Boxen

Der Hamburger Universum-Stall wird wiederbelebt

Steigen künftig für Universum in den Ring: Die Box-Brüder Artem (r.) und Robert Harutyunyan (Archiv).

Steigen künftig für Universum in den Ring: Die Box-Brüder Artem (r.) und Robert Harutyunyan (Archiv).

Foto: Witters

Vitali und Wladimir Klitschko führten Universum einst zu Box-Ruhm. Nun stellt sich die Promotion mit prominenten Namen neu auf.

Im Verborgenen arbeiten sie seit Oktober vergangenen Jahres, am Mittwochmittag nun folgte die offizielle Bekanntmachung: Der Hamburger Profiboxstall Universum soll unter neuer Führung zu altem Glanz erblühen. Das zumindest ist das Ziel von Ismail Özen (38), dem neuen Geschäftsführer der Universum Box-Promotion GmbH. „Boxen in Deutschland ist angezählt, aber noch nicht k.o., wir wollen mithelfen, dass es wieder dorthin kommt, wo es mal war“, sagt der frühere Profi, der seit einigen Jahren mit seinem sozialen Projekt „Kampf deines Lebens“ als Manager und Promoter Erfahrungen sammelt.

Möglich wird der Neustart dadurch, dass das im November 2012 beantragte Insolvenzverfahren über die GmbH mit Urteil des Hamburger Amtsgerichts endgültig abgeschlossen ist. „Ich bin sehr erleichtert, dass der Name und die Marke Universum jetzt von allen Altlasten befreit sind“, sagt der frühere Geschäftsführer Waldemar Kluch.

Der 60-Jährige hatte Universum im Sommer 2011 von Klaus-Peter Kohl (74) gekauft, der das Unternehmen 1984 gegründet und um die Jahrtausendwende mit Topsportlern wie den Klitschko-Brüdern Vitali und Wladimir, Dariusz Michalczewski oder Regina Halmich zu weltweiter Beachtung geführt hatte. Ein gutes Jahr später hatte Kluch Insolvenz anmelden müssen. Kohl wollte sich auf Anfrage zu den neuen Plänen nicht äußern.

Weber sucht noch nach einem Sender

Im neuen Universum ist für Kluch keine Tätigkeit vorgesehen. Özen, der durch seine Liebe zu Janina Otto in eine der reichsten und renommiertesten Hamburger Unternehmerfamilien eingeheiratet hat, baut auf professionelle Unterstützung. So soll sich der ehemalige Volleyball-Nationalspieler Frank Mackerodt (55), aktuell als Organisator großer Beachvolleyballturniere bekannt, um Events und Vermarktung kümmern.

Der frühere Sky- und RTL-Sportchef Burkhard Weber (62) bemüht sich um die Akquise eines Fernsehpartners. Mit Bertram Job (60) zeichnet einer der renommiertesten deutschen Boxsport-Journalisten für die Medienarbeit verantwortlich.

Harutyunyan-Brüder als Vorzeige-Profis

Wie weit dieses Team das in Deutschland seit dem Ausstieg der großen TV-Sender ARD, ZDF und RTL darbende Profiboxen nach oben bringen kann, hängt indes hauptsächlich daran, ob ein Sender die Kämpfe der Universum-Boxer zeigen wird. Aktuell hat Özen mit den Hamburger Harutyunyan-Brüdern Artem (28/Halbweltergewicht) und Robert (29/Leichtgewicht) nur zwei Kämpfer unter Vertrag, mit denen er seit 2017 zusammenarbeitet.

„Wir sprechen aber mit vielen Talenten, wollen auch mit anderen deutschen Promotern kooperieren, weil wir glauben, dass man gemeinsam das Boxen nach vorne bringen muss, anstatt die anderen schlechtzumachen. Unser Ziel ist es, sauberen und fairen Sport anzubieten“, sagt Job.

Özen: Finanzierung hat keinen familiären Hintergrund

Basis des neuen Universums ist das „Work your Champ Gym“ an der Großen Elbstraße, in dem bislang Özens Sozialprojekt beheimatet war. Beides soll künftig nebeneinander existieren. Als Universum-Cheftrainer steht der frühere Leichtgewichtsweltmeister Artur Grigorian (51) parat, der die Harutyunyans betreut. Die Finanzierung des Projekts hat laut Ismail Özen nichts mit seinen familiären Verbindungen zu tun.

„Es ist mein eigenes Projekt, ich habe tolle Investoren, die ich in Kürze vorstellen werde“, sagt er. Auch neue Boxer, ein TV-Partner und der genaue Termin für die im April/Mai in Hamburg geplante Premierenveranstaltung sollen in den kommenden Wochen bekanntgegeben werden.