Eishockey

Schubert: „Es ist für die Crocodiles noch nicht vorbei“

Crocodiles-Aushängeschild Christoph Schubert will Eishockey in seiner Heimatstadt nicht sterben lassen.

Crocodiles-Aushängeschild Christoph Schubert will Eishockey in seiner Heimatstadt nicht sterben lassen.

Foto: Witters

Nach dem Insolvenzantrag des Eishockeyteams will der Kapitän und das Aushängeschild um den Fortbestand des Oberligaclubs kämpfen.

Hamburg. Das Spiel war am späten Freitagabend eine halbe Stunde vorbei, da stand Jacek Plachta im Vip-Raum der Eissporthalle Farmsen und fand zumindest für einen kurzen Moment sein Lächeln wieder. „Ich bin richtig stolz auf meine Jungs. Es war für uns alle kein leichter Tag“, sagte der Trainer der Crocodiles Hamburg, wohlwissend, dass diese Einschätzung eine Untertreibung war.

Mannschaft erfuhr am Spieltag von der Insolvenz

Zehn Stunden vor dem stark herausgespielten 5:3-Sieg gegen die Füchse Duisburg hatten die Spieler von Geschäftsführer Christian Schuldt erfahren, dass der Eishockeyclub einen Planinsolvenzantrag beim Amtsgericht Hamburg eingereicht hat. „Da es kurzfristig zum Ausfall bereits zugesagter Fördergelder in Höhe von 250.000 Euro gekommen ist, ist die 1. Hamburger Eissport GmbH in wirtschaftliche Schieflage geraten. Wir waren daher gezwungen, beim Amtsgericht Hamburg die Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu beantragen“, hieß es in der von Geschäftsführer Schuldt (34) aufgesetzten Erklärung.

Welche Rolle spielt Gesellschafter Jebens?

Wie es zum Ausfall eines guten Viertels des Gesamtetats kommen konnte, darüber gab es auch am Sonnabend keine Informationen. Auffällig war in den vergangenen Wochen allerdings, dass sich Hauptgesellschafter Klaus-Peter Jebens, der viele Jahre als wichtigster Gönner im Hintergrund agierte, bei den Heimspielen und im Umfeld rargemacht hatte. Auch beim Duisburg-Spiel fehlte der 62 Jahre alte Unternehmer.

Was Fragen aufwirft: Im vergangenen Frühling erhielten die Crocodiles vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB) die Lizenz für die Saison 2018/19 ohne Auflagen. Wie das Abendblatt erfuhr, haben die Sponsoren der Crocodiles ihr Geld immer pünktlich überwiesen. Geschäftsführer Schuldt wollte sich aus rechtlichen Gründen nicht weiter über die wirtschaftliche Schieflage der Crocodiles äußern. Ebenso wenig ist bisher klar, wie das endgültige Aus der Eishockeymannschaft noch abgewendet werden kann.

Anfang der Woche soll Rettungsplan erstellt sein

Die Verantwortlichen hoffen darauf, über ein erneutes Crowdfunding-Projekt das fehlende Geld zu erlösen. Allein auf die Großzügigkeit der Fans zu setzen, wäre aber fahrlässig. Dass eine solche Sammelaktion genauso gut funktioniert, wie vor knapp zweieinhalb Jahren, als Eishockey-Aushängeschild Christoph Schubert zur Rettung der Hamburg Freezers 1,2 Millionen Euro sammelte, gilt als ausgeschlossen.

In den kommenden Tagen soll ein tragfähiges Konzept zur Rettung der Crocodiles ausgearbeitet werden, in dem auch Schubert wieder eine gewichtige Rolle spielen soll. „Damals habe ich es nicht allein geschafft und auch dieses Mal sind wir alle gefragt. Jeder, der was für Eishockey übrig hat. Die Mannschaft, die Verantwortlichen und die Stadt“, erklärte der 36 Jahre alte Abwehrspieler, der aktuell aufgrund einer Schulter-OP pausieren muss. „Es ist noch nicht vorbei für die Crocodiles. Aufgeben gibt es nicht. Wir müssen uns einen Plan erstellen, und dann kommen wir da wieder raus. Wir müssen alle positiv bleiben“, so ein kämpferischer Schubert.

Crocodiles-Fans wollen sich an der Rettung beteiligen

In den sozialen Medien zerbrechen sich auch die so leidgeplagten Eishockey-Fans. Von Retter-T-Shirts, wie einst beim FC St. Pauli, bis hin zu einer Spontan-Demo vor dem Rathaus werden alle Ideen durchgespielt.

Löhne und Gehälter sind durch die Vorfinanzierung des Insolvenzausfallgeldes bis Ende Januar gesichert. Allerdings untersagen die Statuten des Deutschen Eishockey-Bundes Vereinen, die eine Planinsolvenz beantragen, die Teilnahme an den Play-offs, was bedeutet, dass die Saison spätestens am 3. März mit dem letzten Hauptrundenspiel in Erfurt endet.

"Crocos" droht personeller Aderlass

Mit welcher Mannschaft die Saison zu Ende gespielt wird, ist noch völlig offen. Bereits unmittelbar nach der Veröffentlichung der Nachricht, dass die Crocodiles insolvent sind, meldete sich die Agenten der Spieler bei Sportdirektor Sven Gösch. Derzeit deutet vieles darauf hin, dass die bisher sportlich so positiv auftretende Mannschaft auseinanderbrechen wird. Erste Abgänge könnte es bereits in der kommenden Woche geben. „Ich kann jeden verstehen, der sich mit anderen Angeboten beschäftigt“, erklärte Trainer Plachta. „Ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn wir das, was wir bisher aufgebaut haben, in der Form weiterentwickeln können, aber wenn sich jemand verändern möchte, kann ich ihm nicht böse sein.“

Eishockeyprofis trifft Horrornachricht aus "heiterem Himmel"

Die Mannschaft selbst zeigte sich geschockt ob der jüngsten Entwicklung bei den Crocodiles. „Das war wie ein Schlag ins Gesicht. Das kam alles völlig aus heiterem Himmel“, sagte Torhüter Kai Kristian. Für Stürmer Patrick Saggau ist es die zweite Insolvenz innerhalb eines Jahres. Im vergangenen Sommer musste sein ehemaliger Club EHC Timmendorfer Strand zwangsabsteigen. „Wir als Mannschaft werden alles tun, um auf und neben dem Eis zu helfen, damit es weiterhin Oberliga-Eishockey in Hamburg gibt“, erklärte der 36-Jährige, der hauptberuflich bei einer Bank arbeitet. „Leider hilft uns mein Job in der Situation nicht“, sagte Saggau.