Grand-Slam-Anlauf

Diesmal sind die Chancen für Zverev wirklich so groß wie nie

Ein kleiner Blick zurück? Bei Grand Slams konnte Alexander Zverev bislang noch nicht seine Extraklasse beweisen

Ein kleiner Blick zurück? Bei Grand Slams konnte Alexander Zverev bislang noch nicht seine Extraklasse beweisen

Foto: Cameron Spencer / Getty Images

Für den Hamburger Alexander Zverev lief die Sandplatzsaison bisher bestens, nun soll bei den French Open die Bestätigung folgen.

Paris. Die Nummer eins ist er schon – in der Jahreswertung der Tennis-Herren. Im Finale der French Open war er auch schon als Junior vor fünf Jahren. Nun soll es für Alexander Zverev aus Hamburg auch bei einem Grand-Slam-Turnier zum ersten Mal in die entscheidende Phase gehen. Die Voraussetzungen waren nie besser als vor der 117. Auflage in Roland Garros, die an diesem Sonntag in Paris beginnt.

Erst der Weltranglisten-Erste und zehnmalige French-Open-Champion Rafael Nadal stoppte zuletzt in Rom die Siegesserie des phänomenal aufspielenden Zverev. Der Weltranglisten-Dritte stand in drei Turnieren nacheinander im Endspiel, holte die Titel in München und beim Masters-Event in Madrid. Da sollte der Litauer Ricardas Berankis in der ersten Runde als Nummer 92 der Welt eine überwindbare Hürde sein, anders als der Spanier Fernando Verdasco im vorigen Jahr.

„Natürlich ist Rafa der Favorit in Paris, das ist gar keine Frage“, sagte der Norddeutsche mit Blick auf den Höhepunkt der Sandplatzsaison in Nadals Wohnzimmer. Er wiederholte eine Weisheit aller Tennisprofis: „Für mich geht es da Match für Match. Hoffentlich werde ich in der Lage sein, das gleiche Tennis wie in den drei Wochen davor zu spielen.“

Zverev macht sich selbst keinen Druck

Dort hatte der fast zwei Meter lange Schlaks mit seinem Aufschlag auch auf Sand die Basis für seine 13 Siege in Serie gelegt und mit seinen enorm druckvollen Grundschlägen beeindruckt.

Zverev selbst geht mit den Erwartungen an ihn gelassen um. Dass es für einen Triumph bei einem großen Turnier bisher nicht gereicht hat, sieht er „nicht so sehr als Problem“, wie er jüngst der „Welt am Sonntag“ erzählte. „Ich bin 21 Jahre alt, die meisten waren älter, als sie ihr erstes Grand-Slam-Turnier gewannen“, erklärte der Hamburger. „Ich habe noch Zeit. Ich glaube, da läuft nichts falsch.“

Davon ist auch Nadal überzeugt. In Rom hatte er erklärt: „Wenn er in den nächsten beiden Jahren nicht gut bei den Grand Slams spielt, könnt Ihr zu mir kommen und mir sagen, dass ich nichts vom Tennis verstehe.“ Geht es nach der Setzliste, treffen sich der Spanier und Zverev wieder im Finale, denn der Norddeutsche ist in Abwesenheit von Roger Federer, der die Sandplatz-Saison wieder auslässt, die Nummer zwei im Tableau des mit 39 Millionen Euro dotierten Turniers.

Was kann Kerber erreichen?

Der deutsche Fokus in Paris dürfte sich voll auf Zverev richten, auch weil angesichts schwerer Lose vielen deutschen Damen ein frühes Aus droht. Die Kielerin Angelique Kerber ist in einem deutschen Duell mit Mona Barthel aus Neumünster gefordert.

Den Druck der Nummer eins hat Kerber nicht mehr, ihr Trainer Wim Fissette gab sich in dieser Woche optimistisch. „Sie fühlt sich wieder frisch“, sagte der Belgier in einem Beitrag auf der Homepage der Spielerinnen-Organisation WTA.

„Ihr Ziel ist es, wieder die Nummer eins zu werden und die Dinge anders zu machen“, betonte Fissette. Der erste Sieg in Paris seit drei Jahren wäre für das Selbstvertrauen der einstigen Australian- und US-Open-Siegerin aus Kiel schon wichtig.