Neuzugang

St. Paulis Sturmhoffnung setzt auf HSV-Hilfe

Dimitrios Diamantakos kam gegen Darmstadt zu seinem ersten Einsatz für St. Pauli

Dimitrios Diamantakos kam gegen Darmstadt zu seinem ersten Einsatz für St. Pauli

Foto: Witters

Dimitrios Diamantakos will sich bei Landsmann Kyriakos Papadopoulos Tipps holen und beim Kiezclub einen Stammplatz ergattern.

Hamburg.  Den freien Tag nutzte Dimitrios Diamantakos, um sich über seine neue Heimat zu informieren. Zu mehr als einem kurzen Besuch in der Innenstadt hatte es nach seinem Wechsel vom VfL Bochum zum FC St. Pauli am vergangenen Freitag noch nicht gereicht. Nur gut, dass er einen echten Hamburg-Kenner im Freundeskreis hat: HSV-Verteidiger Kyriakos Papadopoulos. „Ich werde ihn mal anrufen, um mir Tipps zu holen, wo man gut essen oder mal einen Kaffee trinken kann“, erzählt der 24-Jährige.

Die beiden Griechen kennen sich aus der Nationalmannschaft, sie verbindet eine gute Freundschaft. „Wenn er auf dem Platz so böse guckt, habe selbst ich manchmal Angst vor ihm, aber außerhalb des grünen Rasens ist er ein richtig guter und lustiger Typ“, sagt der neue Stürmer des Kiezclubs. „Wir sind schon sehr lange befreundet, kennen uns, seitdem wir zusammen für Griechenlands Nachwuchsteams aufgelaufen sind. Er ist ein guter Stürmer, und ich bin mir sicher, dass er St. Pauli helfen wird“, sagt Papadopoulos.

Doch beim Fußball hört die Freundschaft auf. Deshalb kann sich der neue St.-Pauli-Hoffnungsträger eine kleine Spitze nicht verkneifen. „Ich hoffe, dass wir in der nächsten Saison gegeneinander spielen“, sagt Diamantakos, der das natürlich nicht als Wunsch verstehen will, dass der Stadtrivale absteigt. „Also, ich meine natürlich, wenn wir doch noch aufsteigen sollten“, rechtfertigt er sich.

Diamantakos hat keine Berührungsängste

Diamantakos ist ein Typ Sunnyboy, der auf Mitspieler zugeht und keinerlei Berührungsängste hat. Dabei hilft ihm seine Sprachbegabung. Dafür, dass der 24-Jährige erst zweieinhalb Jahre in Deutschland lebt, spricht der in Piräus geborene Profi erstaunlich gutes Deutsch. „Wenn ich in eine neue Mannschaft komme, sage ich immer, dass man mit mir Deutsch sprechen soll. Wenn ich etwas nicht verstehe, kann man immer noch ins Englische wechseln“, sagt Diamantakos, der in den vergangenen vier Jahren sein Sportwissenschaftsstudium neben dem Fußball abgeschlossen hat. „Nach der Karriere kann ich schauen, ob ich darauf noch einen weiteren Studiengang aufbauen kann. Aber Doktor werde ich wohl nicht.“

Doch bis es so weit ist, will er erst einmal beim FC St. Pauli Fuß fassen. In Bochum wurde er zu keinem Zeitpunkt heimisch. Im Sommer 2017 holte ihn der damalige Trainer Gertjan Verbeek vom Karlsruher SC in den Ruhrpott. Wenig später wurde der niederländische Übungsleiter entlassen und durch Ismail Atalan ersetzt, der allerdings nach 91 Tagen ebenfalls entlassen wurde. „Es gab Probleme zwischen der Mannschaft und dem Trainer, wobei ich sagen muss, dass ich keinerlei Probleme mit Atalan hatte“, sagt der technisch versierte Angreifer. Es folgte bei Diamantakos eine Knieverletzung – und mit Jens Rasiejewski Trainer Nummer drei, der keine Verwendung für Diamantakos hatte.

Kauczinski gab den Ausschlag

Eine Luftveränderung musste dringend her. Anfang Januar nahm St. Pauli erstmals Kontakt zu Diamantakos auf. Auch weitere Zweitligisten und Clubs aus Griechenland zeigten großes Interesse an einer Verpflichtung. Doch am Ende bekam der Kiezclub für knapp 200.000 Euro Ablöse den Zuschlag. Großen Anteil am Transfer hatte Trainer Markus Kauczin­ski, mit dem Diamantakos beim KSC zwischen 2015 und 2017 erfolgreich zusammengearbeitet hatte. „Es hilft natürlich ungemein, dass ich den Trainer bereits kenne. Ich weiß, was er von mir sehen will, was ich tun muss. Es gibt einem ein gutes Gefühl, wenn man einen Trainer hat, der einen kennt und einem vertraut“, sagt „Dima“, wie ihn die Kollegen rufen.

Und dieses Vertrauen will er rechtfertigen. Diamantakos fühlt sich im Sturmzentrum am wohlsten, und er will den Konkurrenzkampf mit den bisher enttäuschenden Aziz Bouhaddouz und Sami Allagui annehmen. „Mir ist klar, dass Stürmer an Toren gemessen werden. Ich finde, dass Konkurrenzkampf etwas Gutes ist. Wir alle wollen den Erfolg des Teams, und ich werde 200 Prozent geben, um meiner Mannschaft zu helfen“, sagt der Offensivspieler, der noch im Hotel lebt und in Kürze Familienbesuch erwartet. „In zwei Wochen kommt meine Freundin Konstantina aus Griechenland zu Besuch, auch meine Eltern und meine Schwester wollen mich besuchen“, freut sich Diamantakos. Der passende Touristenführer ist mit Kyriakos Papadopoulos ja bereits gefunden.