Basketball

Hamburg Towers wollen in Las Vegas neue Spieler finden

Sportchef Marvin
Willoughby (40)
ging im Kreisliga-Team
der Towers wegen
Verletzungen
nur selten
auf Korbjagd

Foto: Klaus Bodig / HA

Sportchef Marvin Willoughby (40) ging im Kreisliga-Team der Towers wegen Verletzungen nur selten auf Korbjagd

Sportchef Marvin Willoughby reist im Juli in die USA. Der Bundesliga-Aufstieg bleibt das strategische Ziel.

Hamburg.  Mit dem Aufstieg hat es am Ende dann doch noch geklappt. Die Hamburg Towers schafften unter Trainer Daniel Pinsker den Sprung aus der Kreis-in die Bezirksliga, Hamburgs dritthöchste Basketballklasse. Eigentlich hatten sie im Verein diesen Erfolg eher dem Team um Sportchef und Ex-Nationalspieler Marvin Willoughby (40) zugetraut, doch die Mannschaft, besetzt mit vielen Mitarbeitern der Geschäftsstelle, schwächelte, wurde in der Kreisliga A nur Vierter.

Auch die Towers-Profis hatten in der 2. Basketball-Bundesliga Pro A als Tabellenzehnter den Korb nicht ausreichend oft getroffen, was im Februar Cheftrainer Hamed Attarbashi (41) den Job kostete. Trotz des sportlichen Rückschlages hält Willoughby an den strategischen Zielen fest: „Wir wollen nächstes Jahr unter die ersten vier kommen und in den Play-offs ins Halbfinale.“ Dass dann nur ein Sieg zum Bundesliga-Aufstieg fehlt, erwähnt er im Nebensatz gern. „Natürlich wollen wir nicht noch in 20 Jahren hier sitzen und davon träumen.“

Lehren gezogen

Die Lehren aus der vergangenen Spielzeit sind gezogen. Mit dem polnischen Nationaltrainer Mike Taylor (45) wurde ein erfahrener Coach für zwei Jahre verpflichtet, der in Deutschland in Chemnitz (2001/2002) und Ulm (2003 bis 2011) Erfolge feierte. In Polen steht der US-Amerikaner noch bis Ende Februar 2019 unter Vertrag und wird in der nächsten Saison im November und Februar seinen dortigen Verpflichtungen nachkommen müssen. In dieser Zeit betreut Co-Trainer Benka Barloschky (30) das Team, was er nach Attarbashis Beurlaubung schon am Ende der vergangenen Serie tat.

Das Spielerprofil wurde ebenfalls für die anstehenden Herausforderungen geschärft. „Wir müssen zu 100 Prozent von ihnen überzeugt sein, und sie müssen bewiesen haben, dass sie ihr Potenzial auch zu 100 Prozent abrufen können und wollen“, sagt Willoughby. Das trifft offenbar aus der bisherigen Mannschaft nur auf Eigengewächs René Kindzeka (23), Hrvoje Kovacevic (32), Jannik Freese (31) und den nach einem Kreuzbandriss rekonvaleszenten Justin Raffington (27) zu. Ihre Verträge wurden um ein Jahr verlängert.

Mehr Qualität, weniger Quantität

Mehr Qualität, weniger Quantität heißt die Losung bei der Zusammensetzung des neuen Kaders. Auf acht bis maximal zehn gestandenen Spielern wird die Verantwortung lasten, vier Talente sollen das Aufgebot ergänzen. Kandidaten dafür sind Osaro Jürgen Rich Igbineweka (19) und Marius Behr (21), die bereits in der vergangenen Saison zu Kurzeinsätzen in der ProA kamen. Aus der Jugendbundesliga (Piraten Hamburg) könnten Justus Hollatz (17), Jens Großmann (18) und Emil Marshall (18) eine Bewährungschance erhalten. Mit Zweitspielrecht bei Kooperationspartner SC Rist Wedel (2. Bundesliga Nord ProB) wäre ihnen Spielpraxis garantiert. „Die Zusammenarbeit mit Wedel wird auf allen Ebenen immer enger und besser“, sagt Willoughby. „Beide Vereine wollen sicherstellen, dass keine Talente Hamburg vorzeitig verlassen.“

Entscheidend für künftige Erfolge könnte jetzt Willoughbys Einkaufstrip ins Spielerparadies Las Vegas werden. Vom 8. bis 15. Juli wirft dort die nordamerikanische Profiliga NBA ihre Summer League, „und drumherum gibt es eine Menge kleinerer Turniere, bei denen Spieler auftreten, die für uns interessant werden können. Die ganze Show ist eine Art Messe“, weiß der Sportchef, der den nordamerikanischen Markt stets im Blick hat.

Finanzielle Mittel sind begrenzt

Die finanziellen Mittel der Towers sind indes begrenzt. Der Etat liegt weiter bei knapp zwei Millionen Euro, womit die Hamburger nicht zu den Top vier der ProA gehören. Mit einer guten Kaderzusammenstellung und dem Rückhalt der Fans in der edel-optics.de-Arena in Wilhelmsburg sollten aber pekuniäre Engpässe zu kompensieren sein. Im Umfeld und der Organisation sind die Towers inzwischen erstligareif. „Sollten wir aufsteigen, müssten wir weder bei der Zahl unserer Trainer noch auf der Geschäftsstelle nachrüsten“, sagt Geschäftsführer Jan Fischer (37). Nur beim Etat: Für Liga eins müssen Mindesteinnahmen von drei Millionen Euro nachgewiesen werden.

Robert Ferguson (33), ehemaliger Kapitän der Hamburg Towers (2014–2017), hat wegen Kniebeschwerden seine Profikarriere beendet. Er spielte zuletzt für Baunach in der ProA und will jetzt in dem Verein als Spieler/Trainer in der Regionalliga weitermachen.

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