Hamburg

Hoffnung auf ein Sommermärchen bei Rollstuhlbasketball-WM

Sportsenator Andy Grote (l.) mit Holger Geschwindner (M., viele Jahre persönlicher Trainer und Mentor von Dirk
Nowitzki), Ulf Mehrens (Präsident IWBF) und Edina Müller (Kuratorin der Alexander-Otto-Stiftung)

Sportsenator Andy Grote (l.) mit Holger Geschwindner (M., viele Jahre persönlicher Trainer und Mentor von Dirk Nowitzki), Ulf Mehrens (Präsident IWBF) und Edina Müller (Kuratorin der Alexander-Otto-Stiftung)

Foto: Michael Schwartz / MSSP

Große Eröffnungsgala vor dem Start in der Fischauktionshalle. Am Erfolg des deutschen Teams wird sehr viel hängen.

Hamburg.  Mit dem Rahmen für den offiziellen Eröffnungsabend der Rollstuhlbasketball-Weltmeisterschaft konnte Hamburg bei den internationalen Gästen schon mal punkten. Die historische Fischauktionshalle, Blick auf die Elbe, auch die Sonne ließ sich blicken und beschien das gigantische Plakat am Dock auf der anderen Elbseite: „Za Donk“. Die WM kann losgehen. „Die Stadt Hamburg ist sehr, sehr stolz, diese Veranstaltung ausrichten zu dürfen“, sagte Sportsenator Andy Grote bei seinen Begrüßungsworten zu den etwa 500 Gästen, „wir stehen für Austausch, für Begegnungen und Austausch unter den Nationen.“

94 Spiele von 28 Mannschaften bei den Damen und Herren stehen ab heute auf dem Programm in der Inselparkhalle in Wilhelmsburg sowie der extra errichteten kleinen Halle direkt daneben. „Rollstuhlbasketball ist ein hochattraktiver Leistungssport“, betonte Grote und verwies mit Blick auf die Hamburger Nationalspielerinnen Anne Patzwald, Mareike Miller und Maya Lindholm auf den ohnehin hohen Stellenwert des Spiel in der Stadt. „Wir möchten aber mit der WM das Ansehen des Behindertensports noch weiter stärken“, sagte Grote, „es ist auch ein wichtiger Bestandteil unseres Programms Active City.“

Aufmerksamkeit nur über sportlichen Erfolg

Mit drei Millionen Euro des Fünf-Millionen-Etats unterstützt die Stadt die größte Behindertensportveranstaltung nach den Paralympics und machte damit das Turnier überhaupt erst möglich, das von einem großen Sport- und Kulturprogramm rund am Inselpark begleitet wird. „Jetzt gilt’s“, sagte Ulf Mehrens, der Präsident des Weltverbands, der die Titelkämpfe 2016 nach Hamburg geholt hatte, „es ist ein Heimspiel. Jetzt wird die Basketball-Gemeinschaft genau hinsehen, ob alles so stimmt, was wir immer erzählt haben. Ich hoffe natürlich, dass die deutschen Mannschaften gut abschneiden.“

Eintritt bis 17 Uhr frei – Dauerkarten weg

Na klar, am Erfolg wird sehr viel hängen. Schon hat das ZDF um Spielverlegungen in der K.-o.-Runde gebeten, um mögliche deutsche Spiele übertragen zu können. Ein „Sommermärchen“ wünscht sich der Deutsche Behindertensportverband. Die erhoffte Aufmerksamkeit und Werbung für das Spiel wird nur über sportlichen Erfolg gehen. „Ich hoffe, dass der Funke zwischen uns und den Zuschauern hin- und herspringt und wir von den Fans getragen werden“, sagt Herren-Bundestrainer Nicolai Zeltinger.

USA sind der Favorit bei den Männern

Sein Team steigt an diesem Donnerstag um 17.45 Uhr gegen Afrikameister Marokko in das Turnier ein. Die Damen treffen anschließend (20 Uhr) auf Algerien. Während für die Männer um den ehemaligen Hamburger Kai Möller das Viertelfinale das Minimalziel ist, wollen die Damen um die Medaillen mitspielen. Dafür sollten sie in der Vorrunde einen der ersten beiden Plätze belegen, um im Viertelfinale Top-Favorit Niederlande aus dem Weg zu gehen. „Über das Viertelfinale hinaus ist alles möglich“, sagt Bundestrainer Martin Otto, dessen Team 2014 Vizeweltmeister und Zweiter der Paralympischen Spiele von Rio 2016 wurde.

Die wirklich heißen Titelkandidaten sind aber andere. „Bei den Männern gibt es für mich einen eindeutigen Top-Favoriten, und das sind die USA, der Paralympics-Sieger. Die Amerikaner haben einen sehr ausgeglichenen Kader mit zahlreichen Ausnahmekönnern “, urteilt Holger Glinicki (65).

Niederlande bei den Frauen stark

Der Trainer der BG Baskets hatte die deutschen Damen als Bundestrainer 2012 zur Goldmedaille bei den Paralympics in London geführt und nach Silber 2016 in Rio das Amt an Otto abgegeben. „Auch bei den Frauen gibt es einen klaren Favoriten: die Niederlande. Diese Mannschaft ist wahrscheinlich noch überlegener als die USA bei den Männern“, meint Glinicki.

Bis auf die Frauen aus Algerien waren am Mittwoch alle Mannschaften im Hotel beim Gängeviertel angekommen und für kurze Zeit teilweise in der Fischauktionshalle dabei. Nach einer kleinen Talkrunde auf der Bühne über den Sport wurde schließlich das Büfett eröffnet. Bei Weißburgunder und Wasser, Labskausröllchen und Filet vom Zander feierten die Gäste bis spät in die Nacht. Die meisten Spieler waren da schon im Hotel, sie müssen schließlich heute fit sein

Die deutsche Kapitänin Mareike Miller hat ihr Hotelzimmerfenster mit einer großen Deutschlandfahne dekoriert. Die 28 Jahre alte Hamburgerin von den BG Baskets hat schon viel erlebt, aber das hier, das wird anders, glaubt sie: „Bei einer Heim-WM zu spielen, mit Freunden, Familie, Bekannten in der eigenen Stadt, das kann man mit nichts anderem vergleichen. Das ist einmalig.“