Basketball

Die Hamburg Towers planen den Aufstieg

Die Hamburg Towers für die Zweitligasaison 2018/2019, hintere Reihe (v. l.): Fitnesscoach Melvyn Wiredu, Malik Müller, Emil Marshall, Justin Raffington, Jannik Freese, Marius Behr, Andrew Barham, Justus Hollatz, Techniktrainer Will Barnes; vordere Reihe (v. l.): Cheftrainer Mike Taylor, Tevonn Walker, René Kindzeka, Mannschaftskapitän Achmadschah Zazai, Osaro Jürgen Rich Igbineweka, Hrvoje Kovacevic, Co-Trainer Benka Barloschky. Im Kreis: Beau Beech

Die Hamburg Towers für die Zweitligasaison 2018/2019, hintere Reihe (v. l.): Fitnesscoach Melvyn Wiredu, Malik Müller, Emil Marshall, Justin Raffington, Jannik Freese, Marius Behr, Andrew Barham, Justus Hollatz, Techniktrainer Will Barnes; vordere Reihe (v. l.): Cheftrainer Mike Taylor, Tevonn Walker, René Kindzeka, Mannschaftskapitän Achmadschah Zazai, Osaro Jürgen Rich Igbineweka, Hrvoje Kovacevic, Co-Trainer Benka Barloschky. Im Kreis: Beau Beech

Foto: Hamburg Towers/Dennis Fischer

Wilhelmsburger Basketballer starten am Sonnabend gegen die Baunach Young Pikes in ihre fünfte Zweitligasaison.

Hamburg.  Eines möchte Mike Taylor, der neue Cheftrainer der Hamburg Towers, vor dem Saisonauftakt der 2. Basketballbundesliga ProA klarstellen, die am Sonnabend (19.30 Uhr, edel-optics.de-Arena, Kurt-Emmerich-Platz 10) mit dem Spiel gegen die Baunach Young Pikes beginnt: „I can’t guarantee an Aufstieg“, sagt der US-Amerikaner und ergänzt mit unwiderstehlichem Lächeln, immer wenn es etwas komplizierter werde, würde er – trotz guter Deutschkenntnisse, „drei Jahre Sprachenschule Berlitz in Ulm!“ –, doch lieber in Englisch antworten.

Kompliziert ist die Sache mit dem Aufstieg schon: Nur zwei der 16 Clubs schaffen nach den Play-offs (April/Mai 2019) den Sprung in die Bundesliga. Die Towers haben mit rund zwei Millionen Euro einen für die Spielklasse bloß durchschnittlichen Etat. Und in den vergangenen vier Jahren ihrer Existenz wurde das A-Wort in Wilhelmsburg höchst ungern in den Mund genommen, fast ausschließlich auf mehrmalige Nachfrage. Jetzt sagt Sportchef Marvin Willoughby von sich aus: „Wir gehen selbstbewusst in diese Saison, wollen die besten Towers unserer bisherigen Vereinsgeschichte werden und in den K.-o.- Spielen erstmals unter die letzten vier kommen.“ Von dort sei der Weg nach oben nicht mehr ganz so weit.

Neuer Trainer Schlüssel zum Erfolg?

Mit dem aktuellen polnischen Nationaltrainer Taylor (46) hat Willough­by (40) einen Coach für mindestens die nächsten zwei Jahre verpflichtet, der von 2003 bis 2011 in Ulm erstklassige Arbeit leistete, dort den Aufstieg schaffte und Strukturen hinterließ, von denen der heute etablierte Bundesligaclub weiter profitiert. Und es ist in Wilhelmsburg längst kein Geheimnis mehr, dass Taylor wohl auch dann geholt worden wäre, hätte Vorgänger Hamed Attarba­shi seinen bis zum 30. Juni dieses Jahres laufenden Vertrag bis zum letzten Tag erfüllen dürfen und nicht Mitte Februar nach einer langen Niederlagenserie (ein Sieg aus zehn Spielen) hätte gehen müssen. Beim Bundesligisten Riesen Ludwigsburg hat der 42-Jährige (Willough­by: „Wir hatten dreieinhalb gute Jahre mit Hamed und sind ihm sehr dankbar.“) als Co-Trainer inzwischen eine neue Herausforderung gefunden.

