WinseN an der Luhe

Porsche European Open: Wie die Golfstars der Hitze trotzen

Bryson DeChambeau
(24) stammt aus
Kalifornien und
gewann bisher drei
Profiturniere

Bryson DeChambeau (24) stammt aus Kalifornien und gewann bisher drei Profiturniere

Foto: Axel Heimken / dpa

Bryson DeChambeau gelingt bei den Porsche European Open die beste Auftaktrunde. Lokalmatador Benedict Staben überrascht.

Winsen an der Luhe.  Die Kanada-Gänse an ihrem Badeteich hatten einen harten Tag. Andauernd, quasi alle Viertelstunde, wurden sie aufgeschreckt, quittierten die Störungen mit einem empörten Protestgeschnatter und mühten sich weg. Weg von den Golfbällen, die sie ständig in ihrer Ruhe am Wasserhindernis der 18. Spielbahn vor dem letzten Grün des Porsche Nordkurses störten. Mindestens 25 Vögel einschließlich Nachwuchs residieren dort, aber bei den Porsche European Open auf den Green Eagle Golfcourses haben seit Donnerstag die Golfprofis das Regiment übernommen. Und die brachten zum Auftakt des mit zwei Millionen Euro dotierten Turniers der European Tour selbst reichlich Vögelchen – also Birdies – mit.

Fast die Hälfte der 156 Starter blieb an einem Golftraumtag unter dem Platzstandard von 72 Schlägen, die Birdies fielen also reihenweise. „Der Platz war in einem wunderbaren Zustand“, sagte US-Profi Bryson DeChambeau, der sein Startgeld und seiner Mitfavoritenrolle gerecht wurde und als Führender mit sechs Schlägen unter Par den Turnierauftakt abschloss. Masters-Champion Patrick Reed tat sich am Nachmittag etwas schwerer, erst mit zwei Birdies auf den letzten beiden Löchern rettete er mit insgesamt zwei Schlägen unter Par und gleichauf mit dem Masters-Sieger von 2011, Charl Schwartzel (Südafrika), als geteilter 27. seine Runde.

Einheimischer überraschte

Die Überraschung des Tages aber war ein Einheimischer, ein Clubmitglied der Green Eagle Courses: Benedict Staben spielte seine beste Runde als Profi auf der European Tour und belegt mit 67 Schlägen nur einen Schlag hinter DeChambeau den geteilten zweiten Platz. Damit konnte wirklich niemand rechnen – und Staben wird es wohl auch nicht getan haben. Nur mit einer Wildcard des Veranstalter darf er überhaupt mitspielen, er ist ja nicht für die European Tour qualifiziert.

Er hatte ein miserables Jahr 2017, in der Weltrangliste wird er aktuell auf Platz 1909 notiert, schlechter ist fast keiner der Spieler im Feld. „Ich bin super glücklich“, sagte der 28 Jahre alte Hittfelder nach seiner Traumrunde, „es war eine sehr emotionale Sache für meine Familie und mich.“ Vor einem Jahr trug sein kürzlich verstorbener Vater als Caddy seine Schlägertasche. „Daran musste ich natürlich oft denken.“

Außergewöhnlicher Tag

Nach zwei Pars zu Beginn schoss ihm durch den Kopf: „Was mache ich hier eigentlich?“ Das Birdie auf Bahn drei war dann ein Startschuss für den außergewöhnlichen Tag: „Danach war ich in einem Flow.“ Der 6969 Meter lange Platz kommt dem Longhitter entgegen, und diesmal schaffte er es, den Ball bei aller Länge im Spiel zu halten: „Ich habe viele Fairways getroffen.“ Und nun? „Angriff, ich werde ganz sicher nicht defensiv spielen.“

7100 Zuschauer haben zum Auftakt des Turniers den Weg nach Winsen gefunden. 300 mehr als im Vorjahr, als Dauerregen Spiel und Zuschauen erschwerte. Diesmal knallte die Sonne, weit mehr als 30 Grad, jedes leichte Lüftchen nahmen Fans, Caddys und Spieler dankbar auf. „Fünf Liter trinke ich auf einer Runde bei diesen Bedingungen“, sagte der Engländer Paul Casey, der mit 69 Schlägen als geteilter 15. aussichtsreich im Rennen liegt.

Hitze kann ein Faktor werden

So freute sich das Personal im Halfwayhouse zwischen den Bahnen 5, 6 und 9 auch über ein außergewöhnlich gutes Geschäft. „Wir haben viele Getränke und Eis verkauft. Und wenn es so bleibt, dann wird es hier am Wochenende richtig brummen.“ Das Ehepaar Jürgen und Gertrud sorgt für Ruhe am sechsten Abschlag. Beide sind Freiwillige, Volunteers. Sie kommen aus Kaiserslautern und nehmen Urlaub, um in Winsen dabei zu sein. „Das macht viel Spaß. Die Zuschauer sind sehr diszipliniert, es gab gar keine Probleme“, sagt Jürgen. Er hofft, auch am Freitag wieder am gleichen Platz eingeteilt zu werden. „Wir haben hier einen Baum, der spendet Schatten.“

„Die Hitze“, glaubt DeChambeau, „kann zu einem Faktor bei einem langen Turnier werden. Er schlägt an diesem Freitag erst um 13 Uhr zur zweiten Runde ab. „Glücklicherweise fühle ich mich in der Hitze wohl, ich bin damit aufgewachsen“. sagt er. Erst gegen 20 Uhr war der letzte Put gefallen. Die Gäste auf der Terrasse des VIP-Gebäudes an der 18, die einige Male in Gefahr schwebten, weil Querschläger an ihren Köpfen vorbeizischten, konnten nun ohne Sorgen ihre Absacker trinken. Und auch die Gänse hatten endlich wieder ihre Ruhe.