lernten sich mit 14 in der Jugend-Nationalmannschaft kennen und schätzen, fühlen sich seitdem freundschaftlich verbunden. Unterhielten Ludwig/Walkenhorst bei gegenseitiger Sympathie und allem Respekt eher eine sportliche Geschäftsbeziehung, versprühen Kozuch/Ludwig, das ist der erste Eindruck, Frohsinn und Lebensfreude. Das mag aber auch der Zauber sein, der jeder neuen Verbindung innewohnt.

Dieser Umgang miteinander erleichtert es beiden, sich die spielerische Harmonie auf dem Feld zu erarbeiten. Physisch nähern sie sich ihrer Bestform, selbst wenn Ludwig einschränkt, „ich sehe muskulös besser aus, als ich es objektiv bin. Athletisch fehlt mir noch was.“

Kozuch, Weltklasse in der Halle, lernt nach zwei Jahren im Sand mit ihrer vorigen Partnerin Karla Borger das Beachvolleyballspielen neu, Trainer Wagner stellte fast die komplette Technik um – und scheint begeistert von den Fortschritten zu sein. Öffentlich würde er auch Ähnliches wohl nie sagen, um nicht zu früh zu hohe Erwartungen zu schüren. Auch Kozuch übt sich in Zurückhaltung: „In der Halle konnte ich mich in Krisensituation auf über Jahre verinnerlichte Abläufe verlassen, die mir Sicherheit gaben.“ Im Sand fehlten ihr diese Selbstverständlichkeiten, die Gefahr, im Stress auf alte Muster zurückzugreifen, bestehe noch.

Das erste Turnier nach 20 Monaten steht in China an

Der erste Realitätscheck folgt Ende April beim Weltserienturnier in Xiamen (China), danach geht es nach Kuala Lumpur (Malaysia). In der Weltrangliste sind Kozuch/Ludwig derzeit nur die deutsche Nummer vier, wodurch sie keinen Platz im Hauptfeld sicher haben und den mühsamen Weg durch die Qualifikation gehen müssten. In Xiamen soll ihnen dieser mit einer Wildcard erspart bleiben. Manager Andreas Scheuerpflug (Vitesse Kärcher) sieht in der zusätzlichen Belastung jedoch kein größeres Problem: „Bis zur WM in Hamburg sollen sie sich einspielen, die wichtigen Olympia-Qualifikationsturniere folgen erst dann.“