French Open

Zverev wehrt Matchball ab: "Hatte nichts mit Tennis zu tun"

Alexander Zverev hatte auch mit seinem eigenen Spiel zu kämpfen

Alexander Zverev hatte auch mit seinem eigenen Spiel zu kämpfen

Foto: Matthew Stockman / Getty Images

Der Hamburger muss trotz eines furiosen Starts erneut über fünf Sätze gehen. Sein Gegner Dzumhur rennt einen Balljungen um.

Paris.  Alexander Zverev atmete sichtbar tief durch, die Erleichterung nach dem nächsten nervenaufreibenden Krimi war der deutschen Tennis-Hoffnung nach dem verwandelten Matchball deutlich anzusehen. Mit einem erneuten Sieg des Willens hat der 21-Jährige erstmals in seiner Karriere das Achtelfinale der French Open erreicht.

Der an Nummer zwei gesetzte Hamburger zitterte sich gegen den Bosnier Damir Dzumhur nach 3:54 Stunden zu einem 6:2, 3:6, 4:6, 7:6 (7:3), 7:5 – und überstand damit zum zweiten Mal überhaupt die dritte Runde bei einem Grand-Slam-Turnier.

„Das Match war Wahnsinn. Ich bin einfach nur froh, das überstanden zu haben“, sagte Zverev nach Spielende: „Ich konnte nur kämpfen. Etwas anderes ging nicht. Ich bin jetzt einfach nur müde.“

Dzumhur mit Anti-Tennis erfolgreich

Bislang war Zverev, der gegen Dzumhur im fünften Satz sogar einen Matchball abgewehrt hatte, lediglich in Wimbledon 2017 ins Achtelfinale eingezogen. In Paris trifft er nun in der Runde der letzten 16 auf Lokalmatador Lucas Pouille (Frankreich/Nr. 15) oder den Russen Karen Chatschanow. Bereits in der zweiten Runde von Roland Garros hatte der Weltranglistendritte bei seinem Sieg gegen den Serben Dusan Lajovic über fünf Sätze gehen müssen.

Im ersten Match des Tages hatte der passionierte Langschläfer Zverev zunächst einen hellwachen Eindruck gemacht. Mit gutem Service und aggressivem Grundlinienspiel hatte er den an Nummer 26 gesetzten Dzumhur ins Laufen gebracht, seine Chancen konsequent genutzt. Nach nur 24 Minuten gewann Zverev den ersten Satz, ging auch im zweiten Durchgang früh mit einem Break in Führung.

Das Publikum im zu dieser Tageszeit noch eher spärlich besetzten Court Philippe Chatrier bedachte Außenseiter Dzumhur deshalb früh mit aufmunterndem Applaus. Und tatsächlich fand der 26-Jährige danach besser in die Partie – indem er sein Spiel komplett umstellte. „Eine 3:1-Führung, eigentlich eine gemähte Wiese. Doch dann spielt Dzumhur mit seinen vielen Stopps Anti-Tennis“, analysierte Boris Becker bei Eurosport.

Bruder Mischa kann nachziehen

Weil Zverev im dritten Satz dann plötzlich zusätzlich auch noch viele leichte Fehler produzierte, kippte das Match endgültig. Dzumhur war nun am Drücker, Zverev haderte mit sich selbst. Immer wieder ging der Blick des Hamburgers fragend in Richtung der eigenen Box, wo Vater Alexander senior als sein Trainer allerdings ebenfalls hilflos war.

Doch wie schon in der Runde zuvor gegen Lajovic stemmte sich der dreimalige Masters-Turnier-Sieger mit seiner ganzen Willenskraft gegen die drohende Niederlage. Den vierten Satz gewann er im Tiebreak. „Das hatte mit Tennis nichts mehr zu tun, das war nur noch pure Lust aufs Kämpfen“, urteilte Becker: „Sascha hat in der entscheidenden Phase Kämpferherz bewiesen.“ Das galt auch für das große Finale im fünften Satz.

Am Sonnabend haben in Paris nun noch zwei deutsche Spieler die Chance auf den Einzug in die Runde der letzten 16. Zverevs älterer Bruder Mischa bekommt es mit dem Südafrikaner Kevin Anderson (Nr. 6) zu tun, Maximilian Marterer (Nürnberg) trifft auf Jürgen Zopp (Estland). Zudem ist ein deutsches Damentrio mit Julia Görges (Bad Oldesloe/Nr. 11), Angelique Kerber (Kiel/Nr. 12) und Andrea Petkovic (Darmstadt) im Einsatz.