Champions League

Völler in Rage: Mario Basler sorgt für Eklat im TV

Selbst Moderator Helmer waren Baslers Aussagen unangenehm. Derweil poltert Dortmund gegen Sportings Fairplay-Skandal.

Lissabon/Leverkusen. Viel unterschiedlicher hätten die Reaktionen kaum ausfallen können: Während Borussia Dortmund einen großen Schritt Richtung Achtelfinale der Champions League gemacht hat, tritt Bayer Leverkusen auf der Stelle und ist nun sogar Gruppenletzter. Entsprechend glücklich präsentierten sich die Dauergrinser des BVB nach dem 2:1-Sieg bei Sporting Lissabon, bei der Werkself übte man sich nach dem dritten Remis in Folge in Durchhalteparolen.

Abendblatt.de hält Sie am Tag danach mit den aktuellen Entwicklungen zu Dortmund und Leverkusen auf dem Laufenden:

Basler sorgt für Eklat im TV

Was ist nur in Mario Basler gefahren? Angesprochen auf Leverkusens bisherige Saisonleistung, lästerte der frühere Nationalspieler im Sport1-"Fantalk" während der Champions-League-Spiele am Dienstag über die Werkself ab. "Ich beobachte Leverkusen das ganze Jahr nicht", sagte Basler. "Der Verein gibt mir einfach nichts." Moderator Thomas Helmer versuchte noch zu retten, was nicht mehr zu retten war. "Was hast du eigentlich gegen Leverkusen?", fragte er seinen früheren Mitspieler. Eine triftige Begründung konnte Basler dazu nicht abgeben, aber eine Sache wollte er loswerden. "Das Stadion ist mit einer Kapazität von 30.000 Zuschauern nicht mal mehr ausverkauft in der Champions League."

Von den meisten Gästen vor Ort erhielt Basler für seine Aussagen Applaus. Doch auch ein Leverkusen-Fan mischte sich ins Publikum und fühlte sich persönlich angegriffen. „Mario mag ja als Spieler hervorragend gewesen sein, aber als Trainer war er eine Null und als Experte ist er noch weniger wert“, sagte der erboste ältere Mann mit langsamer Stimme. Baslers Konter ließ nicht lange auf sich warten. „Nimm du mal eine Aspirin und geh’ nach Hause!“

Der Bayer-Fan sollte nicht nach Hause gehen und erhielt einen Tag später sogar prominente Unterstützung von der Leverkusener Vereinsführung. Denn Sportchef Rudi Völler hat Baslers Kritik inzwischen mit deutlichen Worten zurückgewiesen. "Mario hat sich zu einem sehr schlechten Pausenclown entwickelt", sagte der ehemalige Teamchef der deutschen Nationalmannschaft mehreren Medienvertretern. "Ich habe nur noch Mitleid mit ihm, früher war er ein guter Junge." Völler berichtete, dass sich Helmer bei ihm telefonisch gemeldet habe, um sich im Namen von Sport1 für Baslers Aussagen zu entschuldigen.

Jansen: Darum blieb Son blass

Bei seiner Rückkehr an alte Wirkungsstätte stand er besonders im Fokus: Doch Tottenhams Angreifer Heung-min Son nahm keinen Einfluss aufs Spiel. In der Premier League ist ihm gerade der Durchbruch gelungen, doch in Leverkusen war nichts von seiner aktuell eigentlich herausragenden Verfassung zu sehen. Ex-HSV-Spieler Marcell Jansen meint, die Gründe hierfür zu kennen. "Ich kenne ihn und er denkt zu viel nach, wenn er auf alte Bekannte trifft", sagte er bei Sky über seinen ehemaligen Mitspieler in Hamburg. "Es war sicherlich nicht leicht für ihn heute."

Tuchel kritisiert Schiri nach Fairplay-Skandal

In Dortmunder Kreisen machte sich kollektives Unverständnis nach dem Fairplay-Skandal von Lissabon breit. „Ich weiß nicht, was sie sich dabei gedacht haben“, kritisierte Mario Götze. Doch was war eigentlich passiert? Torhüter Roman Bürki hatte den Ball zweimal absichtlich ins Aus geschlagen, als Abwehrspieler Sokratis verletzt am Boden lag. Sporting spielte den Ball aber nicht zurück wie sonst üblich, und wartete nicht mal mehr die Behandlung des BVB-Kapitäns ab.

„Das wurde vom Publikum auch noch gefeiert“, klagte Bürki an. „So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich spiele den Ball extra ins Aus und sie spielen einfach weiter, als er (Sokratis, Anm. d. R.) noch am Boden liegt.“

Thomas Tuchel suchte den Fehler beim erfahrenen slowenischen Schiedsrichter Damir Skomina. „Von den Portugiesen habe ich es nicht anders erwartet. Aber ich hätte vom Schiedsrichter erwartet, dass er abwartet, was mit Sokratis los ist und nicht die Einwürfe durchwinkt“, so der Dortmund-Coach.

