Pferdesport

Das schwierige Geschäft mit dem Galopp-Derby

m Blickpunkt  dieses Wochenendes steht die Neuauflage des Großen Hansa-Preises am Sonntag. Das starke Zehner-Feld kann sich mehr als sehen lassen

m Blickpunkt dieses Wochenendes steht die Neuauflage des Großen Hansa-Preises am Sonntag. Das starke Zehner-Feld kann sich mehr als sehen lassen

Foto: dpa Picture-Alliance / Revierfoto / picture alliance / dpa

Vor dem Auftaktwochenende auf der Galopprennbahn in Horn hofft der Hamburger Rennclub auf steigende Besucherzahlen und Wetteinsätze.

Hamburg. Ein bisschen Aberglaube, weiß das wettende Volk, kann auf der Galopprennbahn nicht schaden. Mancher meint, seinen Tippschein auf keinen Fall an Totokassen abgeben zu dürfen, an denen eine Frau mit Brille sitzt. Der eine oder andere Glücksritter vergrub schon ein Cent-Stück im Grasgeläuf oder nutzte Familiendaten zum Zocken. Andere beherzigen eine weitere Weisheit des Turfs: „Willst du an der Kasse sein, wette stets auf Helfenbein.“

Im Hauptereignis des Auftaktwochenendes der diesjährigen Derbywoche besteht wieder Gelegenheit dazu: Im Großen Hansa-Preis (So., 16.40 Uhr) rückt Jockey Andreas Helfenbein auf der vierjährigen Weltmacht in die Box. Zwar sitzt der 48 Jahre alte Berufsrennreiter aus Köln, der immer für eine Überraschung gut ist, im Sattel einer großen Außenseiterin, doch winkt im Erfolgsfall der 16-fache Gewinn. Klappt das nicht und preschen die Favoriten Singing oder Guardini nach 2400 Metern als erste über die Zielmarkierung, gibt es während des Meetings 68 weitere Chancen, am Totalisator Sieger zu sein. Bis zum 5. Juli geht’s auf dem Horner Moor rund. Zum Finale steht das 146. Deutsche Derby zur Entscheidung.

Ob auch der traditionsreiche Hamburger Renn-Club (HRC) zu den Gewinnern zählt, hängt erheblich vom Wettumsatz ab. „Das es diesmal keine große Konkurrenz durch weltmeisterlichen Fußball gibt“, hofft Schatzmeisterin Ilona Vollmers, „rechnen wir mit einem guten Ergebnis.“ Im Vorjahr wurden 2,996 Millionen Euro an den Kassen investiert. Allerdings wurde WM-bedingt ein Renntag erst zwei Tage nach dem Blauen Band durchgeführt. Da war die Luft raus. Jetzt rechnet der 1852 gegründete Verein mit 20 Prozent mehr: Der Etat beträgt 3,6 Millionen Euro. Das ist in etwa ein Zehntel mehr als im vergleichbaren Jahr 2013. Und während 2014 nur 50.000 Zuschauer kamen, erwartet man aktuell 70.000 Besucher.

Erfüllt sich die Prognose, kann das operative Minus des abgelaufenen Geschäftsjahrs in Höhe von gut 20.000 Euro – im wahrsten Sinn des Wortes – wettgemacht werden. Durch die Summe der Verluste aus mehreren Vorjahren beträgt der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag in der Bilanz derzeit 700.000 Euro.

„Dennoch ist der Rennclub keineswegs überschuldet, sondern im Prinzip stabil“, sagt Schatzmeisterin Vollmers. Ein Grund: Der Wert des Erbpachtgeländes, der Rennbahn also, wird in der Bilanz nicht bewertet. Andere Vereine in der Hansestadt handhaben das anders – und letztlich irreführend. Dennoch ist hinter den Kulissen bekannt, dass mehrere der neun Vorstandsmitglieder des HRC bei Banken für den Verein bürgen. Zu diesen Gläubigern soll auch Vize-Präsident Albert Darboven zählen. Sicher ist: Ohne den Kaffeekaufmann und Hauptsponsor würde auf dem Horner Hippodrom viel weniger laufen.

Ein zusätzliches Fundament unter dem Strich hanseatisch solider Kalkulation ist die Zusammenarbeit mit dem französischen Wettanbieter PMU. Die wettverrückten Nachbarn verzocken ein Vielfaches der Deutschen und sind auch hierzulande intensiv dabei. Am Dienstag und Mittwoch der kommenden Wochen werden jeweils acht Rennen nach Frankreich übertragen. Hinzu kommen vier Starts am 4. Juli, der Große Hansa-Preis sowie das Deutsche Derby. Insgesamt hofft der HRC auf PMU-Provisionen in Höhe von 200.000 Euro.

Dritter Pfeiler des Etats sind Spenden und Sponsorenerlöse von zusammen 700.000 Euro. Diese ermöglichen ein Gesamtvolumen der Rennpreise von 1,67 Millionen Euro. Addiert man 17 Prozent Züchterprämien dazu, ergeben sich 1,95 Millionen Euro. Im Derby selbst geht es um 650.000 Euro. Sollten am Montag ein oder mehrere Vollblüter aus dem Ausland nachnominiert werden, kassiert der Rennverein dafür jeweils 65.000 Euro.

Los geht’s an diesem Sonnabend mit einem Stutenrennen, das den Namen des verstorbenen Galopperpräsidenten Franz-Günther von Gaertner trägt. Elf Kandidatinnen wetteifern um 55.000 Euro. In einem sehr offenen Rennen mit vier ausländischen Gästen ist die Engländerin Odeliz unter Reiter Adrie de Vries Favoritin. Der Vorwett-Kurs: 43:10 Euro. Mit einem Coupon aus der gestrigen Ausgabe können 1000 Abendblatt-Leser diese und acht weitere Prüfungen von der Haupttribüne aus verfolgen.

Wer mehr Geld will und weniger gern auf die angesagten Pferde wetten möchte, könnte sich für die Startnummer zwei entscheiden. Im Sattel der vierjährigen englischen Stute Evita Peron, gleichfalls von der Insel angereist, sitzt in schwarz-gelber Seide Oldtimer-Jockey Andreas Helfenbein. Denn willst du an der Kasse sein...