Hamburg

Firma sponsert Schach, um weibliche Fachkräfte zu finden

Die Frauenbundesligamannschaft
des Hamburger
Schachclubs
(v. l.):
Sarah Hoolt,
Judith Fuchs,
Rout Padmini,
Alina Zahn, Diana
Baciu und Filiz
Osmanodja.

Die Frauenbundesligamannschaft des Hamburger Schachclubs (v. l.): Sarah Hoolt, Judith Fuchs, Rout Padmini, Alina Zahn, Diana Baciu und Filiz Osmanodja.

Foto: HSK

Stromhändler Next Kraftwerke engagiert sich bei Bundesligadamen des Hamburger SK. Diese können jetzt um die Meisterschaft spielen.

Hamburg.  Trikotsponsoring ist im Schach eine Seltenheit, weil es meist gar keine Trikots gibt. Die Frauen des Hamburger SK von 1830 (HSK), des ältesten deutschen Schachvereins und eines der Gründungsmitglieder der Damen-Bundesliga, haben jetzt weiße mit schwarz-weißem Aufdruck. Wie es dazu kam, ist eine besondere Geschichte.

Großmeisterin Sarah Hoolt (30), Wirtschaftswissenschaftlerin mit den Schwerpunkten Energie und Finanzen, die seit sieben Jahren für den HSK zieht, überzeugte ihren Kölner Arbeitgeber Next Kraftwerke, ins Sponsoring einzusteigen. Das hatte das 2009 gegründete Unternehmen schon immer vor, wusste aber nicht, wo es sich engagieren sollte. Next Kraftwerke, Jahresumsatz 2017: 382,7 Millionen Euro, betreibt, so steht es auf deren Homepage, „eines der größten virtuellen Kraftwerke Europas, in dem Stromproduzenten, -verbraucher und -speicher intelligent vernetzt sind“. Eines der Ziele ist es dabei, erneuerbare Energien möglichst effektiv zu nutzen.

HSK-Frauen führen Tabelle an

Die Firma, 141 Mitarbeiter an sieben Standorten, darunter in Hamburg, hat jedoch ein Problem: Sie sucht Fachkräfte, vor allem weibliche, die sind in den IT-Teams stark unterrepräsentiert. „Bei uns bewerben sich kaum Frauen für technische Arbeitsplätze. Mit den herkömmlichen Stellenausschreibungen hatten wir bisher wenig Erfolg“, klagt Unternehmenssprecher Jan Aengenvoort. Mit dem Trikotsponsoring beim HSK sollen nun bundesweit computer- und technikaffine Frauen angesprochen werden. Die werden, nicht ganz zu Unrecht, beim Schach vermutet. „Schachspielerinnen können komplexe Zusammenhänge schnell erfassen, das ist im Stromhandel von Vorteil“, sagt Aengenvoort. Der Vertrag läuft ein Jahr, dann werde wir die Zusammenarbeit ausgewertet. Verlängerung offen.

Den HSK-Frauen, Saisonetat 10.000 Euro, hat das Sponsoring, eine vierstellige Summe, in den ersten beiden Bundesliga-Wettkämpfen Flügel verliehen. Das Sextett gewann zweimal mit 4,5:1,5 Punkten, verlor keine Partie und führt die Tabelle an. An diesem Wochenende soll die Spitzenposition im HSK-Schachzentrum, Schellingstraße 41 in Eilbek, am Sonnabend (14 Uhr) gegen den SV Hofheim und am Sonntag (9 Uhr) gegen Meisterschaftsmitfavorit SC Bad Königshofen verteidigt werden. Meister sind die Frauen der OSG Baden-Baden, die gegen Königshofen bereits ein Remis abgaben.

Halbe deutsche Frauennationalmannschaft

„Das Sponsoring hilft uns, dass wir die Spielerinnen, die bei uns im Kader stehen und von denen viele nicht in Hamburg wohnen, auch häufig einsetzen können“, sagt Teammanager Andreas Albers. Mit Hoolt, Judith Fuchs und Filiz Osmanodja bildet die halbe deutsche Frauennationalmannschaft das Rückgrat des Teams, die iranische Spitzenspielerin Sarasadat „Sara“ Khademalsharie kommt diesmal zu ihrem ersten Einsatz. Mit der ehemaligen U-14-Weltmeisterin Rout Padmini konnte zudem eine der stärksten Spielerinnen Indiens verpflichtet werden. „In diesem Team ist Schach am schönsten“, sagt Sarah Hoolt. Das wird ihr Arbeitgeber und Sponsor gerne hören.