Fußball

In der Fremde klappt's beim FC St. Pauli am besten

Auswärts jubelten die Spieler des FC St. Pauli häufiger als am Millerntor

Auswärts jubelten die Spieler des FC St. Pauli häufiger als am Millerntor

Foto: DanielMarr / WITTERS

Die Kiezkicker wollen am Sonntag in Düsseldorf an seine starken Auswärtsleistungen gegen Topteams anknüpfen.

Hamburg.  Markus Kauczinski ist ein Mann, der selten um eine Antwort verlegen ist, der schnell, schlagfertig und präzise die Dinge auf den Punkt bringen kann. Am Freitagvormittag gab es ihn dann doch. Diesen Moment, in dem sich der Trainer des FC St. Pauli schwertat, eine eigentlich ganz simple Frage kurz, knackig und direkt zu beantworten. Warum tut sich der Kiezclub auswärts leichter als am heimischen Millerntor? „Ich bin das schon oft gefragt worden, aber ich kann es noch nicht genau sagen. Ich habe noch kein Muster erkannt“, gestand der 48-Jährige offen ein.

Dass ein solches Muster durchaus zu erkennen ist, untermauern die nackten Zahlen. In der Auswärtstabelle rangiert der Kiezclub, der am Sonntag (13.30 Uhr, Sky live) beim Tabellenzweiten Fortuna Düsseldorf antreten muss, auf einem guten fünften Rang. Von zwölf Partien konnten die Hamburger sechs gewinnen, einmal gab es ein Remis und fünfmal ging man als Verlierer vom Platz. Kurios: Diese 19 Punkte holte St. Pauli mit einem negativen Torverhältnis (11:18). Mit der Auswärtsstärke liegen die Hamburger voll im Trend. In 30,6 Prozent der Zweitligaspiele geht die Auswärtsmannschaft als Sieger vom Platz. Nicht einmal die Hälfte der Partien enden mit einem Heimsieg (42,2 Prozent).

St. Pauli tut sich schwer, das Spiel zu gestalten

Besonders auffällig ist die Tatsache, dass sich das Kauczinski-Team vor allem bei Topteams äußerst effizient und vor allem erfolgreich präsentiert. In den Duellen mit Tabellenführer Nürnberg (1:0), beim damaligen Spitzenreiter Kiel (1:0), in Braunschweig (2:0), bei Dynamo Dresden (3:1) und beim Bundesliga-Absteiger FC Ingolstadt (1:0) gingen die Braun-Weißen jeweils als Sieger vom Platz und kassierten nur einen Gegentreffer. Eine Bilanz, die auf Zufall basiert? Mitnichten!

St. Paulis Spieler tun sich vor allem dann schwer, wenn sie auf Mannschaften treffen, die defensiv kompakt stehen, und sie selbst über viel Ballbesitz das Spiel machen müssen. In den direkten Duellen mit den Spitzenmannschaften können die Hamburger ihre Stärke ausspielen. Aus einer geordneten Defensive überfallartig kontern.

Nach dem Ballbesitz-Fußball kehrte St. Pauli zum Konterfußball zurück

Der Kiezclub verfügt mit Jeremy Dudziak, Waldemar Sobota, Cenk Sahin, der in Düsseldorf auf einen Platz in der Startelf hoffen darf, und Richard Neudecker über Spieler, die gutes Umschaltspiel praktizieren können. Nach dem Ballbesitz-Fußball unter Olaf Janßen, der am 6. Dezember 2017 entlassen wurde, kehrte St. Pauli unter Kauczin­ski zum Konterfußball zurück.

„Auch in der Zeit, in der ich bei St. Pauli war, waren wir auswärts erfolgreich“, sagte Janßen, der mittlerweile Viktoria Köln, den Tabellenzweiten der Regionalliga West, trainiert. Wie es der Zufall so will, trifft der 51-Jährige mit seinem Team am Sonntag auf die Fortuna aus Düsseldorf – allerdings auf die zweite Mannschaft.

In der Vorsaison legte St. Pauli den Grundstein für den Klassenerhalt

„Ich hoffe, dass es aus Düsseldorfer Sicht kein erfolgreiches Wochenende wird“, scherzte Janßen am Freitag im Gespräch mit dem Abendblatt. Seinen ehemaligen Club verfolgt Janßen noch immer intensiv. Deshalb ist ihm auch die fast schon gewohnte Auswärtsstärke aufgefallen.

In der Vorsaison, als Janßen Co-Trainer unter Ewald Lienen war, legte St. Pauli den Grundstein für den Klassenerhalt in fremden Stadien, holte 23 von 45 Zählern auswärts. „Als Auswärtsmannschaft kann man aus einer abwartenden Haltung agieren, wo man auch nicht zögert, dreimal hintenherum zu spielen. Zu Hause, gerade am Millerntor mit den tollen Fans, will man den Fans etwas bieten, etwas zurückgeben. Da setzt man sich als Mannschaft unbewusst anders unter Druck als in der Fremde. Der Kopf spielt da natürlich eine Rolle“, sagte Janßen.

Eine große Rolle spielt auch die Unterstützung der Fans. Über 4000 von ihnen machen sich am Sonntag auf den Weg nach Düsseldorf. „4000? Das ist mal ein Wort. Diese Unterstützung können wir auch gebrauchen, weil uns ein sehr guter Gegner erwartet“, sagte Kauczinski, der nach dem Spiel gerne ausführlich Fragen zu einer Fortsetzung der positiven Auswärtsbilanz beantworten würde.