Tennis

Niederlage für Deutschland: Daviscup wird radikal reformiert

Der französische Teamkapitän Yannick Noah jubelt bei der Daviscup-Siegerehrung 2017 mit dem Pokal

Der französische Teamkapitän Yannick Noah jubelt bei der Daviscup-Siegerehrung 2017 mit dem Pokal

Foto: Michel Spingler / dpa

Bereits 2019 wird der traditionsreiche Wettbewerb in völlig neuem Modus ausgetragen. Dahinter steckt auch ein Fußballstar.

Orlando.  Der Tennis-Weltverband ITF hat für eine Radikalreform des Daviscups gestimmt. Bei der Generalversammlung in Orlando (US-Bundesstaat Florida) erhielt der umstrittene Vorschlag von ITF-Boss David Haggerty am Donnerstag 71,4 Prozent der Stimmen. Notwendig für die Reform war eine Zweitdrittelmehrheit.

Der Deutsche Tennis-Bund hatte gegen die Pläne gestimmt, die den 118 Jahre alten Teamwettbewerb komplett verändern werden. Schon ab dem kommenden Jahr soll nach einer Vorrunde im Februar mit Heim- und Auswärtspartien nach altem Muster im November eine Finalwoche mit 18 Teams an einem neutralen Ort ausgetragen werden.

Piqué tritt als Investor auf

Anstelle von vier über das gesamte Jahr verteilten Runden mit Heim- und Auswärtsspielen in der Weltgruppe spielen nun 18 Teams in einem einwöchigen Turnier in der zweiten November-Hälfte um die Trophäe. Nach einer Vorrunde folgt eine Finalrunde im K.-o.-Format mit jeweils zwei Einzeln und einem Doppel über zwei Gewinnsätze. In einem Qualifikationsturnier im Februar sollen 16 Teilnehmer ermittelt werden, zwei weitere erhalten eine Wildcard. Lille und Madrid haben bereits ihr Interesse als Gastgeber signalisiert.

Hinter den Plänen steckt die von Spaniens Fußballstar Gerard Piqué vom FC Barcelona geführte Investmentfirma Kosmos, die der ITF für 25 Jahre drei Milliarden Dollar versprochen hat. Zwar blieben Details des Deals bis zuletzt unklar, dennoch stimmten wohl vor allem die kleineren Verbände wegen des Geldes für den Reformplan.

DTB schwer enttäuscht

„Wir waren leider nicht erfolgreich. Gestern waren wir noch zuversichtlich und hatten genügend Stimmen“, sagte DTB-Boss Ulrich Klaus. „Das ist jetzt schon eine große Enttäuschung, die uns erst mal fassungslos macht. Es wurde nur über Geld, aber nicht über Sport geredet“, sagte Klaus.

Deutschland hatte wie auch die großen Tennisnationen Australien und Großbritannien gegen die Pläne Haggertys gestimmt. Zwar seien Änderungen am Format notwendig, so drastisch wie der ITF-Boss wollte der DTB den traditionsreichen Wettbewerb aber nicht verändern. Vor allem die Tatsache, dass nun nur noch einmal im Jahr die Möglichkeit auf ein Heimspiel besteht, stieß beim DTB auf heftige Kritik.