Fifa-Ticker

US-Behörden ordnen Fifa als "Rico-Organisation" ein

Noch Fifa-Präsident Joseph Blatter (r) und Charles Blazer

Noch Fifa-Präsident Joseph Blatter (r) und Charles Blazer

Foto: Patrick B. Kraemer / dpa

Aussagen des ehemaligen Fifa-Funktionärs Chuck Blazer bringen neue Erkenntnisse zum Korruptions-Skandal des Fußballweltverbands Fifa.

Erstmals liegen Aussagen eines ehemaligen Fifa -Funktionärs vor einem Gericht zu Bestechungspraktiken im Führungszirkel des Weltverbandes öffentlich vor. Das frühere Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees, Chuck Blazer, hat vor einem ordentlichen US-Gericht Korruption und Bestechung vor WM-Vergaben vollumfänglich zugegeben. Das geht aus einem Protokoll hervor, das am Mittwochabend veröffentlicht wurde.

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Die Veröffentlichung der Aussage des früheren Fifa-Funktionärs aus dem Jahr 2013 bringt neue Erkenntnisse im jüngsten Korruptionsskandal um den Fußball-Weltverband. Sie bringt aber auch Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke womöglich in Bedrängnis.

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US-Justiz untersucht Verträge zu WM 2014

15:49 Uhr: Im Zuge der Korruptions-Ermittlungen um den Fußball-Weltverband untersucht die US-Justiz angeblich auch Vermarktungsverträge für die WM 2014 in Brasilien. Wie die Zeitung „Estadão“ aus São Paulo in ihrer Online-Ausgabe am Donnerstag berichtet, geht es dabei offenbar hauptsächlich um die Geschäftsbeziehungen von FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke und dem früheren brasilianischen Verbandschef und FIFA-Funktionär Ricardo Teixeira. Es bestehe der Verdacht der gegenseitigen Vorteilsnahme. Eine offizielle Bestätigung der US-Justiz oder eine Reaktion von Valcke oder Teixeira lag vorerst nicht vor.

Kürzlich war bekanntgeworden, dass die deutsche Baufirma Bilfinger in einen Korruptionsskandal in Brasilien für die Bereitstellung eines Kontroll- und Überwachungssystems für die WM verwickelt sein soll. Der frühere Verbandschef José Maria Marin gehört zu den in der vergangenen Woche in Zürich festgenommenen Fußball-Funktionären, denen wegen Korruptionsvorwürfen die Abschiebung in die USA droht.

Schily glaubt nicht an Unregelmäßigkeiten

15:46 Uhr: Der damalige Bundesinnenminister Otto Schily glaubt nicht an Unregelmäßgkeiten bei der Vergabe der Fußball-WM 2006 nach Deutschland. "Ich halte es für ausgeschlossen, dass von den für die Bewerbung verantwortlichen DFB-Vertretern versucht worden sein sollte, die Mitglieder des Exekutiv-Komitees durch unlautere Mittel zu beeinflussen", sagte der zu diesem Zeitpunkt für den Sport zuständige SPD-Politiker der Bild-Zeitung.

Deutschland habe eine in jeder Hinsicht hervorragende Bewerbung für die Fußballweltmeisterschaft 2006 abgeliefert, erklärte Schily. Bereits am Mittwoch hatte Bundesinnenminister Thomas de Maiziére erklärt, von US-Justizministerin Loretta Lynch keine Hinweise auf einen deutschen Bezug bei den US-Ermittlungen gegen Fifa-Funktionäre bekommen zu haben.

Mehrheit glaubt an systematischen Betrug

11:31 Uhr: Der Fußball-Weltverband Fifa kämpft in Deutschland weiter gegen ein enorm schlechtes Image. Im Zuge des jüngsten Skandals mit Ermittlungen der US- und Schweizer Behörden, die bereits zu sieben Festnahmen führten, glauben laut ARD-DeutschlandTrend 82 Prozent der Bundesbürger, dass bei der Fifa systematisch bestochen wurde. Nur sechs Prozent folgen der These von Noch-Präsident Joseph S. Blatter und denken, es handelte sich um Einzelfälle.

US-Behörden ordnen Fifa als Rico-Organisation ein

11:23 Uhr: Die US-Behörden ordnen den Fußball-Weltverband Fifa als sogenannte Rico-Organisation ein - als einen "vom organisierten Verbrechen und Korruption beeinflussten" Zusammenschluss. Das geht aus dem Protokoll der 2013 geführten Vernehmung des ehemaligen Fifa -Funktionärs und "Whistleblowers" Chuck Blazer hervor.

