Tennis

Mit Teamchef Becker ins Davis-Cup-Viertelfinale

Alexander Zverev (20) kündigte an, im Davis Cup sehr weit kommen zu wollen oder „das ganze Ding sogar zu gewinnen“ - mit Unterstützung von Boris Becker

Alexander Zverev (20) kündigte an, im Davis Cup sehr weit kommen zu wollen oder „das ganze Ding sogar zu gewinnen“ - mit Unterstützung von Boris Becker

Foto: Dave Hunt / dpa

Boris Becker ist in Brisbane angekommen: Vor dem Spiel gegen Australien übt die Tennis-Legende mit Alexander Zverev & Co.

Brisbane.  Es sollte nicht nur ein ordinärer Vollmond sein, der am Mittwochabend über Brisbane erwartet wurde, sondern auch ein Supermond, ein blauer Mond und der Blutmond einer totalen Mondfinsternis. Eine Kombination, die es in dieser Form 152 Jahre nicht mehr gegeben hatte. Aber dann tauchten schon am frühen Abend Wolken auf, die sämtliche Monde versteckten, und das war es dann mit der schönen, einmaligen Chance. An den 25 Jahren, die seit dem letzten Titelgewinn einer deutschen Mannschaft im Davis Cup vergangen sind, änderte der Himmel natürlich nichts. Aber in dieser Woche geht es gegen Australien (Auftakt mit den ersten beiden Einzeln am Freitag, 3 Uhr MEZ/DAZN) ohnehin um noch kleinere Dimensionen. Nach drei Jahren mit Niederlagen in der ersten Runde würde sich die ganze deutsche Delegation vom Präsidenten bis zum Bespanner zur Abwechslung sehr über einen Sieg freuen.

Mittwochmorgen zum Auftakt des Trainings in der Rat Rafter Arena hätte man meinen können, die Deutschen besäßen einen Geheimplan, um auf alle Varianten beim Gegner vorbereitet zu sein. Der australische Kapitän Lleyton Hewitt hatte tags zuvor auf die Frage, ob er sich selbst für das Doppel am Sonnabend nominieren werde, geantwortet, das wolle er nicht ausschließen. Bei den Australian Open hatte Hewitt an der Seite seines Landsmannes Sam Groth eine extrem gute Figur gemacht; was als Freundschaftsspiel für das Abschiedsturnier mit Groth gedacht gewesen war, führte bis ins Viertelfinale.

Alexander Zverev schied bei den Australian Open früh aus

Beim Training des deutschen Teams spielten sich Sportdirektor Klaus Eberhard und Assistenztrainer Dirk Dier ein; der eine stand in der Weltrangliste zu seiner besten Zeit auf Platz 78, der andere gewann 1990 das Juniorenturnier der Australian Open. Doch in Wahrheit überbrückten die beiden nur ein paar freie Minuten, bis Jan-Lennard Struff und Tim Pütz bereit zum Training waren. Ob Hewitt nun spiele oder nicht, das mache bei der Vorbereitung seiner Mannschaft keinen Unterschied, sagt der deutsche Kapitän Michael Kohlmann. Er hat nicht ganz so viel Auswahl wie Hewitt, der fünf Spieler nominierte (darunter Spitzenmann Nick Kyrgios und Alex De Minaur), aber auch mit dem Quartett seiner Wahl – Alexander Zverev, Jan-Lennard Struff, Peter Gojowczyk und Tim Pütz – sind diverse Kombinationen möglich.

Seit Sonntag sind sie in Brisbane zusammen, angekommen aus unterschiedlichen Richtungen. Kohlmann, Dier, Konditionstrainer Carlo Thränhardt, Gojowczyk und Pütz kamen von einem kurzen Trainingslager an der Gold Coast. Zverev, der nach seiner Niederlage in der dritten Runde der Australian Open gegen den Südkoreaner Chung Hyeong wegen einiger Sponsorentermine in Melbourne geblieben war und dort trainiert hatte, hatte einen etwas weiteren Weg. Genau wie der nicht ganz unbekannte Chef des deutschen Männertennis („Head of Men’s Tennis“), Boris Becker, der in Melbourne als Experte für Eurosport Roger Federers 20. Grand-Slam-Titel beobachtet hatte.

Basketballspiel endet für Becker mit schmerzender Wade

Kohlmann berichtet, um 12.20 Uhr sei Beckers Flieger in Brisbane gelandet, um 14 Uhr sei der Chef mit Schläger unter dem Arm beim Training erschienen. Und er habe es sich nicht nehmen lassen, bei einem Basketballspiel zwischen Trainern und Spielern mitzumachen, allerdings mit einem schmerzhaften Ende für die linken Wade des Chefs. Am nächsten Tag stand Becker wieder auf dem Trainingsplatz, dazu Kohlmann, Dier, bei den Einheiten mit Zverev auch dessen Vater Alexander. Da sei schon extrem viel Fachwissen auf dem Platz gewesen, meinte Kohlmann, aber das sei jetzt nach ein paar Tagen schon ein gespieltes Team.

Beim Training der Australier ist nicht weniger Betrieb auf dem Platz, der im übrigen offenbar ein sehr schneller sein soll. Der Internationale Tennis-Verband hat die Beläge der Plätze und das damit verbundene Tempo des Spiels in Kategorien aufgeteilt. Alles, was den Wert von 45 übersteigt, gilt als schneller Belag, der blaue Boden in der Pat Rafter Arena wird mit 47 angegeben - ab 50 müsste „Tennis Australia“ Strafe bezahlen.

Hewitt sagt, seine Spieler freuten sich sehr darüber, wieder in Brisbane spielen zu können, wo sie im vergangenen Jahr im Viertelfinale gegen die USA gewonnen hatten. Der letzte Titel der Australier im Davis Cup liegt 15 Jahre zurück, und natürlich war Lleyton Hewitt daran als Spieler beteiligt. Die nächste Chance zum Vollmond als Supermond, blauem Mond und Blutmond der totalen Mondfinsternis wird anno 2037 erwartet. Bis dahin sollten die Australier oder die Deutschen den Davis Cup irgendwann mal wieder gewonnen haben.