Choupo-Moting und Meier

Zwei beim HSV Aussortierte an der Spitze der Torjägerliste

Schalkes Choupo-Moting und Frankfurts Meier sind derzeit die beiden gefährlichsten Angreifer der Bundesliga. Beim HSV wurden sie für nicht bundesligatauglich befunden – sie sind keine Einzelfälle.

Stuttgart. Beim Blick auf die Torjägerliste dürften beim dem einen oder anderen HSV-Fan die Tränen kullern. Frankfurts Alexander Meier ist mit zehn Treffern der erfolgreichste Torschütze in der Bundesliga nach 14 Spieltagen. Nur einen Platz dahinter folgt Schalkes Eric-Maxim Choupo-Moting mit acht Toren – die gesamte Mannschaft des HSV gar gerade einmal neun Saisontore auf dem Konto. Das Pikante dabei: Beide Offensivspieler wurden einst beim HSV aussortiert und für nicht bundesligatauglich befunden.

Meier und Choupo-Moting gehören zu den Gewinnern des Spieltags. Während der Frankfurter Stürmer beim 5:2-Sieg gegen Werder Bremen doppelt traf, gelang dem Kameruner beim 4:0 in Stuttgart der erste Dreierpack seiner Bundesliga-Karriere. In seiner gesamten Zeit beim HSV erzielte der 25-Jährige gerade mal zwei Tore, Meier blieb gar torlos im Trikot der Hanseaten.

Für Schalke 04 entwickelt sich Choupo-Moting, der auch noch den Treffer von Max Meyer vorbereitete immer mehr zu einem Glücksfall. Acht Treffer nach 14 Spielen stehen für den 25-Jährigen zu Buche. „Ich glaube, ich habe das letzte Mal in der F- oder E-Jugend drei Tore gemacht“, sagte er.

Seit Trainer Roberto Di Matteo vor dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg das System auf zwei Stürmer umgestellt hat, ist die Leistung von Choupo-Moting im positiven Sinne explodiert. Gegen die Wölfe traf der Kameruner vor zwei Wochen gleich zweimal. „Choupo-Moting hat eine außerordentliche Qualität“, lobte Sportvorstand Horst Heldt den Ex-Mainzer. „Choupo-Moting ist ein Mannschaftsspieler, der sich aufopfert“, sagte Di Matteo über den zweifellos besten Schalker Neuzugang, der auch noch ablösefrei zu haben war.

Choupo-Moting nahm seine Entwicklung fernab der Heimat


Hinter ihm liegt ein grandioses Jahr 2014. Mit einer starken Rückrunde in Mainz hatte er sich zu einem der begehrtesten Spieler auf dem Transfermarkt aufgeschwungen. Choupo-Moting entschied sich für Schalke und ist inzwischen nicht mehr wegzudenken. „Ich war überzeugt, dass ich hier spielen werde“, sagte er.

Der in Ottensen aufgewachsene Fußballer spielte einst von 2007 bis 2011 beim HSV, konnte sich dort aber nicht durchsetzen und landete schließlich nach drei Jahren in Mainz bei Schalke 04. Seine Entwicklung von einem talentierten Nachwuchsprofi zu einem gestandenen Bundesligaspieler nahm Choupo-Moting fernab der Heimat. Mit nunmehr 15 Scorerpunkten ist er aktuell der gefährlichste Spieler der Bundesliga.

Auch Alex Meier schaffte einst nicht den Druchbruch beim HSV und blieb von 2003 bis 2004 nur ein Jahr bei den Rothosen. Der 1,96 Meter große Schlaks galt zwar als hoch talentiert, bekam aber unter dem damaligen Trainer Klaus Toppmöller wenige Einsatzzeiten.

Meier und Choupo-Moting sind keine Einzelfälle


Doch Choupo-Moting und Meier sind bei weitem nicht die Einzigen, denen das Glück beim HSV verwehrt blieb. André Hahn versuchte zwei Jahre lang sein Glück in der U19 und U23 des HSV, schaffte den Sprung zu den Profis aber nicht – und wurde im Sommer 2010 weggeschickt. Erst danach kam seine Karriere ins Laufen: Über Oberneuland, Koblenz und Offenbach ging es nach Augsburg, wo ihm der Durchbruch gelang. In dieser Saison läuft der schnelle Offensivakteur mit Mönchengladbach in der Europa Leauge auf. "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht enttäuscht war, als der HSV mich nicht mehr wollte", gab er erst im Sommer zu.

Diese Liste lässt sich allein aus der jüngeren Vergangenheit beliebig verlängern. Der (beim HSV allerdings oft verletzte) Verteidiger Vincent Kompany entwickelte sich erst bei Manchester City zum Superstar, Sidney Sam kam beim HSV nicht über vier Kurzeinsätze hinaus, bevor er aus disziplinarischen Gründen nach Leverkusen transferiert wurde. Dort reifte der Flügelstürmer zum Nationalspieler, bekommt auf Schalke nun seinen Wunschvertrag. Per Cilian Skjelbred musste erst nach Berlin wechseln, um seine Bundesligatauglichkeit unter Beweis zu stellen. Jeffrey Bruma ist in Eindhoven unumstrittener Stammspieler und sogar Marcus Berg beendete seine Saison bei Panathinaikos Athen mit 15 Toren auf Platz zwei der Torjägerliste. Auch den Stammtorhütern Wolfgang Hesl (jetzt Fürth) und Raphael Wolf (jetzt Werder) wurde beim HSV keine Zukunft vorhergesagt. Auch Talente wie Änis Ben-Hatira und Tunay Torun wurden wieder weggeschickt.

Nach den Gründen für diese fatale Entwicklung wird in Hamburg seit Jahren geforscht – meist vergeblich.