Grund für die Einordnung sind die Anklagepunkte, laut denen bei verschiedenen Gelegenheiten mit krimineller Energie Geld geflossen sein soll. Das würde die Fifa als Rico-Organisation identifizieren.

Hintergrund ist ein 1970 in den USA erlassenes Gesetz (Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act), das als Rechtsgrundlage zur Bekämpfung von kriminellen Vereinigungen dient. Die US-Behörden haben im Zuge des Fifa-Skandals 14 Personen angeklagt, darunter neun Fifa-Offizielle. Sieben sitzen in der Schweiz in Auslieferungshaft.

10:26 Uhr: Im Zuge des Fifa-Skandals ist am Mittwoch die Zentrale des venezolanischen Fußball-Verbands FVF in Caracas durchsucht worden. Die Behörden suchten nach Beweisen für die Korruptionsvorwürfe gegen den ehemaligen FVF-Chef Rafael Esquivel, der als einer von sieben hohen Funktionären des Weltverbands in der vergangenen Woche in der Schweiz festgenommen worden war.

Die venezolanischen Behörden ordneten zudem eine Sperrung der Bankkonten an, die von Esquivel, inzwischen ehemaliges Mitglied des Exekutivkomitees des Kontinentalverbands für Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik (Concacaf), kontrolliert werden.

10:01 Uhr: Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke fühlt sich nach den medialen Anschuldigungen im Korruptionsskandal "nicht schuldig" und hat einen Rücktritt ausgeschlossen. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen, ich fühle mich nicht schuldig, deshalb muss ich noch nicht einmal meine Unschuld beweisen", sagte die "rechte Hand" von Fifa-Präsident Joseph S. Blatter in einem Radio-Interview mit France Info: "Es gibt keinen Grund, warum ich nicht Generalsekretär bleiben sollte."

Laut New York Times soll Valcke eine bedeutende Rolle bei der Überweisung jener zehn Millionen Dollar gespielt haben, mit denen in der Karibik für die Vergabe der WM 2010 nach Südafrika angeblich bestochen und betrogen wurde. Demnach soll der 54-Jährige der "hochrangige Fifa-Funktionär" sein, von dem in der 161-seitigen Anklageschrift des New Yorker Gerichts die Rede ist. Dieser habe im Jahr 2008 die Zahlung von "insgesamt zehn Millionen Dollar" von einem Fifa-Konto über die Bank of America auf ein Konto der Republic Bank angewiesen, das vom Angeklagten Jack Warner "kontrolliert" wurde. Der Fußball-Weltverband dementierte entschieden.

Ex-Fifa-Mediendirektor rät Blatter zur Zusammenarbeit mit dem FBI

09:13 Uhr: Der frühere Fifa-Mediendirektor Guido Tognoni hat Joseph Blatter nach dessen Rücktrittsankündigung zur Zusammenarbeit mit dem FBI geraten. „Ich bin der Auffassung, Sepp Blatter könnte sich unglaubliche Verdienste erwerben und plötzlich in einem ganz anderen Licht dastehen, wenn er selbst sagt: Ich werde Zeuge. Ich gehe zum FBI. Ich werde alles sagen“, sagte der ehemalige Mediendirektor des Fußball-Weltverbandes und Ex-Berater von Blatter bei stern TV.

Mit seiner Darstellung, er habe von allem nichts gewusst, habe sich Blatter „letztlich völlig unglaubwürdig gemacht“, sagte Tognoni. Er hoffe, dass der 79 Jahre alte Schweizer „dazu beiträgt, den Saustall auszumisten und einen totalen Neuanfang zu ermöglichen“.

Warner: Fifa finanzierte meine Partei

08:36 Uhr: Ex-Vizepräsident Jack Warner hat mit Behauptungen auch gegen Noch-Verbandschef Joseph Blatter im Korruptionsskandal der Fifa nachgelegt. Laut Warner soll der Fußball-Weltverband seine Independent Liberal Party auf Trinidad und Tobago im Wahlkampf vor fünf Jahren finanziell unterstützt haben. Fifa-Funktionäre hätten davon gewusst, darunter auch Blatter, behauptete Warner in einer vorangegangenen achtminütigen Ansprache im Fernsehen. „Nicht mal der Tod wird die Lawine stoppen, die kommt“, prophezeite der 72-Jährige vor Anhängern auf Trinidad: „Die Würfel sind gefallen.“

Die entsprechenden Schecks und anderes Beweismaterial habe er an seine Anwälte übergeben, schrieb die Zeitung „Trinidad and Tobago Guardian“. Er habe Angst um sein Leben, meinte Warner und entschuldigte sich, sein Wissen über die angeblichen Vorgänge nicht vorher schon öffentlich gemacht zu haben. Nach seinem Ausschluss aus dem Fifa-Machtzirkel im Jahr 2011 hatte er bereits einen „Tsunami“ an brisanten Informationen angekündigt - allerdings ohne Taten folgen zu lassen.