Dass der neue Trainer der Schlüssel zum Erfolg werden könnte, davon ist Mannschaftskapitän Achmadschah Zazai (31) überzeugt. Er sei mit den Giessen 46ers und dem Mitteldeutschen Basketballclub (MBC) in den vergangenen Jahren zweimal von der ProA in die Bundesliga aufgestiegen, „weil wir mit Dennis Wucherer (Gießen) und Igor Jorovic (MBC) Coaches hatten, die auch höherklassige Mannschaften hätten trainieren können“. Auch Taylor sei so einer, schwärmt der gebürtige Berliner, „was wir bei ihm lernen, lernst du sonst nur bei der Nationalmannschaft“.

Chemie stimmt

Willoughby, Taylor und Co-Trainer Benka Barloschky (30) glauben zudem, bei der Zusammenstellung des fünften Towers-Teams die richtigen Konsequenzen aus der vergangenen Serie (Tabellenplatz zehn/13:17 Siege) gezogen zu haben. Für die Bezahlung der Spieler und Trainer wurden deutlich mehr Mittel bereitgestellt als in der vergangenen Saison, – aber immer noch unter einer Million Euro –, die Ausgaben im Wesentlichen auf neun Profis konzentriert. „Wir wollten mehr Qualität und haben den Kader mit talentierten Nachwuchsspielern ergänzt, die das Potenzial haben, in diese Mannschaft reinzuwachsen“, sagt Willo ughby. Darüber hinaus habe dem Team zuletzt eine Hierarchie gefehlt, in kritischen Situationen sei das Zusammenspiel oft auf der Strecke geblieben, jeder dachte, die Probleme auf dem Feld nur selbst lösen zu können.

„Die Chemie dieser neuen Mannschaft stimmt“, sagt Trainer Taylor, doch Willoughby, aus Erfahrung klug geworden, bleibt vorsichtig: „Ich bin auch von diesem Kader überzeugt. Wie stabil er wirklich ist, wissen wir jedoch erst, wenn sich die Mannschaft bewähren muss, falls es mal schlecht läuft. Und das kommt in einer langen Saison schließlich immer mal vor.“

Fünf neue Profis für mehr Power

Mit einer Durchschnittsgröße von 1,94 Metern sind die neuen Towers vier Zentimeter kleiner als die alten, doch die Klasse der fünf Neuzugänge sollte das Team auf ein höheres Niveau heben. Spielmacher Zazai ist mit 1,75 Metern der Kleinste, wurde aber nicht zufällig mit klarer Mehrheit in geheimer Abstimmung am Mittwochabend zum Mannschaftsführer gewählt. Sein Wort wird gehört. „Er geht dahin, wo es wehtut, kann zum Korb ziehen, und er macht seine Mitspieler besser, weil er sie dort auf dem Feld einsetzt, wo sie ihre Stärken haben“, sagt Willoughby.

Der Kanadier Tevonn Walker (24 Jahre/1,88 m/95 Kilo) bringt Power ins Spiel, kann sich mit seinem kräftigen Körper in Angriff und Abwehr durchsetzen, die beiden US-Amerikaner Andrew Barham (28/2,01 m/86 kg) und Beau Beech (24/2,01 m/98 kg) zeichnet Treffsicherheit aus, auch jenseits der Drei-Punkte-Linie. Flügelspieler Malik Müller (24/1,90 m/100 kg) wiederum, Stammspieler in allen deutschen Nachwuchs-Nationalmannschaften, galt als großes Talent, seine Karriere im Profibereich verlief bisher nicht nach seinen und seiner Vereine Vorstellungen. In Hamburg plant er ein Neuststart.

„Es sind alles ehrgeizige Jungs mit viel Talent. Und ich garantiere, wenigstens das, dass wir weiter hart arbeiten werden, um die Ziele zu erreichen, die wir uns gesteckt haben“, sagt Taylor.

Mit der Barmer Krankenkasse hat die Zweite Basketballbundesliga erstmals einen Titelsponsor. Jeder ProA-Verein erhält dafür 50.000 Euro pro Saison. Alle Spiele der ProA werden im Internet bei Airtango.live übertragen. Gegen Baunach fällt nur Marius Behr (21) mit einer Mandelentzündung aus.