Stuttgart

So triumphierten die „alten Hockeyherren“ in Stuttgart

Ausgelassen feierten die UHC-Herren den Titel­gewinn

Ausgelassen feierten die UHC-Herren den Titel­gewinn

Foto: Alexander Keppler / imago/Pressefoto Baumann

Der Uhlenhorster HC setzte sich im Endspiel um die deutsche Hallenmeisterschaft mit 8:5 gegen den Club an der Alster durch.

Stuttgart.  Die Beule an seinem Schienbein wuchs langsam auf Hockeyballgröße an, doch Patrick Breitenstein pfiff auf den Schmerz. Schließlich gab es einen deutschen Meistertitel zu feiern, und weil es 16 Jahre her war, dass der Abwehrroutinier des Uhlenhorster HC dieses Gefühl erleben durfte, waren ihm die Begleiterscheinungen des 8:5-Finalsiegs über den Club an der Alster ziemlich egal. Als zwei Minuten vor Schluss eines dramatischen Endspiels in der Stuttgarter Scharrena beide Teams die Torhüter vom Feld genommen hatten, bewahrte der 36-Jährige als letzter Mann mit dem Einsatz seines Schienbeins sein Team vor dem Ausgleich.

Weil im Gegenzug Moritz Fürste zum 7:5 traf, durfte Breitenstein, der 2002 beim bislang letzten von zwei deutschen Hallenmeistertiteln als einziger aktueller UHC-Akteur mitgespielt hatte, später sagen, „dass sich mit diesem Sieg ein Kreis geschlossen hat. Besser hätte es nicht enden können!“ Was er meinte, war dies: Weil Cheftrainer Kais al Saadi (41) in diesem Sommer sein Amt zur Verfügung stellt, hatte sich für seine letzte Hallensaison ein Team aus hungrigen Talenten und verdienten Altstars zusammengefunden, von denen einige wie Breitenstein, Torhüter Nico Jacobi (30) oder Doppel-Olympiasieger Oliver Korn (33) ihre Karrieren eigentlich bereits beendet hatten.

Fürste und sein Geniestreich

Natürlich war es Understatement gewesen, diese Mannschaft als „Old Stars“ zu bezeichnen. Doch dass die Qualität ausreichen würde, um bis zur Meisterschaft durchzumarschieren, überraschte dann sogar den Erfolgstrainer, der eine wichtige Lehre daraus ziehen will. „Dieser Titel zeigt mir, dass man eben doch nicht alles kontrollieren kann, sondern auch manches einfach entstehen lassen muss“, sagte er.

Tatsächlich hatten die UHC-Herren seit 2002 in acht Endspielen versucht, wieder deutscher Meister zu werden. Doch jedes Mal stand Rot-Weiß Köln (Halle 2012, Feld 2009, 2010, 2015, 2016) oder Alster (Halle 2011, Feld 2004, 2007) im Weg. Dass in Stuttgart nun beide besiegt werden konnten – Köln im Halbfinale 7:6 –, und dass der Triumph erst gelang, als jeglicher Erfolgsdruck gewichen war und das Team befreit aufspielen konnte, gab der Geschichte ironische Noten.

Viele Personen hatten mitgeschrieben an dieser Geschichte. Da war Jung-Nationalspieler Hannes Müller (17), der im Finale mit einem Lupfer zum 4:3 das frechste Tor der Endrunde schoss und auch zum Endstand traf; oder Jan-Philipp Rabente (30), der Olympiaheld von 2012, der die Abwehr dirigierte, mit seinen Pässen die gegnerische Deckung immer wieder filetierte und zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde. Und da war Moritz Fürste, der Superstar, der das Halbfinale mit einem Geniestreich entschied und der, man mag es kaum glauben angesichts seiner Vita als Doppelolympiasieger, Weltmeister, Welthockeyspieler, tatsächlich seinen ersten deutschen Meistertitel gewann, nachdem er 2002 nicht zum Endrundenkader gezählt hatte.

Gegenwart schon Vergangenheit

Aber es wäre falsch, einzelne Spieler herauszuheben, weil der Schlüssel zum Triumph die Geschlossenheit war; und die Bereitschaft jedes Teammitglieds, sich auf seinen Job zu konzen­trieren. Dem Club an der Alster hätte nach einer großartigen Saison und dem 6:2-Halbfinalsieg gegen Krefeld mehr zugestanden als die Statistenrolle.

Die Chance, gemeinsam mit den Damen Hallenmeister zu werden (dies gelang in der Hockeyhistorie nur 2012 Rot-Weiß Köln), ließ die Auswahl von Fabian Rozwadowski allerdings durch zu viele Nachlässigkeiten in der Abwehrarbeit liegen. „Es ist schade, dass wir nicht die notwendige Defensivleistung gebracht haben“, sagte der Cheftrainer des Nordmeisters, der allerdings ein Team der Zukunft betreut und noch einige Finals wird erleben können.

Das Team der Gegenwart wird dagegen schon an diesem Montag Vergangenheit sein. „Einen besseren Abschluss kann sich niemand wünschen, deshalb sollte man dieses Team nicht erneut aufgießen“, sagte Cheftrainer al Saadi. Einzig die Idee, zum Europapokal der Landesmeister 2019 ein Kurzzeit-Revival zu feiern, habe gewissen Charme. „Das jedoch überlasse ich meinem Nachfolger ...“, sagte der Coach.