Misere

Die Footballer der Huskies brauchen eine Heimat

Lesedauer: 4 Minuten
Präsident Martin
Sieg (48) war
1994 Mitgründer
der Hamburg
Huskies. 2014
schaffte das Team
den Aufstieg in
die GFL

Präsident Martin Sieg (48) war 1994 Mitgründer der Hamburg Huskies. 2014 schaffte das Team den Aufstieg in die GFL

Foto: Witters

Präsident Martin Sieg erklärt die sportliche Misere des Erstligisten auch mit strukturellen Problemen.

Hamburg.  Wollte man gehässig ins Gericht gehen mit den nach sieben Saisonspielen in der German Football League (GFL) noch immer punktlosen Hamburg Huskies, dann könnte man sagen, dass der Verein sehr froh über seinen Präsidenten sein sollte; so haben die Huskies immerhin einen Sieg. Aber weil sich Scherze mit Namen verbieten, muss Martin Sieg in diesen Tagen seriös zu der sportlichen Misere Stellung nehmen, in die das Team von Cheftrainer Sean Embree am vergangenen Sonnabend mit der 18:68-Schlappe gegen die Dresden Monarchs noch tiefer hineingerutscht war.

„Natürlich sind wir nicht zufrieden mit der aktuellen Situation, auch wenn wir wussten, dass es eine sehr harte Saison werden würde“, sagt der 48 Jahre alte Vereinschef. Der Verlust diverser Leistungsträger, dazu die Verletztenmisere mit zeitweilig mehr als 20 Ausfällen – mit mehr als dem Kampf um den Klassenverbleib habe er schon vor dem Saisonstart kaum kalkuliert, sagt Sieg.

„Überzeugt davon, dass wir nicht absteigen“

„Dennoch bin ich überzeugt davon, dass wir nicht absteigen.“ Die Spiele gegen den ebenso noch punktlosen Tabellenvorletzten Hildesheim Invaders – auswärts am 12. August, daheim zum Hauptrundenabschluss am 2. September – dürften entscheidend werden. Und selbst wenn man am Ende Letzter wird, bleibt ja die Chance, in der Relegation mit Hin- und Rückspiel gegen den Nordmeister der GFL 2 den Verbleib in der Eliteklasse zu sichern.

Grundsätzlich, sagt Sieg jedoch, könne es nicht der Anspruch eines ambitionierten Vereins wie dem seinen sein, dauerhaft nur gegen den Abstieg zu kämpfen. Dass die Hamburger finanziell nicht mit den Topteams der Liga aus Braunschweig, Kiel und Dresden mithalten können, ist bekannt. Dazu kommt ein weiteres, schwerwiegendes Problem: Die Stadt als Standort könnte ein Faustpfand in Vertragsgesprächen mit potenziellen Neuzugängen sein. Dafür jedoch fehlt es den Huskies an etwas Elementarem: einer echten Heimstätte.

Training wieder beim Marienthaler THC

Ihre Heimspiele tragen die „Schlittenhunde“ im städtischen Stadion Hammer Park aus, das sie kostenfrei nutzen dürfen und das die Grundanforderungen der GFL – überdachte Tribüne, Fassungsvermögen mindestens 4000 Zuschauer – erfüllt. Verkehrstechnisch zwar gut angebunden, für Football jedoch laut Sieg „absolut nicht tauglich“, da die kleine Tribüne ebenerdig gebaut ist und den Fans somit kaum Überblick über das Geschehen bietet.

Trainiert wird in Ermangelung eines eigenen Platzes aktuell wieder auf dem Gelände des Marienthaler THC. Dessen Mitglieder hatten zwar eine Aufkündigung der Kooperation beschlossen. Weil der von der Stadt zur Verfügung gestellte Ausweichplatz am Tribünenweg in Horn jedoch kurzfristig für Renovierungsarbeiten für mehrere Wochen geschlossen wurde, gewährte der MTHC den Jugend- und Erwachsenenteams der Huskies noch einmal Asyl.

Kritik von Headcoach Embree

Headcoach Embree hatte diese Zustände vor Kurzem im Abendblatt hart kritisiert. Martin Sieg hat Verständnis dafür, weil er weiß, dass die Platzsituation potenzielle Verstärkungen abschreckt. Dennoch will der Clubchef der Stadt keine Schuld zuweisen. „Wir sind in gutem Kontakt mit dem Sportamt und diversen Behörden“, sagt er, „alle bemühen sich um eine dauerhafte Lösung.“ Neidisch schaue man nach Dresden und Braunschweig, wo die Footballteams regelmäßig die Fußballstadien der ortsansässigen Zweitligisten nutzen.

Regelmäßige Anfragen an den FC St. Pauli, dessen Millerntor-Stadion wenigstens für ein Heimspiel pro Saison nutzen zu können, um punktuell Aufmerksamkeit zu erzeugen, wurden abgelehnt. Auch im Hoheluft-Stadion, wo die Huskies während ihrer Zugehörigkeit zum Mutterverein SC Victoria spielten, will man sie nicht. „Deshalb bleibt uns nur, die Lösung der Stadt abzuwarten und so lange das Beste aus der Situation zu machen“, sagt Sieg.