DFB-Einzelkritik

Gündogan wirkt befreit, Torhüter ter Stegen patzt

Ilkay Gündogan (r.) überzeugte als Passgeber im Mittelfeld

Ilkay Gündogan (r.) überzeugte als Passgeber im Mittelfeld

Foto: Matthias Hangst / Bongarts/Getty Images

Schulz macht mit seinem Siegtor gegen Peru seinen Stellungsfehler wieder gut. Kehrer und Havertz debütieren unter Löw.

Sinsheim. Das war kein Fortschritt. Debütant Nico Schulz bescherte der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit seinem Glückstor zum 2:1 (1:1) gegen Peru am Sonntagabend in Sinsheim zwar den ersten Sieg nach dem WM-Debakel. Aber eine miserable Chancenverwertung und schwere defensive Mängel trübten drei Tage nach dem ermutigenden 0:0 gegen Weltmeister Frankreich die Woche des Neustarts nach dem WM-Debakel. So war das 167. Länderspiel von Löw, mit dem er den Rekord von Sepp Herberger laut DFB-Statistik einstellte, kein überzeugender Auftritt. Die DFB-Kicker in der Einzelkritik.

Ter Stegen: Vermutlich weil er nicht Manuel Neuer ist, versuchte es Ruidiaz schon in der ersten Minute aus 40 Metern. Die Überrumpelungstaktik scheiterte, weil ter Stegen aufgepasst hatte. Etwas anders sah das beim 0:1 aus, als Advincula in die unzureichend gehütete kurze Ecke traf (22.).

Ginter (bis 72.): Wieder Rechtsverteidiger, wieder gut in der Defensive.

Boateng (bis 45.): Spielte zu Beginn zwei schlechte Pässe, fing sich aber dann wieder. Zur Halbzeit raus.

Süle: Grätschte vor dem 0:1 ins Leere. Dafür konnte er nichts. Schlimmer geriet sein Solo am gegnerischen Strafraum: Ballverlust, Konter, Großchance (58.).

Schulz: Engagierter Auftritt mit Zug zum Tor. Makel: Vor dem Gegentreffer so orientierungslos wie ein Weltreisender in Sinsheim (22.). Machte das aber durch den Siegtreffer wieder gut (85.).

Gündogan (bis 84.): Wirkte nach der Versöhnung mit den deutschen Fans durchaus befreit. Passgeber und Initiator für Chancen von Reus (2./21.), Werner (35.) und sich selbst (38.).

Kimmich: Als Sechser gewann er den Ball, trug ihn, passte ihn, flankte ihn in die Füße seiner Mitspieler immer mit dem Ziel, dem gegnerischen Tor entscheidend näher zu kommen. (S)ein Problem gegen Peru: Die Absicherung der Konter.

Kroos: Der Mann mit der Rückennummer acht trug die Kapitänsbinde, grätschte an der Mittellinie, gewann einen wichtigen Zweikampf am eigenen Strafraum, um dann im Gegenpressing den Ball für eine Großchance zu erobern. Die Vorlage zum 1:1 gab er auch noch.

Brandt (bis 70.): Erfrischendes Element in der deutschen Offensive – und weit effizienter als die Kollegen.

Reus (bis 45.): Nicht der beste Abend des Dortmunders. Hatte mehrere gute Chancen, scheiterte erst am Torwart (2.), dann traf er zweimal freistehend den Ball nicht richtig.

Werner (bis 88.): Auch der Leipziger Linksaußen, der die Position mit Brandt und Reus stets tauschte, hatte Chancen. Mal aber zögerte er zu lang, mal spielte er anstatt zu schießen (20.), mal schoss er den Torwart an (35.), mal schaufelte er den Ball direkt drüber (55.), mal vorbei (87.). Das eine Tor, das er schoss, zählte nicht: Abseits.

Rüdiger (ab 46.): Wirkte etwas fahrig, ließ seinen Gegner zum Schuss kommen (48.) und verlor zweimal den Ball.

Draxler (ab 46.): Wenig auffällig. Schoss einmal knapp drüber (82.).

Petersen (ab 70.): Hatte sofort eine Chance, schoss aber volley drüber (74.).

Kehrer (ab 72.): Debütant Nummer 2.

Müller (ab 84.): Nähert sich Minute für Minute seinem 100. Länderspiel .

Havertz (ab 88.): Debütant Nummer 3.

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