Warner war in der vergangenen Woche in seinem Heimatland kurzfristig festgenommen worden. Gegen eine Kaution von 2,5 Millionen Dollar kam er wieder auf freien Fuß. Der ehemalige Minister für Sicherheit in Trinidad und Tobago gehört zu denjenigen, denen von der US-Justiz Korruption, Verschwörung und organisiertes Verbrechen vorgeworfen wird. Die USA haben auch die Auslieferung Warners beantragt. Amtshilfe soll dabei Interpol leisten.

Warner wurde bei in der Aussage des früheren Fifa-Exekutivkomitee-Mitglieds Chuck Blazer, die am Mittwoch veröffentlicht wurde, namentlich allerdings nicht genannt. Dem Vernehmen nach soll der einstige Fifa-Vizepräsident aber der Mitverschwörer sein, der Schmiedergeld vom späteren WM-Gastgeber (2010) Südafrika erhalten haben soll.

Nachdem er von Blatters Rücktrittsankündigung am vergangenen Dienstag gehört habe, habe er dem Schweizer in einem Brief den sofortigen Rücktritt nahegelegt, berichtete Warner und fabulierte etwas nebulös: „Blatter weiß, warum er gefallen ist. Und wenn es jemand anderes weiß, bin ich es.“

Australische Polizei ermittelt zu WM 2022

08:08 Uhr: Im Zuge des umfassenden Korruptionsskandals im Fußball-Weltverband Fifa hat die australische Bundespolizei am Donnerstag eine Untersuchung der WM-Vergabe 2022 angekündigt. Frank Lowy, Chef des australischen Verbandes FFA, hatte tags zuvor erklärt, die umstrittene Vergabe an Katar sei „nicht sauber“ gewesen. Sein Wissen habe er den Polizeibehörden mitgeteilt. Zudem beschuldigte er den früheren Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner (Trinidad und Tobago) des Diebstahls.

Australien hatte sich neben Katar, den USA, Südkorea und Japan um die WM-Endrunde in sieben Jahren beworben, war aber im Dezember 2010 in Zürich bereits im ersten Wahlgang mit nur einer von 22 möglichen Stimmen ausgeschieden.

Frank Lowy wirft Warner vor, 500.000 australische Dollar (knapp 350.000 Euro), die für den Ausbau von Sportstätten in Warners Heimat Trinidad und Tobago überwiesen worden waren, in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Lowy fordert nun die Rückzahlung der finanziellen Zuwendung.

Jack Warner steht auf der FBI-Liste der meistgesuchten Personen, die in den USA wegen Geldwäsche, der Annahme von Bestechungsgeldern und Bildung krimineller Vereinigungen sowie Korruption bei WM-Vergaben und TV-Rechten angeklagt sind. Er soll im Zuge der Vergabe der Weltmeisterschaften 1998 an Frankreich und 2010 an Südafrika in Korruption verwickelt gewesen sein und sich bereichert haben.

Warner hat sich in seinem Heimatland bereits gestellt und war nach einer Nacht in Haft gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt worden. Von der Fifa wurde der 72-Jährige vorläufig für alle Aktivitäten im Fußball gesperrt.

DOSB-Vorstandsvorsitzende Vesper zur Fifa

07:02 Uhr: Der DOSB-Vorstandsvorsitzende Michael Vesper hat im Fußball-Weltverband schnelle Reformen und einen raschen Rückzug von Joseph Blatter gefordert. „Bislang ist Sepp Blatter noch nicht wirklich zurückgetreten. Er hat seinen Rücktritt lediglich angekündigt. Es wäre fatal, wenn man ihn nun den Prozess zur Suche seines Nachfolgers steuern ließe“, sagte der Vorstandschef des Deutschen Olympischen Sportbundes der „Rheinischen Post“ (Donnerstag). Der notwendige Neuanfang sei nur dann möglich, „wenn jetzt unverzüglich die überfälligen Reformen eingeleitet werden. Der Sonderkongress zur Wahl des Nachfolgers muss in Sichtweite sein, er darf nicht auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben werden“.

Mit Material von dpa und sid