Muhammad Ali Trophy

Warum ein Profiboxer seinen Namen änderte

Noel Mikaeljan gewann unter dem
Nachnamen Gevor 23 Profikämpfe.

Noel Mikaeljan gewann unter dem Nachnamen Gevor 23 Profikämpfe.

Foto: picture alliance / Photowende

Unter neuer Identität startet der Hamburger Noel Mikaeljan als einziger Deutscher in der Muhammad Ali Trophy.

Hamburg.  Als im Sommer die Viertelfinalpaarungen für die zweite Staffel der World Boxing Super Series (WBSS) bekannt gegeben wurden, gab es unter deutschen Boxsportfreunden viel Ratlosigkeit. Noel Mikaeljan ist im Cruisergewicht (Klasse bis 90,7 Kilogramm) der einzige Deutsche, der gewichtsklassenübergreifend – in der WBSS-Saison 18/19 wird in den Limits Bantam, Superleicht und Cruiser um die Muhammad Ali Trophy gekämpft – beim weltgrößten Profiturnier in den Ring steigt. Und viele Fans fragten sich: Noel wer?

Nun, am Sonntagmorgen (3 Uhr/DAZN) soll diese Frage, wenn es nach Noel Mikaeljan geht, auch sportlich beantwortet worden sein. In Chicago bestreitet der 28 Jahre alte Hamburger sein Viertelfinale gegen den Letten Mairis Briedis. Der 33-Jährige war in der Premierensaison der WBSS im Januar dieses Jahres im Halbfinale am späteren Sieger Oleksandr Usyk (Ukraine) gescheitert, in der aktuellen Staffel gilt er als Topfavorit. Und genau deshalb glaubt Noel Mikaeljan, das große Los gezogen zu haben. „Als einziger Deutscher in der WBSS zu starten ist eine riesige Ehre für mich. Ich habe nichts zu verlieren. Ich bin überzeugt davon, dass ich der schlauere und technisch stärkere Boxer bin und gewinnen werde. Aber selbst wenn ich nicht gewinnen sollte, kann ich mir mit einem großen Kampf weltweit einen Namen machen“, sagt er.

Sich einen Namen machen

Sich einen Namen machen – das war für den Jurastudenten, der seine Ausbildung seit ein paar Jahren zugunsten des Leistungssports unterbrochen hat, in diesem Jahr ein wichtiges Thema. Denn natürlich ist der 189 Zentimeter große Athlet nicht aus dem Nichts in die sportlich hochklassige WBSS durchgestartet. Nur einen von bislang 24 Profikämpfen verlor der frühere Juniorenweltmeister – und diesen auch nur deshalb, weil er im Mai 2017 in Polen gegen Lokalmatador Krzysztof Wlodarczyk um den Punktsieg betrogen wurde, der dem Sieger den Zutritt zur ersten WBSS-Staffel ermöglichte.

Damals jedoch trat Mikaeljan noch als Noel Gevor an. Den Nachnamen seines Stiefvaters Koren Gevor (38), der Europameister im Mittelgewicht war und viermal vergeblich um WM-Ehren kämpfte, hat er vor ein paar Monaten allerdings abgelegt. Meinungsverschiedenheiten habe es gegeben, sagt der Stiefsohn, man habe zwar noch Kontakt, „aber ich habe für mich beschlossen, dass ich unter meinem Geburtsnamen einen Neustart wagen wollte“.

Wichtige Erfahrungen sammeln

Dieser umfasst indes deutlich mehr als nur einen Namenswechsel. Noel Mikaeljan beendete auch die sportliche Zusammenarbeit mit Koren Gevor, der ihn und seinen Bruder Abel (25) viele Jahre trainierte, und absolvierte die Vorbereitung auf Briedis in Miami bei seinem neuen Chefcoach Pedro Diaz. Zudem revidierte er im Sommer die sechs Monate zuvor vollzogene Trennung von seinem Promoter Sauerland und unterschrieb einen neuen Kontrakt mit dem Hamburger und Berliner Stall, dessen Mitinhaber Kalle Sauerland einer der WBSS-Initiatoren ist. Daraus erwuchs die Chance, sich im zweiten Anlauf doch noch in der prestigeträchtigen und finanziell lukrativen Serie durchzuboxen.

Dass es seine letzte Chance ist, den Sprung in die Weltspitze zu schaffen, glaubt Noel Mikaeljan nicht. „Es ist meine beste Chance, aber gegen Briedis zu verlieren wäre kein Grund, um die Karriere zu beenden. Ich werde wichtige Erfahrungen sammeln und in den USA Eindruck hinterlassen. Und mit 28 bin ich jung genug, um mir weitere Chancen zu verdienen“, sagt er. Zweifelsohne ist er jung und gut genug, um sich auch unter dem neuen Namen einen Namen im Profiboxen zu machen.

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