München. Der FC Bayern deklassiert Mönchengladbach mit 5:1. Der Aufsichtsratschef des Rekordmeister weist Fehlverhalten bei Kovac-Deal zurück.

Mit einem unterhaltsamen Schaulaufen hat der FC Bayern vor eigenem Publikum die Feier zum sechsten Titel nacheinander in der Bundesliga nachgeholt. Eine Woche, nachdem sie in Augsburg ihre mittlerweile 28. deutsche Meisterschaft perfekt gemacht hatten, besiegten die Münchner ihren alten Rivalen Borussia Mönchengladbach nach anfänglichen Schwierigkeiten am Ende lustvoll mit 5:1 (2:1). Die Gladbacher dürften nach der 48. Niederlage im 100. Bundesligaspiel gegen den FC Bayern endgültig aus dem Rennen um die Europapokalplätze sein.

Ex-HSV-Profi schockt Bayern München früh im Spiel

Nach dem Rückstand durch den ehemaligen HSV-Profi Josip Drmic (8.) benötigte der zunächst behäbig wirkende Rekordmeister bis zur 37. Minute, um das Spiel zu drehen: Dann erzielte Sandro Wagner seinen ersten Treffer, vier Minuten später ließ er den zweiten folgen (41.), einen abgeprallten Schuss des Stürmers staubte Thiago ab (51.). Der eingewechselte James traf kurz darauf den Pfosten (53.).

Zu diesem Zeitpunkt hatten die zunächst bemerkenswert frechen Gladbacher die Gegenwehr weitgehend eingestellt, was David Alaba zum vierten Tor nutzte (67.). In der Schlussphase kam auch Stürmerstar Robert Lewandowski ins Spiel und zu seinem 27. Saisontor (82.).

Mönchengladbach nur ein Zwischenschritt vor den wichtigen Wochen

Im Grunde genommen war das Spiel aus Sicht des FC Bayern aber nur ein Aufwärmprogramm für die wirklich wichtigen Spiele in den kommenden drei Wochen. Am Dienstag (20.45 Uhr/ARD und Sky) treten die Münchner im Halbfinale des DFB-Pokal zunächst bei Bayer Leverkusen an. Die Werkself besiegte am Sonnabend den künftigen Trainer des Rekordmeisters: Niko Kovac und Eintracht Frankfurt verloren 1:4. Am 25. April (Heim) und 1. Mai folgt das Halbfinale in der Champions League gegen Real Madrid.

Zur Vorbereitung auf das DFB-Pokalspiel hatte Trainer Jupp Heynckes wie erwartet zahlreiche Wechsel in seiner Mannschaft vorgenommen. Auf der Bank saßen zunächst unter anderem Franck Ribery und Arjen Robben - beide haben mittlerweile das Angebot erhalten, sich ein weiteres Jahr bis 2019 an den FC Bayern zu binden. Auch Javi Martinez, Lewandowski und James sahen erst mal vom Spielfeldrand zu. Jerome Boateng stand gar nicht im Kader, ebenso wie der zuletzt angeschlagene Arturo Vidal.

Boatengs Stellvertreter Niklas Süle machte bei der frühen Führung der Gladbacher keine gute Figur: Allzu leicht ließ er sich von Torschütze Drmic in dessen 100. Bundesligaspiel austanzen. Nach einer Viertelstunde hatten sich die Bayern zumindest so weit gefangen, dass sie das Spiel dominierten. Große Chancen gab es zunächst nicht, was am arg statischen Aufbauspiel des Rekordmeisters lag.

Der Ausgleich fiel daher überraschend, war aber durch Süle und Müller so gut herausgespielt, dass Wagner vor dem leeren Tor nur noch den Fuß hinhalten musste. Vier Minuten später nutzte der Mittelstürmer die Schlafmützigkeit in der Gladbacher Abwehr per Kopf zu seinem zweiten Treffer. Um die Borussia war es spätestens zu diesem Zeitpunkt geschehen, die Münchner hatten nun Lust am Spiel und hätten deutlich höher gewinnen können.

Bayern-Sportchef Salihamidzic weist schlechten Stil zurück

Unterdessen hat Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic hat auf die harsche Frankfurter Kritik am Verhalten des deutschen Rekordmeisters bei der Verpflichtung von Eintracht-Trainer Niko Kovac reagiert. „Ich kann natürlich die Enttäuschung von Fredi Bobic verstehen. Trotzdem war die Wortwahl vielleicht nicht die richtige“, sagte Salihamidzic kurz vor dem Bundesligaspiel des FC Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach am Sonnabend bei „Sky“.

Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic hatte die Vorgehensweise der Münchner als „extrem bedenklich und respektlos“ bezeichnet. Bobic hatte sich vor allem auf den Zeitpunkt und die Art und Weise der Bekanntgabe mitten in der entscheidenden Phase der Saison bezogen.

„Vonseiten des FC Bayern kamen überhaupt keine Informationen. So viel kann ich schonmal sagen“, erklärte Salihamidzic. „Zweitens habe ich mich mit Niko Kovac abgesprochen und Nikos Wunsch war, dass er es als erstes Bruno Hübner (Eintracht-Sportdirektor) und Fredi Bobic sagt, weil er eine freundschaftliche Beziehung zu ihnen pflegt. Natürlich hätte ich ihn danach angerufen, aber ich konnte ja nicht wissen, dass es am Donnerstagabend rauskommt“, sagte der 41-Jährige weiter.

„Und Drittens: Wir hätten es denen ja auch Mitte Mai sagen können und deswegen finde ich, dass sich der FC Bayern total fair verhalten hat, weil Fredi Bobic und Bruno Hübner nun vier Wochen mehr Zeit haben, um sich nach einem neuen Trainer umzuschauen. Der FC Bayern hat sich überhaupt nichts vorzuwerfen.“ Kovac erhält beim deutschen Fußball-Rekordmeister einen Dreijahresvertrag.

In die gleiche Kerbe wie Salihamidzic schlug auch Uli Hoeneß. Der Aufsichtsratschef der Bayern wurde seiner Rolle als "Abteilung Attacke" nach dem Spiel gegen Mönchengladbach gerecht. Sein Ziel: Frankfurts Sportchef Fredi Bobic. "Die Aussagen von Fredi Bobic haben wir als ziemlich unverschämt gesehen. Wir haben eine Lücke im Vertrag, den er gemacht hat ausgenutzt. Wir haben bewusst gesagt, wir sagen es den Frankfurtern so früh wie möglich, damit sie einen Nachfolger holen können", echauffierte sich Hoeneß und legte nach: "Wir haben nichts dazu beigetragen, dass diese Sache an die Öffentlichkeit kam. Es ist unanständig, wenn man nicht die Sachlage kennt. Wir hatten gar kein Interesse, außer die Eintracht zu schützen", erklärte Hoeneß, der bestätigte, dass man sich bereits länger mit der Personalie Kovac beschäftigt hat. "Wir haben uns mit Nico Kovac schon früher getroffen, was aber reiner Zufall war, beim Fest zum 60. Geburtstag meines kroatischen Fahrers."