Tennis am Rothenbaum

Die Weltkarriere des Hamburg-Liebhabers muss noch warten

Rudi Molleker (r.) gratuliert seinem Bezwinger Jozef Kovalik

Rudi Molleker (r.) gratuliert seinem Bezwinger Jozef Kovalik

Foto: LeonieHorky / WITTERS

Rudi Molleker scheidet im Achtelfinale am Rothenbaum als letzter Deutscher aus. Jetzt ruhen Stichs Hoffnungen auf Thiem.

Hamburg.  Niemand mag Gäste, die ungebeten erscheinen, sich im Wohnzimmer breit machen und mit ebenso endlosen wie langweiligen Anekdoten jegliche Stimmung killen. Jozef Kovalik allerdings konnte am Mittwochnachmittag nur wenig dafür, dass die rund 3000 Besucher auf dem Centre-Court am Rothenbaum verstummten.

Rudi Molleker, der 17 Jahre alte Berliner, der am Montag mit seinem Dreisatzsieg über Spaniens Altmeister David Ferrer (36) alle entzückt und anschließend Hamburg als sein Wohnzimmer bezeichnet hatte, hatte seinem slowakischen Achtelfinalgegner nicht nur die Tür geöffnet. Er hatte ihm auch den Sessel untergeschoben, die Hausschuhe an die Füße gesteckt und ihm artig all das serviert, was er brauchte.

4:6, 0:6 hieß es nach ernüchternden 52 Minuten, an deren Ende eins deutlich wurde: Dass die Weltkarriere, die Molleker von sich selbst erwartet, noch ein wenig auf sich wird warten lassen. Grundschläge, Angriffsbälle, Aufschlag – alles misslang. Immerhin machte Mut, dass der Weltranglisten-272., der mit einer Wildcard ins Hauptfeld gelangt war, seine Leistung schonungslos analysierte. „Alle haben gesehen, dass es eine schlechte Performance war. Ich bin nicht ins Match reingekommen, so kann man nicht gewinnen“, sagte er.

Ex-Trainer klagt über Leistungsschwankungen

Sein ehemaliger Cheftrainer Jan Velthuis, von dem sich Molleker vor einem Monat getrennt hatte, hatte vor allem die Leistungsschwankungen des deutschen Toptalents angeprangert. Innerhalb von zwei Tagen führte der einstige U-14-Weltmeister in Hamburg nun seine Schwankungsbreite vor. „Zwischen dem Sieg gegen Ferrer und der Niederlage heute lagen Welten. Ich muss lernen, konstanter zu spielen“, gestand er ein.

Die Suche nach einem Trainer, der ihm dies beibringt, und der vor allem dauerhaft mit den Launen des vor 14 Jahren aus der Ukraine gekommenen Spätaussiedlers umzugehen versteht, will er nun forcieren. „Es muss aber nicht schnell gehen, wichtig ist, dass es der Richtige ist“, sagte er.

Kein Deutscher mehr im Stich-Turnier

Der Weg der sieben gestarteten deutschen Profis beim traditionsreichsten nationalen Herrentennisevent ist, da auch der Münchner Daniel Masur (23/Nr. 349) mit 2:6, 2:6 gegen den argentinischen Weltranglistenzwölften Diego Schwartzman (25) ausschied, im Achtelfinale beendet. Letztmals stand vor drei Jahren kein Einheimischer im Viertelfinale.

Damals, 2015, holte Spaniens Superstar Rafael Nadal den Titel. Nun liegen die Hoffnungen auf dem Österreicher Dominic Thiem (24). Der topgesetzte Weltranglistenachte muss sich an diesem Donnerstag (15 Uhr/Sky Sport News HD) gegen den Australier John Millman (29/Nr. 50) behaupten.

Wohnzimmer-Eroberer Kovalik hat es im Viertelfinale dagegen mit Thiago Monteiro (24/Nr. 146) zu tun. Den Brasilianer hatte er bereits in der Qualifikation besiegt, dann rutschte Monteiro als Lucky Loser ins Hauptfeld. Nach Siegen über die ehemaligen Top-Ten-Spieler Gilles Simon (Frankreich) und Fernando Verdasco (Spanien) träumt er nun davon, es dem Argentinier Leonardo Mayer gleichzutun, der 2017 am Rothenbaum als Lucky Loser den Titel holte. „Hier meinem Idol Gustavo Kuerten nachzufolgen, das wäre ein Traum“, sagte Monteiro. Kuerten hatte vor 18 Jahren als bislang einziger Brasilianer in Hamburg triumphiert.