European Football League

Hamburg Huskies sind spektakulär gescheitert

Jaques Huke (l.) und seine Hamburg Huskies streckten sich gegen die Kiel Baltic Hurricanes (hier mit Xavier Mitchell) vergeblich

Jaques Huke (l.) und seine Hamburg Huskies streckten sich gegen die Kiel Baltic Hurricanes (hier mit Xavier Mitchell) vergeblich

Foto: Witters

Das Team verliert die Football-Europapokal-Premiere gegen Titelverteidiger Kiel mit 33:61. An mangelndem Einsatz lag es nicht.

Hamburg.  Den Weg in die Kieler Endzone hatte Jens Koppe noch allein geschafft. Und wie: Leichtfüßig wie ein Fohlen war er zum Touchdown galoppiert, jedem heranfliegenden Verteidiger geschickt ausweichend, ein Eier-Tanz über 33 Yards. Zurück in die Hamburger Teamzone aber schaffte es der Running Back nur mit Unterstützung zweier Teamkollegen, torkelnd wie ein angeknockter Boxer. Nach zuvor zwei Touchdown-Läufen über je 65 Yards war dieser dritte offenbar zu viel des Guten für Koppe gewesen.

An Einsatz hatten es die Hamburg Huskies wahrlich nicht vermissen lassen bei ihrem Debüt in der European Football League. Aber das reichte nicht, um die 33:61-Niederlage (6:7, 7:16, 14:10, 6:28) gegen Titelverteidiger Kiel Baltic Hurricanes zu verhindern. „Wir waren im dritten Viertel dran“, sagte der Huskies-Vorsitzende Timo Müller, „aber dann hat Kiel unsere Fehler eiskalt ausgenutzt.“ Konkret: zwei Fehlpässe von Quarterback Jordan Perry abgefangen und den Ball an oder in die Hamburger Endzone zurückgetragen.

Es waren nur zwei von vielen Konzentrationslücken im Huskies-Spiel. Mal standen zwölf Mann auf dem Spielfeld, mal geriet der Snap, die Ballübergabe vom Center an den Quarterback, völlig daneben. Aber weil sich auch die Kieler unerklärliche Aussetzer leisteten, blieb die Partie für die 1481 Zuschauer im Hammer Park zumindest unterhaltsam. Und die Huskies-Fans unter ihnen durften noch lange rechnen: Wie hoch würde ihr Team am 7. Mai bei den Amsterdam Crusaders gewinnen müssen, nachdem die sich vor zwei Wochen in Kiel mit 31:24 nach Verlängerung durchgesetzt hatten?

Am Ende aber war die Sache einfach. Die Huskies können durch einen Sieg in Amsterdam nur noch ihrem deutschen Rivalen zum Gruppensieg und also ins EFL-Endspiel am 11. oder 12. Juni verhelfen. Um die eigene Titelchance zu wahren, bräuchte es schon einen Sieg mit 50 Punkten Differenz. „Das ist utopisch“, gestand Müller.

Auf einen Bowl-Ring hatte bei den Hamburgern ohnehin niemand spekuliert. Müller sah die Europacuppremiere als „erweitertes Vorbereitungsspiel“. Am Sonnabend (17 Uhr, Hammer Park) beginnt für die Huskies mit dem Spiel gegen den deutschen Meister Braunschweig die zweite Saison in der German Football League, und die soll ähnlich erfreulich anfangen wie die erste.

Damals hatten die Huskies als Aufsteiger manches etablierte Team überrumpelt. Am Ende aber war die Luft raus. Erst hatte sich Quarterback Reggie Langford verletzt, dann fiel der als Ersatz verpflichtete Jordan Giza wegen eines Formfehlers im Spielerpass­antrag aus. Cheftrainer André Schleemann hatte sich daraufhin entnervt in ein „Sabbatjahr“ zurückgezogen.

Das Duell seiner Ex-Teams aber wollte sich Schleemann dann doch nicht entgehen lassen. „Man darf nicht vergessen, dass die Huskies eine sehr junge Mannschaft sind“, sagte er noch, bevor er sich wie auch viele Hamburger Fans vorzeitig auf den Heimweg machte. Die nötige Erfahrung sollen die drei US-Importspieler einbringen. Sie aber waren am Sonnabend nur bedingt eine Verstärkung. Defensive Tackle Robert Smith schied mit einer Quetschung des Fußgelenks aus. Jonathan Perkins war mit seinen Aufgaben in der Passverteidigung offensichtlich überfordert – ob nur aufgrund akuter Magen-Darm-Probleme, muss sich zeigen.

Perrys Leistung stufte Offensive Coordinator Andreas Nommensen der Wetterlage entsprechend als „heiter bis wolkig“ ein. Mit 33 Punkten könne man zwar leben. „Wir müssen aber lernen, den Ball im Angriff zu kontrollieren.“ Statt kontinuierlichen Raumgewinns produzierte die Huskies-Offense entweder spektakuläre Touchdowns – oder spektakuläre Ballverluste.

Nommensen aber ist sich sicher, „dass wir noch wesentlich besser werden. Wir haben sehr viel Talent, das muss die Mannschaft begreifen.“ Womit auch gemeint ist, dass sich die Trainingsbeteiligung verbessern muss. Zu oft hätten Schlüsselspieler aufgrund beruflicher Verpflichtungen gefehlt.

Bei den Huskies ist Football eben noch Amateursport. Auch Sportdirektor Patrick Esume war am Sonnabend verhindert. Er leitete das Trainingslager der französischen Nationalmannschaft an, hielt aber telefonisch Kontakt zu Nommensen und Defensive Coordinator Martin Ricard. Gegen Braunschweig will Esume wieder an der Seitenlinie stehen.