Damen und Herren setzen sich in der Hockey-Bundesliga gegen den Club an der Alster durch. Dem Verein Alster steht an diesem Dienstag eine interessante Mitgliederversammlung ins Haus.

Hamburg. Es gibt Spiele, die lassen ihre Protagonisten mit einem Zwiespalt der Gefühle allein. Joachim Mahn ging es so am Sonnabend, nachdem die von ihm trainierten Hockeyherren des Clubs an der Alster das Stadtderby beim Uhlenhorster HC mit 2:5 (0:3) verloren hatten. Die „mit Abstand beste Saisonleistung“ hatte seine im Sommer radikal umgebaute Mannschaft in der zweiten Halbzeit abgeliefert, und dennoch wusste Mahn nicht, wie er es schaffen sollte, sich darüber zu freuen. „Es fällt unheimlich schwer, hier jetzt mit einem Lächeln im Gesicht rumzulaufen und Optimismus zu verbreiten“, gab er zu.

Ein Blick auf die Bundesligatabelle kann Mahns Problem erklären. Mit nur einem Punkt nach fünf Spielen ist Alster Vorletzter. Die enttäuschten Erwartungen, die die mit diversen Hochkarätern aufgerüstete Mannschaft vor allem an sich selbst gestellt hatte, scheinen gnadenlos wie ein Mähdrescher auf Autopilot das Selbstvertrauen zerfressen zu haben. Kaum anders sind die individuellen Fehler zu begründen, durch die Mahns Spieler in der ersten Halbzeit selbst auf die Verliererstraße stolperten. „Die Effizienz des Gegners vor unserem Tor ist doch nur so hoch, weil wir so viele Fehler machen“, schimpfte Routinier Sebastian Biederlack angesichts der Gegentore durch Jan-Philipp Rabente (25.), Florian Fuchs (33.) und Tino Teschke (35.).

Die Gastgeber waren keine drei Tore besser im ersten Durchgang, in der zweiten Halbzeit hatte das nun druckvoller und zielstrebiger agierende Gästeteam sogar mehr vom Spiel. Aber was auffällt und beeindruckt am UHC im Spätsommer 2014, das ist eine neue Gelassenheit, mit der die Mannschaft von Cheftrainer Kais al Saadi ihre Aufgaben erledigt. Wo früher das Hurra-Hockey dominierte, wo die Maxime herrschte, dass Angriff die beste Verteidigung ist, da wird heute das Tempo aus dem Spiel genommen und die Defensive gestärkt. Als Taktgeber fungiert Nationalspieler Moritz Fürste, der den Abwehrchef mit einer spielerischen Eleganz gibt, die dem UHC guttut, auch wenn zwei seiner Ballverluste in der zweiten Hälfte dafür sorgten, dass Alster durch Tim Blasberg (40.) und Nationalstürmer Christopher Rühr (43.), der sein erstes Tor für den neuen Club feiern durfte, zweimal ins Spiel zurückfand.

Doch dass Rückschläge postwendend mit Gegenschlägen beantwortet werden wie beim 4:1 durch Moritz Fürste per Strafecke (42.), das ist ebenso eine neue Qualität der „Uhlen“ wie die Fähigkeit, eine Partie geduldig über die Zeit zu schaukeln und zum richtigen Zeitpunkt den Sack zuzumachen, was Fuchs mit einem Konter (66.) gelang.

„Ich hatte auch in der zweiten Halbzeit keine Sorgen. Wir haben coole Tore geschossen und das Spiel nach Hause verteidigt“, sagte al Saadi. Moritz Fürste freute sich vor allem über den gelungenen Saisonstart mit 13 Punkten aus fünf Spielen, und er blickte mit großer Vorfreude auf den kommenden Sonnabend. Dort wartet im nächsten Stadtderby der amtierende deutsche Feldmeister Harvestehuder THC, der gegen Düsseldorf 2:1 siegte. „Das wird ein echter Härtetest für uns“, sagte er.

Bei Alster steht am Dienstag die Neuwahl des Präsidiums auf dem Plan

Dass sie im UHC am Sonnabend doppelten Grund zur Freude hatten, dafür sorgten die Damen des Vereins, die sich in ihrem Duell mit Alster standesgemäß 4:2 durchsetzten. Eine schnelle 2:0-Führung durch Eileen Hoffmann (3.) und Hannah Seifert (4.) und weitere Tore durch Marie Mävers (16.) und Lea Albrecht (27.) sorgten jedoch für einen krassen Spannungsabfall im Team von Claas Henkel, der sich über den pomadigen Auftritt in der zweiten Hälfte, als das stark verjüngte, aber sehr engagierte Alster-Team durch Sabine Knüpfer (39.) und Lisa Parada (49.) Anschluss fand, am Spielfeldrand maßlos ärgerte. „Wir haben nicht genommen, was wir hätten kriegen können. Aber wir sind noch im Lernprozess“, sagte Henkel.

Seine Sorgen hätten sie bei Alster wahrscheinlich gerne. An diesem Dienstag steht dem gesamten Verein zunächst eine interessante Mitgliederversammlung ins Haus. Eine Gruppe um den früheren Bundesliga-Hockeyspieler Thomas Wiedermann will Präsident Torben Todsen und dessen gesamte Führungscrew ablösen. Insider erwarten eine Kampfabstimmung mit nicht vorhersehbarem Resultat.