Handball

Was vom HSV bei der Handball-EM übrig blieb

Der frühere HSV-Star Domagoj Duvnjak soll Kroatien bei der EM im eigenen Land zum Titel führen

Der frühere HSV-Star Domagoj Duvnjak soll Kroatien bei der EM im eigenen Land zum Titel führen

Foto: Marijan Murat / dpa

Vor zwei Jahren verschwand der HSV Hamburg abrupt aus der Bundesliga. Einige Stars von einst kämpfen bei der EM um Medaillen.

Hamburg.  Kommende Woche jährt sich das Bundesliga-Aus des Handball-Sport-Vereins Hamburg zum zweiten Mal: Nach der Insolvenz wurde dem früheren deutschen Meister und Champions-League-Sieger am 20. Januar 2016 die Lizenz entzogen. Inzwischen arbeitet der HSV in der 3. Liga Nord am Neuaufbau.

Die Stars von einst sind weitergezogen. Einige von ihnen könnten bei der Europameisterschaft in Kroatien, die an diesem Freitag beginnt, zu Hauptdarstellern werden. Alles andere als eine Medaille wäre für jeden von ihnen eine Enttäuschung.

Domagoj Duvnjak (29): Fünf Jahre lang lenkte der Kroate das Spiel des HSV und gewann mit dem Club die deutsche Meisterschaft und die Champions League, bevor er 2014 zum THW Kiel wechselte. Jetzt soll er im eigenen Land endlich auch die Nationalmannschaft wieder zu einem Titel führen. Allerdings ist der Welthandballer des Jahres 2013 erst im Januar nach achtmonatiger Verletzungspause auf die Platte zurückgekehrt.

Igor Vori (37): Der Weltklassekreisläufer bildete mit Duvnjak beim HSV zwischen 2009 und 2013 ein geniales Gespann. Seinem Landsmann hat er etwas voraus: Er gewann mit Kroatien bereits Goldmedaillen bei WM (2003) und Olympia (2004). 2012 beendete Vori seine Nationalmannschaftskarriere. Der zurückgekehrte Erfolgstrainer Lino Cervar (67) überredete ihn nun zum Comeback.

Petar Djordjic (27): Als der Deutschserbe 2013 nach Hamburg kam, war die beste Zeit des Clubs gerade vorbei. Und Djordjic, das zeigte sich bald, war mit der Rolle des Hoffnungsträgers auf Halblinks überfordert, auch weil ihn ein Kreuzbandriss lange außer Gefecht setzte. Inzwischen spielt er für Brest Meschkow in Weißrussland. Nachdem eine Einladung in die deutsche Nationalmannschaft ausblieb, entschied sich Djordjic 2015, für Serbien aufzulaufen. Zum EM-Auftakt geht es am Freitagabend gleich gegen Erzrivale und Gastgeber Kroatien.

Kentin Mahé (26): Wie Djordjic wechselte auch der französische Linksaußen 2015 nach zwei HSV-Jahren zur SG Flensburg-Handewitt – als Weltmeister. Ein Triumph, den er 2017 wiederholen konnte. Der EM-Titel fehlt ihm – noch.

Guillaume Gille (41): An der Seite seines Bruders Bertrand hat der ehemalige Spielmacher den HSV von der Gründung im Jahr 2002 an ein Jahrzehnt lang geprägt. Zusammen mit Didier Dinart trainiert „Gino“ seit 2016 die französische Nationalmannschaft, mit der er als Spieler unzählige Titel gewann. Bei der WM vor einem Jahr im eigenen Land kam der erste als Trainer dazu.

Joan Cañellas (31): Der Spanier kam 2013 als amtierender Weltmeister zum HSV, lenkte aber nur eine Saison das Spiel des damaligen Champions-League-Siegers, ehe er zusammen mit Duvnjak zum THW Kiel wechselte. Vergangene Saison gewann er mit Vardar Skopje selbst die Champions League. Einen EM-Titel hat er auch schon: Torschützenkönig des Turniers 2014.

Hans Lindberg (36): Der Däne wirbelte fast neun Jahre lang für den HSV auf Rechtsaußen und gewann in dieser Zeit Meisterschaft, Champions League – und zwei EM-Titel mit der Nationalmannschaft. Tragisch: Beim Olympiasieg der Dänen 2016 stand Lindberg nur im erweiterten Kader. Inzwischen bei den Füchsen Berlin, ist er beim Titelanwärter wieder erste Wahl, zumal Lasse Svan angeschlagen ist.

Henrik Toft Hansen (31): Er trat beim HSV 2013 Voris Nachfolge an und wechselte zwei Jahre später en bloc mit Mahé und Djordjic nach Flensburg. In der dänischen Nationalmannschaft teilt er sich mit seinem Bruder René (33) die Position des Kreisläufers.

Casper Mortensen (28): Ihm war nur ein halbes Jahr beim HSV vergönnt, bevor das Bundesligateam in die Insolvenz ging – aber das reichte dem dänischen Linksaußen für den Durchbruch. Anfang 2016 wechselte er nach Hannover. Im Dezember wurde er zum Bundesligaspieler des Monats gewählt.

Johannes Bitter (35): Der Weltmeister von 2007, inzwischen beim TVB Stuttgart, steht auf Abruf bereit, falls sich ein deutscher Torwart verletzen sollte. Seine Nationalmannschaftskarriere hatte er bereits 2011 beendet und war für die WM-Play-offs 2015 noch einmal zurückgekehrt.