Strafmaßnahme

Verband verbietet Boxern Kooperation mit Sauerland

Abass Baraou gilt als das größte deutsche Talent im Boxen

Abass Baraou gilt als das größte deutsche Talent im Boxen

Foto: Sebastian Willnow / picture alliance / dpa

Hintergrund dieser Strafmaßnahme ist der Wechsel des WM-Dritten von 2017, Abass Baraou, zum Sauerland-Stall.

Hamburg. Der Brief, den der Deutsche Boxsport-Verband (DBV) an seine Mitglieder verschickt hat, ist nur fünf Zeilen lang, die aber haben es in sich. Die DBV-Spitze um Präsident Jürgen Kyas und Sportdirektor Michael Müller hat ein Nutzungs- und Trainingsverbot für alle Athleten, die mit dem Profistall Sauerland kooperieren, festgelegt. Zudem ist allen DBV-Trainern untersagt, Sauerland-Profis zu betreuen oder zum Sparring mit olympischen Boxern zu verpflichten. Ausnahmen sollen lediglich an den Stützpunkten in Heidelberg und Schwerin möglich sein.

Hintergrund dieser Strafmaßnahme ist der am 6. März bekannt gewordene Wechsel des WM-Dritten von 2017,
Abass Baraou (23/Berlin), zu Sauerland, für den der DBV eine Ausbildungsentschädigung in Höhe von rund 30.000 Euro forderte, aber nicht erhielt. „Wir haben viel Geld in Baraou investiert und nun das Gefühl, dass wir nur geben und nichts bekommen sollten. Deshalb mussten wir diesen Schritt gehen“, sagt DBV-Chef Kyas, der sich von Baraou und dem Sauerland-Stall ausgenutzt fühlt.

Baraou nicht für Olympia nominiert

„Wir haben nun Einblick in die Geschäftspraktiken von Sauerland bekommen und müssen deshalb sagen, dass wir mit denen nicht mehr zusammenarbeiten wollen.“ Baraou werde vom DBV auch nicht mehr für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio berücksichtigt. „Die Tür ist zu, wir haben kein Vertrauen mehr in Abass.“

Sauerland-Geschäftsführer Frederick Ness kann die Schärfe dieser Worte nicht nachvollziehen. „Abass hatte keinen Vertrag mit dem DBV. Er ist auf uns zugekommen, nicht wir auf ihn“, sagt er, „dennoch werde ich das Gespräch mit dem DBV suchen, um eine für alle Seiten akzeptable Lösung zu finden.“ Bara­ous Manager Karim Akkar erklärte den Wechsel vor allem damit, dass der DBV seinem Toptalent in diesem Jahr keinen hochklassigen internationalen Wettbewerb und damit keine Perspektive bieten konnte. „Bis Tokio 2020 ist noch viel Zeit, wir bleiben ganz entspannt“, sagte er. Sein Profidebüt soll Baraou am 28. April in Offenburg geben.