Projekt

Lüneburger hoffen auf den Bau einer neuen Halle

Außenangreifer Cody Kessel (27) schmettert den Ball ins gegnerische Feld. Der US-Amerikaner spielt seit 2016 in Lüneburg.

Außenangreifer Cody Kessel (27) schmettert den Ball ins gegnerische Feld. Der US-Amerikaner spielt seit 2016 in Lüneburg.

Foto: Witters

Volleyball-Bundesligist muss Donnerstag im Pokalhalbfinale gegen Meister Berlin wieder nach Hamburg umziehen.

Lüneburg.  Für die Spielgemeinschaft Volleyball Gellersen (SVG) Lüneburg stehen dieser Tage zwei wichtige Entscheidungen an, und Trainer Stefan Hübner (43), Sportchef Bernd Schlesinger (59) und Manager Andreas Bahlburg (59) sind sich einig, dass die politische für den Club richtungweisender wird als die sportliche.

Am Donnerstag (18 Uhr) schlägt die Bundesligamannschaft zum fünften Mal in der Neugrabener CU-Arena auf, diesmal zum Pokalhalbfinale gegen den deutschen Meister Berlin Recycling Volleys. Am nächsten Montag aber will der Kreistag Lüneburg den Bau einer Mehrzweckhalle an der Straße Lüner Rennbahn nahe der Bundesstraße 4/Autobahn 39 beschließen. Hier wollen die Volleyballer künftig ihre Heimspiele austragen. Seit gut vier Jahren wird in Lüneburg um dieses Projekt gerungen. Jetzt gibt es keinen Aufschub mehr – entweder die Halle kommt oder nicht.

Bisher baggern und blocken die „LüneHünen“ in der Gellersenhalle im benachbarten Reppenstedt. Die ist zu flach und zu klein, bietet bloß 800 Zuschauern Platz und ist regelmäßig ausverkauft. Die Mannschaft darf seit dem Erstliga-Aufstieg 2014 dort nur mit einer Sondergenehmigung der Deutschen Volleyball-Liga ans Netz, muss in den Play-offs und im Pokalhalbfinale in Arenen mit größeren Dimensionen ausweichen. Die 54 Kilometer von Lüneburg entfernte CU-Arena, Heimstätte des Frauen-Zweitligateams VT Hamburg, entspricht den Statuten und wird morgen mit 2000 Zuschauern wahrscheinlich ausverkauft sein. Eine Dauerlösung wäre diese Halle, Miete pro Spiel: rund 5500 Euro, nicht, Partner und Publikum kommen aus Lüneburg und Umgebung. Pläne für den Umzug nach Harburg existieren nicht.

Gestiegene Gesamtkosten

„Nach der Entscheidung des Kreistags werden wir uns zusammensetzen und die nächsten Schritte beraten. Bisher gehen wir fest davon aus, dass die Halle gebaut wird. Nicht nur wir Volleyballer brauchen sie, damit es weitergeht, auch die Stadt Lüneburg benötigt sie dringend für Veranstaltungen aller Art“, sagt Bahlburg. Das finanzielle Risiko wäre schließlich gering, glaubt er. Innerhalb von 20 Jahren seien die Baukosten dank Steuermehreinnahmen für Bund, Stadt und Land hereingeholt.

Die auf 17 bis 20 Millionen Euro gestiegenen Gesamtkosten scheinen jedoch einigen Politikern Kopfschmerzen zu bereiten. Zu Beginn der Planungen vor vier Jahren lagen sie bei etwa der Hälfte. Zuletzt wurde darüber diskutiert, ob der Landkreis die Vorsteuer von den Baukosten absetzen kann. Das zuständige Finanzamt hat sich hierzu noch nicht abschließend geäußert.

Mit der Lüneburger Campus Gruppe, Firmenchef Klaus Hoppe (49) ist auch Sponsor der Volleyballer, steht der Betreiber der Arena fest. Der Landkreis Lüneburg wäre Bauherr des Projekts, das 15.000-Quadratmeter-Grundstück nahe dem Media Markt hatte der Kreis schon vor Jahren dem Immobilienunternehmen Sallier für 1,5 Millionen Euro abgekauft. Auch ein Großteil der Bauaufträge ist ausgeschrieben. Sie müssen jedoch spätestens am nächsten Dienstag verschickt werden, was vorbereitet ist, dann läuft die Frist ab. Andernfalls wären sie europaweit neu auszuschreiben, was weitere erhebliche Verzögerungen für die Fertigstellung bedeutete. Manager Bahlburg hofft, wenn alles glatt läuft, Ende März/Anfang April 2020 die Meisterschafts-Play-off-Runde in der neuen Halle spielen zu können.

Sportlicher Grundstein ist gelegt

Der sportliche Grundstein dagegen ist gelegt, die Mannschaft ist längst einem größeren Publikum vermittelbar. Trainer Hübner und Sportchef Schlesinger haben ihre Verträge zu Saisonbeginn bis 2023 verlängert, wollen hier etwas langfristig aufbauen. Mit einem Etat von 650.000 Euro liegen die Lüneburger im unteren Viertel der Männer-Bundesliga, tabellarisch stehen sie als Dritter im oberen. „Im Verhältnis von Aufwand und Ertrag sind wir schon deutscher Meister“, sagt Schlesinger. Gegner Berlin, derzeit Sechster, kalkuliert mit mehr als zwei Millionen. „Mittelfristig wollen wir auf ein siebenstelliges Budget kommen“, sagt Schlesinger. Dann wäre auch die Teilnahme am Europapokal möglich, für den sich das Team in den vergangenen vier Jahren dreimal qualifizierte, dort aber aus finanziellen Gründen bisher nicht antreten konnte.

Erstmals haben die Lüneburger in diesem Sommer den Großteil ihrer jungen Mannschaft halten können. Nur Zuspieler Adam Kocian wechselte zum Ligakonkurrenten Frankfurt, der neu verpflichtete Kanadier Adam Schriemer (23) erwies sich als gute Wahl. Die Kontinuität zahlt sich aus, „wir sind viel konstanter geworden und können jetzt an Details arbeiten, das macht uns noch stärker“, sagt Hübner. Die Heimbilanz gegen Berlin ist makelos. Die Lüneburger konnten bislang alle Spiele gewinnen. „Dennoch sind wir kein Favorit“, mahnt der Trainer, „wenn wir aber auf unserem besten Niveau spielen, sind wir schwer zu schlagen.“

Sport1 überträgt beide Pokalhalbfinalspiele (Lüneburg – Berlin und Friedrichshafen – Düren) am Donnerstag von 17.50 Uhr an in einer Konferenzschaltung live.