HSV Hamburg

Was sich für die Handballer durch den Aufstieg alles ändert

Die Macher des Handball Sport Vereins Hamburg, Vizepräsident Martin Schwalb (54, l.) und Vereinsboss Marc Evermann (46), haben derzeit gut lachen

Die Macher des Handball Sport Vereins Hamburg, Vizepräsident Martin Schwalb (54, l.) und Vereinsboss Marc Evermann (46), haben derzeit gut lachen

Foto: Witters

Der HSVH muss sich für die 2. Bundesliga rüsten. Trainer Jansen fehlt die A-Lizenz, die Halle ist hingegen bereits erstligareif.

Hamburg.  Die Feierlichkeiten nach der perfekten Drittliga-Meisterschaft drei Spieltage vor Saisonschluss und dem Aufstieg in die 2. Bundesliga klingen beim Handball Sport Verein Hamburg (HSVH) ab, die Vorfreude auf die kommende Spielzeit bleibt groß. Für die Vereinsverantwortlichen um Präsident Marc Evermann und Martin Schwalb „beginnt die Arbeit jetzt erst so richtig“, wie Vizepräsident Schwalb sagt. Die Sponsorensuche soll intensiviert, die Zweite Liga wegen ihrer größeren Reichweite zum Faustpfand bei der Akquise werden.

Sportlich ist die 2. Bundesliga für die Hamburger Neuland, startete der HSV Hamburg 2002 einst durch die Lizenzübernahme von VfL Bad Schwartau doch direkt im Oberhaus. Was den HSVH jetzt erwartet, woran er arbeitet:


Kader
Für neue Spieler fehle noch das Geld, hatte Martin Schwalb im Gespräch mit dem Abendblatt angekündigt. Das junge, entwicklungsfähige und erfolgreiche Team solle gehalten werden, Gespräche seien geführt. Spieler wie Kapitän Lukas Ossenkopp (25, Rückraum links) und Philipp Bauer (21, Rückraum Mitte) können Zweitliga-Erfahrung vorweisen, die Linkshänder Jan Forstbauer (26) und Kevin Herbst (23, beide Rückraum rechts) kamen schon in der Eliteliga zum Einsatz. Dennoch zeigt der Saisonverlauf, dass der HSVH zwar einen großen, aber noch keinen breiten Kader hat. Spieler wie Jan Torben Ehlers (26, Rückraum links) und Lasse Kohnagel (31, Rückraum rechts) kamen in der entscheidenden Saisonphase kaum noch zum Einsatz. Der HSVH wird auch in Zukunft keine zweite Mannschaft gründen. „Die müsste dann in der untersten Liga beginnen, und damit wäre keinem Spieler geholfen“, sagt Trainer Torsten Jansen.

Ein Wunsch wäre es jede Position doppelt besetzen zu können. Auf Außen fehlt Ersatz zu Weltmeister Stefan Schröder (36, rechts) und Youngster Chris­toper Rix (21, links). Als Rix sich das Kahnbein brach, half Jan Kleineidam (19, Rückraum Mitte) auf Außen aus. Als Kleineidam nicht traf, gaben die Kreisläufer Niklas Weller (24) und Marius Fuchs (26) zuletzt in Flensburg den Außenspieler. Bei den Torhütern laufen die Verträge von Dominik Plaue (22) und Justin Rundt (23) aus, Jan Peveling (30) entschied sich aus beruf­lichen Gründen für den Abgang.

Trainer

Der Deutsche Handballbund (DHB) fordert von Trainern in der Zweiten Liga die A-Lizenz, Ex-Profi Torsten Jansen hat im Lehrgang für verdiente Nationalspieler die C- und B-Lizenz erworben. Nach Saisonende will sich der Coach um einen A-Kurs bemühen. „Daran wird es nicht scheitern“, sagt er. „Der Nachweis, dass ein Trainer zum A-Lizenz-Kurs eingeschrieben ist, wird akzeptiert“, sagt Oliver Lücke vom Ligaverband HBL. Dennoch könnten auf Jansen mehrere Ausbildungsblöcke zur Sportschule nach Bad Hennef zukommen.


Halle

Ende April wird die Sporthalle Hamburg durch den Leiter Spielorganisation der HBL abgenommen. Die Hamburger werden ihr „Zuhause“ weiter in Alsterdorf haben, ein Umzug in die Barclaycard Arena ist in der Hallenmiete zu kostspielig. Bei der Beschaffenheit der Heimspielstätte sind Spielfeldgröße, Auslaufzonen, selbst Lux-Stärke der Hallenbeleuchtung (1200) oder Duschen (6) in den Umkleideräumen streng vorgegeben. „Da gibt es höchstens Kleinigkeiten, die wir pro­blemlos nachbessern können“, sagt Präsident Evermann. Die Sporthalle Hamburg diente bereits dem HSV Hamburg als Spielstätte für weniger attraktive Europapokalpartien, kommt auch in Drittliga-Zeiten erstklassig daher. Beim Zuschauerschnitt von 3601 Fans pro Heimspiel (inklusive 9964 Besuchern beim Weihnachtsspiel 2017) ist der HSVH ohnehin top. Nur zwölf Clubs des Handball-Oberhauses haben mehr, kein anderer Zweitligist kommt auf diesen Schnitt.


Medien
Die Fernsehrechte an der 1. und 2. Bundesliga halten Pay-TV-Sender Sky sowie ARD und ZDF. „Wir werden künftig eine Pauschale aus den Erlösen der Medienrechte erhalten“, sagt Marc Evermann. In der aktuellen Spielzeit liegt die Summe, die jeder Zweitligist erhält, bei rund 24.000 Euro, wie die HBL mitteilt. Im Gegenzug übertragen die Sender exklusiv. Konnte der HSVH seine Drittliga-Heimspiele noch über den Streamingdienst Sportdeutschland.tv live ins Internet übertragen, ist dies in der kommenden Zweitliga-Saison untersagt.


Konkurrenz

Neben dem HSVH stehen mit dem TuS Ferndorf und dem TV Großwallstadt zwei weitere starke Aufsteiger in die 2. Bundesliga fest. Ferndorf sicherten sich den Meistertitel in der Weststaffel mit bislang 27 Siegen aus 27 Spielen verlustpunktfrei. Ostmeister Großwallstadt erinnert nach der Insolvenz 2015 und als sechsmaliger deutsche Meister und früherer Europapokalsieger der Landesmeister (1979, 1980) an den HSVH.

Nordduelle gegen die HSG Nordhorn-Lingen, den Wilhelmshavener HV und den VfL Lübeck-Schwartau, der als Tabellendritter aktuell den Erstliga-Aufstieg wohl knapp verpasst, warten. Mit dem TuSEM Essen und der HBW Balingen-Weilstetten tummeln sich weitere erstligaerprobte Vereine in Liga zwei. Klangvolle Namen, sportliche Schwerstarbeit – auch da wird die Zweite Liga von 20 auf 18 Teams reduziert. Am Ende der Saison 2018/19 steigen fünf Mannschaften ab, die halbe Liga muss sich auf Abstiegskampf einstellen.