Nachspiel

Verachtung statt Verehrung für Ronaldo

Florentino Perez, Präsident des Champions-League-Siegers Real Madrid, sagte am Dienstag einen bedeutungsschweren Satz. „Cristiano Ronaldo ist stärker und wichtiger als alle anderen hier“, diktierte der schwerreiche Bauunternehmer spanischen Reportern, um zu verdeutlichen, dass man im Club der „Königlichen“ zu allen Verrenkungen bereit ist, um den König des Fußballs zur Erfüllung seines bis 2021 datierten Vertrags zu bewegen.

Beleidigt, so heißt es, sei der Portugiese darüber, dass ihn die Finanzbehörden wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 14,7 Millionen Euro zur Rechenschaft ziehen wollen. Kaum wurde Ronaldos Wechselwilligkeit kolportiert, standen erste Interessenten bereit, die dem Starstürmer ein Gehaltspaket von bis zu 200 Millionen Euro schnüren würden, wenn er seine Kunst in ihren Farben darböte.

Natürlich ist Sport als Ablenkung von den Problemen des Alltags die wichtigste Nebensache der Welt, und wer viel leistet, soll entsprechend entlohnt werden. Aber wie sehr müssen die Maßstäbe im Geschäft Profifußball verrutscht sein, dass Betrüger – und mögen sie noch so hochbegabt sein – derart hofiert werden? Beleidigt darf doch nicht Ronaldo sein, sondern nur die, die er mit seinem Verhalten schädigt: die spanische Allgemeinheit und seine vielen Fans weltweit, die ihr hart verdientes Geld investieren, um Menschen wie Ronaldo zujubeln zu dürfen.

Nun wäre es unfair, einzig auf „CR7“ herumzuhacken. Steuerhinterziehung scheint im Profifußball längst eine eigene Disziplin zu sein. Dass die Behörden diese mit aller Härte verfolgen, ist wichtig. Viel wichtiger wäre aber, wenn Vereine und Fans die egomanischen Betrüger mit dem bestraften, was sie am meisten schmerzt: Verachtung anstelle von Verehrung.