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So allein wird Bruno Labbadia in Wolfsburg gelassen

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Bruno Labbadia kämpft in Wolfsburg gegen die Krise auf allen Ebenen

Bruno Labbadia kämpft in Wolfsburg gegen die Krise auf allen Ebenen

Foto: dpa

Endzeitstimmung beim VfL: Dem führungslosen VW-Club droht sogar der direkte Abstieg. Trainer kämpft auf allen Ebenen.

Wolfsburg.  Bruno Labbadia und seine Spieler standen geknickt auf dem Rasen, ein bisschen hilflos schauten sie, was sich da auf der Nordtribüne zusammenbraute. Eine Horde Wolfsburger Fans hatte sich schwarz vermummt, sie stiegen auf den Zaun, blanke Wut. Die Polizei marschierte auf, ein Platzsturm drohte. Nur zaghaft gingen Labbadia und Co. dann in die Kurve.

„Die Leute sind enttäuscht, keine Frage. Wir haben kein Ergebnis geliefert, und deshalb müssen wir uns auch der Kritik stellen“, sagte Labbadia nach dem so schwachen Auftritt der Wölfe im Kellerkrimi gegen den HSV. Labbadia musste zugeben: „Wir liegen ein Stück weit am Boden.“ Der 52-Jährige machte sich nach der Trennung von Sportdirektor Olaf Rebbe auf weitere turbulente Tage gefasst, in denen „auf uns eingehauen wird“. Die HSV-Fans fingen gleich nach Abpfiff damit an, höhnisch feierten sie ihren Relegations-Retter von 2015. „Bruno Labbadia, ohohohohooh“, sangen sie.

Fans haben die Schnauze voll

Wolfsburg wirkte einmal mehr seltsam lethargisch. Labbadia hatte elf Spieler auf dem Platz, aber keine Mannschaft. Von den letzten zwölf Ligaspielen gewann der millionenschwere Kader des DFB-Pokalsiegers von 2015 nur eines, die Fans zittern vor dem direkten Abstieg. Oder der zweiten Relegation in Serie. „Wenn jetzt nicht alle Alarmglocken läuten, dann habe ich keine Ahnung“, sagte U-21-Europameister Maximilian Arnold: „Wir müssen uns verdammt noch mal den Arsch aufreißen.“ Sein unterschwelliger Vorwurf: Nicht alle Kollegen sind trotz der prekären Lage mit vollem Einsatz dabei. Die Fans skandierten den Klassiker „Wir wollen euch kämpfen sehen.“ Und irgendwann dann: „Wir haben die Schnauze voll!“

Arnold war einer der wenigen Spieler, die sich in der Kurve dem aufgebrachten Anhang stellten. „Ich kann das alles nachvollziehen, aber in der Situation hilft uns das nicht. Wenn wir uns selbst zerfleischen, haben wir keine Chance“, sagte der 23-Jährige und rief die beiden nächsten Partien in Leipzig und dann gegen Köln zu Endspielen aus.

Labbadias Verzweiflung

Labbadia versucht derweil verzweifelt, gegen die aufkommende Endzeitstimmung zu kämpfen. „Wir haben es immer noch in der Hand. Es liegt an uns, wieder aufzustehen“, sagte er. Nach der Trennung von Rebbe und der geplatzten Verpflichtung von Horst Heldt (Hannover 96) ist Labbadia mitten in der Krise das letzte verbliebene Gesicht der sportlichen Führung in Wolfsburg.

Nach der neuerlichen Pleite gegen den HSV bleiben die Wölfe im Selbstzerstörungsmodus.

( HA )

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