Hamburg. “Meilenstein“ für Handball und Judo: Am Olympiastützpunkt in Dulsberg wurde seit 2004 geplant, Mitte Mai 2019 soll Einweihung sein.

Neun blaue Baucontainer stehen einsatzbereit vor der Beachvolleyball-Halle am Alten Teichweg, auf dem Gelände daneben hat der Kampfmittelräumdienst in den vergangenen Monaten bereits – ergebnislos – tiefe Spuren im Erdreich hinterlassen. Der erste Spatenstich für die neue Handball- und Judohalle ist längst getan, bevor Sportsenator Andy Grote am 18. Dezember um elf Uhr offiziell zur Schaufel greift. 13 Jahre nach den ersten Entwürfen sollen die beiden Leistungszentren auf dem Gelände des Olympiastützpunktes Hamburg/Schleswig-Holstein jetzt entstehen. Läuft alles nach den von den Architekten erstellten Zeitplänen, könnten hier Mitte Mai 2019 die ersten Trainingseinheiten stattfinden.

„Das ist ein Meilenstein für unsere Sportart. Diese Halle eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten“, schwärmt der Kinderarzt Prof. Rainer Ganschow, Vizepräsident des deutschen und Präsident des Hamburger Judo-Verbandes. Bisher trainierten die Judoka im Landesleistungszentrum an der Wandsbeker Allee auf rund 300 Quadratmetern, künftig werden es im ersten Stock am Eulenkamp über den Umkleideräumen fast 560 sein, 31 x 18 Meter für drei Matten. Das Judo-Team Hamburg, zweimal in Folge deutscher Meister, hofft nun, weitere Spitzenathleten in die Stadt zu holen und die bewährten halten zu können.

Handball könnte Schwerpunktsportart sein

Auch die Handballer, denen 46 x 24,5 Meter ebenerdig zur Verfügung stehen, sind begeistert, besonders von den technischen Möglichkeiten, einem Videosystem, das für spätere Analysen alle Aktivitäten aufzeichnen kann. Räume für Seminare, Physiotherapie (6,5 x 2,5 Meter) und sportartspezifisches Krafttraining (6,5 x 17 Meter) sind ebenfalls vorgesehen, die Geschäftsstellen des Judo-, Handball- und Schwimmverbands sollen hier im Sommer 2019 einziehen.

„Neben Berlin werden wir die besten Trainingsbedingungen in Deutschland erhalten und hier auch Nationalmannschaftslehrgänge bei Frauen und Männern abhalten können“, sagt Handball-Landestrainer Adrian Wagner, ein 24-maliger Nationalspieler, der als Linksaußen unter anderem für den HSV, den THW Kiel und den VfL Gummersbach in der Bundesliga Tore warf.

Die wiederholt von Vertretern anderer Sportarten geäußerte Kritik, Handball sei in Hamburg keine geförderte Schwerpunktsport, eine neue Halle stünde eher Badminton und Volleyball zu, kontert Wagner: „Wäre die Halle, wie einst geplant, schon vor zehn Jahren gebaut worden, wäre Handball vielleicht heute eine Schwerpunktsportart.“

Investitionen von acht Millionen Euro

Vor zehn Jahren hatte die Bürgerschaft erstmals die Mittel für die Leistungszentren bewilligt, damals rund fünf Millionen Euro, danach wurden mehrmals andere Sportprojekte vorgezogen. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. „Ausschreibungen und Auftragsvergaben sind zu 80 Prozent erfolgt“, sagt Andreas Brinckmann, bei der Bäderland GmbH Leiter für Angebotsentwicklung und Qualitätsmanagement. Das städtische Unternehmen entwarf das Konzept in Kooperation mit den Fachverbänden und wird die Halle auch betreiben. Die Investitionen von acht Millionen Euro übernimmt die Stadt. „Mögliche Kostenüberschreitungen sind derzeit nicht zu erkennen“, sagt Brinckmann.

Auch der künftige Betrieb ist dank einer Millionen-Zusage des Sportamtes für die nächsten 25 Jahre bereits heute gesichert, zudem darf Bäderland als Grundstückseigentümer, Bauherr und Betreiber an vier Wochenenden im Jahr die Halle vermarkten. Die Erlöse sollen die erwarteten Defizite absenken helfen. Der zwischenzeitlich diskutierte Ansatz, die beiden Verbände sollten die Betriebskosten übernehmen, was der Einführung einer Hallennutzungsgebühr entspräche, ist vom Tisch. Öffentliche Sportanlagen stehen in Hamburg Vereinen und Verbänden weiter entgeltfrei zur Verfügung.

Eliteschule des Sports weiterer Nutznießer

Bäderland versteht sich in Hamburg als Förderer des Sports, vom Breiten- über den Gesundheits- bis zum Leistungssport. Das jährliche Minus von 20 bis 21 Millionen Euro ist politisch einkalkuliert, jede Eintrittskarte der Hamburger Schwimmbäder bezuschusst das Unternehmen mit etwa fünf Euro. „Bäderland unterstützt den Sport und bringt dabei seine Kompetenzen beim Bau und Management von Sportstätten ein. Das Beispiel der Beachvolleyball-Halle am Alten Teichweg zeigt, wie mit einer solchen leistungssportgerechten Infrastruktur die Grundlage für Erfolge der Athleten bei Olympia und Weltmeisterschaften gelegt werden kann“, sagt Bäderland-Geschäftsführer Dirk Schumaier.

Weiterer Nutznießer der Halle ist die benachbarte Eliteschule des Sports am Alten Teichweg. Direktor Björn Lengwenus hatte nach den Sommerferien für alle Klassen (5. bis 13.) die vierte Sportstunde auf den Lehrplan gesetzt. „Wir wollen nicht nur eine Eliteschule der Leistungs-, sondern auch des Breitensports sein. Dafür brauchen wir dringend diese neuen Kapazitäten, derzeit müssen bei uns Kaderathleten im Keller trainieren“, sagt Lengwenus. Judoka und Handballer beanspruchen montags bis freitags Hallenzeiten von 10 bis 11.30 Uhr und von 16 bis 22 Uhr, an den Wochenenden von 8 bis 22 Uhr, für den Schulsport sind die übrigen Stunden reserviert.

Sicht auf die neue Handball- und
Judohalle am Olympiastützpunkt in
Hamburg-Dulsberg
von der Straße Eulenkamp aus
Sicht auf die neue Handball- und Judohalle am Olympiastützpunkt in Hamburg-Dulsberg von der Straße Eulenkamp aus © Bäderland