Zagreb

Handball-EM: Die Jagd auf Deutschland startet heute

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Björn Goldmann
Der deutsche Kapitän Uwe Gensheimer (31) muss als Linksaußen zur erfolgreichen Titelverteidigung beitragen

Der deutsche Kapitän Uwe Gensheimer (31) muss als Linksaußen zur erfolgreichen Titelverteidigung beitragen

Foto: Imago/Heuberger

Bei der Handball-Europameisterschaft in Kroatien sind die DHB-Männer zwar Titelverteidiger, aber nicht Topfavorit.

Zagreb.  Zum Auftakt der Handball-Europameisterschaft der Männer messen sich an diesem Freitag Gastgeber Kroatien mit Serbien und Titelaspirant Frankreich mit Geheimfavorit Norwegen (beide 20.30 Uhr). Zuvor spielen bereits Schweden gegen Island und Weißrussland gegen Österreich (beide 18.15 Uhr). Für Titelverteidiger Deutschland geht es am Sonnabend (17.15 Uhr) gegen Montenegro los. Alles Wissenswerte im Überblick.

Die Favoriten: Deutschland geht als Titelverteidiger ins Turnier. Doch der ganz große Favorit ist die deutsche Auswahl nicht. „Bei der Fülle an Topmannschaften von Titelverteidigung zu sprechen, wäre vermessen“, sagt Bundestrainer Christian Prokop. Besonders Dänemark wird als kommender Europameister gehandelt. Die Dänen holten 2016 in Rio Olympiagold und haben Weltklasserückraumspieler Mikkel Hansen (Paris St. Germain) und den starken Niklas Landin, Torhüter des THW Kiel, in ihren Reihen. An der Seitenlinie feiert Nikolaj Jacobsen von den Rhein-Neckar Löwen seine Turnierpremiere als Nationaltrainer. Der 46-Jährige ist selbstbewusst: „Wer innerhalb der vergangenen zehn Jahre zweimal Europameister und Olympiasieger war, der darf große Erwartungen haben.“ Die sonst immer favorisierten Franzosen sind derzeit nur schwer einzuschätzen: Die Superstars Thierry Omeyer und Daniel Narcisse haben ihre Karriere im Nationalteam nach dem letztjährigen Gewinn des WM-Titels beendet, die Leistungsträger William Accambray und Ludovic Fabregas sind verletzt. Zusätzlich angeschlagen sind Luka Karabatic und Luc Abalo. So wird noch mehr Verantwortung auf den breiten Schultern von Superstar Nikola Karabatic (33) lasten. Was aber für Frankreich spricht: 2006, 2010 und 2014 wurde die „Grande Nation“ Europameister. Setzt man diese Zahlenreihe fort, folgt in diesem Jahr der nächste Titel.

Der Gastgeber: Kroatien ist eine Handballnation. Zum Favoritenkreis gehören die Gastgeber somit automatisch, auch weil sie bei den Spielen Tausende Fans hinter sich haben werden. Weil sie mit Lino Cervar (67) einen mit Weltmeistertitel (2003) und Olympiasieg (2004) dekorierten Trainer zurückgeholt haben. Und weil der Trainer auf Domagoj Duvnjak (29) bauen kann. Allerdings: Der Weltklasseregisseur des THW Kiel fehlte zuletzt sieben Monate wegen einer Knieverletzung, erst im Dezember gab der frühere HSV-Profi sein Comeback.

Die Deutschen: „Wir sind dieses Mal die Gejagten“, sagt Kapitän Uwe Gensheimer. Bundestrainer Prokop, der im vergangenen Februar die Nachfolge von Dagur Sigurdsson antrat, steht vor seinem ersten großen Turnier. Einen Superstar, wie ihn andere Nationen in ihrem Team haben, gibt es im deutschen Aufgebot nicht. Linksaußen Gensheimer vom französischen Meister Paris Saint-Germain, die Torhüter Andreas Wolff (THW Kiel) und Silvio Heinevetter (Füchse Berlin), Kreisläufer Hendrik Pekeler (Rhein-Neckar Löwen) sowie die Rückraumschützen Julius Kühn (MT Melsungen) und Kai Häfner (TSV Hannover-Burgdorf) sind die Leistungsträger des Teams. Prokop baut auf die mannschaftliche Geschlossenheit und hat ein gutes Gefühl: „Alle sind sehr fokussiert und motiviert.“ Los geht es gegen Montenegro, am Montag folgt das Spiel gegen Slowenien, den Vorrundenabschluss bildet die Partie gegen Mazedonien am Mittwoch.

Der Modus: Die besten drei Mannschaften aus den vier Vorrundengruppen in Split, Porec, Zagreb und Varazdin qualifizieren sich für die Hauptrunde. Deutschland spielt in Zagreb und würde dann nach Varazdin in eine der zwei Hauptrundengruppen mit jeweils sechs Teams weiterziehen. Das Besondere: Die in der Vorrunde erzielten Punkte gegen die für die Hauptrunde qualifizierten Gegner werden mitgenommen. Die jeweils besten zwei Teams stehen dann im Halbfinale am 26. Januar, das Endspiel wird am 28. Januar asugetragen.

Übertragung: Während die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender bei den jüngsten Weltmeisterschaften wegen Querelen mit Rechteinhaber BeInsport aus Katar das Nachsehen hatten, herrschen in den EM-Wochen geradezu paradiesische Zustände für Handballfans. Im Wechsel übertragen ARD und ZDF die Spiele des deutschen Tems. Am Sonnabend zeigt das ZDF die Partie gegen Montenegro (17.15 Uhr), für die weiteren Vorrundenspiele gegen Slowenien (Mo, 18.15 Uhr) und Mazedonien (Mi, 18.15 Uhr) ist die ARD zuständig. Beim Erreichen der Hauptrunde überträgt zweimal das ZDF, einmal die ARD. Auch Halbfinale (ARD) und Finale (ZDF) wären bei deutscher Beteiligung im frei empfangbaren TV zu sehen. Alle weiteren EM-Spiele gibt es im Internet auf handball-deutschland.tv und sportdeutschland.tv zu sehen. Zusammenfassungen der deutschen Spiele laufen bei abendblatt.de.