Zorc: „Eine Unverschämtheit“

Auch BVB-Sportdirektor Michael Zorc hat die Unfairness von Champions-League-Gegner Sporting Lissabon scharf kritisiert. „Das ist eine Unverschämtheit, so etwas habe ich in 30 Jahren Fußball noch nicht erlebt. Das war kein Fair Play, das war eine Sauerei“, sagte er.

BVB nimmt Kurs aufs Achtelfinale
BVB nimmt Kurs aufs Achtelfinale

Brandt kann wohl für wenig Geld gehen

Jung-Nationalspieler Julian Brandt hat nach Information der „Sport Bild“ in seinem Vertrag mit Bayer Leverkusen eine Ausstiegsklausel verankert. Demnach könne der 20-jährige Mittelfeldspieler die Werkself im Sommer 2018 für eine festgeschriebene Ablösesumme von 12,5 Millionen Euro verlassen. Der Ende 2013 abgeschlossene Vertrag hat noch eine Laufzeit bis 2019. Gespräche über eine vorzeitige Verlängerung des Kontraktes sollen aber zwischen Bayer und Jürgen Brandt, dem Vater und Berater des Spielers, bereits im Gange sein. „Es ist ein vertrauensvolles Miteinander“, wird Jürgen Brandt zitiert.

Tuchel bleibt defensiv und lobt junge Spieler

Durch den Sieg in Lissabon hat die Borussia einen großen Schritt Richtung Achtelfinale gemacht. Mit einem weiteren Erfolg im Rückspiel am 2. November hätte der BVB das Ticket für die K.o.-Phase bereits vorzeitig gelöst. Thomas Tuchel wollte daran aber noch nicht denken. „Es ist erst die erste Halbzeit vorbei“, sagte der Trainer.

Mit dem Auftritt seiner jungen Mannschaft war der Taktiktüftler hochzufrieden. „Wir waren heute wahnsinnig jung und unerfahren. Dann spielen wir mit so einer Selbstverständlichkeit eine solche erste Halbzeit. Wir waren so dominant, so stark und so effektiv." Verbesserungsbedarf sieht er aber vor allem aufgrund der Vorstellung in der zweiten Hälfte. "Nach der Pause haben wir total den Faden verloren und mussten in der ersten Viertelstunde leiden. Ab der 60. Minute machen wir dann zwei einfache Fehler und geben das Tor weg. Mit dem 2:1 wurde es richtig laut hier, das Stadion und die Zuschauer sind fantastisch."

Dennoch habe Tuchel nie am positiven Ausgang der Partie gezweifelt. "Dann hat man bis draußen gespürt, dass meine Männer das unter keinen Umständen mehr hergeben wollten. Ich gönne es ihnen so von Herzen."

Völler und Schmidt glauben ans Achtelfinale

Leverkusen-Trainer Roger Schmidt und Sportchef Rudi Völler sehen für Bayer trotz des dritten Unentschiedens im dritten Gruppenspiel nach wie vor gute Chancen auf das Erreichen des Achtelfinales in der Champions League. „Momentan sind wir Gruppendritter. Aber in den letzten drei Spielen haben wir noch alle Möglichkeiten“, sagte Völler nach dem 0:0 der Werkself gegen Tottenham Hotspur. Schmidt: „Wir müssen einen langen Atem haben in dieser Gruppe. Wir wissen, dass wir einen der ersten beiden Plätze belegen können. Jetzt liegt es an uns.“

Mit drei Punkten in der Gruppe E liegt Bayer auf dem dritten Platz, hat allerdings nur einen Zähler weniger als der Zweite Tottenham und zwei Punkte weniger als Tabellenführer AS Monaco auf dem Konto. Am 2. November tritt Leverkusen im Wembleystadion zum Rückspiel gegen Tottenham an.

Calhanoglu angeschlagen

Bayer Leverkusen bangt vor dem Punktspiel am Sonnabend (15.30 Uhr/Sky) gegen 1899 Hoffenheim um den Einsatz von Hakan Calhanoglu. Der 22 Jahre alte türkische Nationalspieler musste am Dienstag im Gruppenspiel der Champions League gegen Tottenham Hotspur (0:0) wegen akuter Rückenbeschwerden nach 45 Minuten ausgewechselt werden.

„Wir müssen abwarten, wie schlimm es ist. Er hat schon seit ein paar Tagen Probleme mit dem Rücken, gegen Tottenham wurden sie dann schlimmer“, sagte Schmidt. Als Alternative zum Ex-HSV-Profi steht der Österreicher Julian Baumgartlinger (28) parat, der in der zweiten Hälfte gegen Tottenham eine gute Leistung zeigte.