„Deutschland ist mit Olympia jetzt einfach dran“

Reaktionen auf die Konzepte der möglichen Bewerberstädte Berlin und Hamburg

Hamburg. „Ich habe den Eindruck, dass Hamburg Olympische Spiele ein bisschen mehr will als Berlin.“ Jonas Reckermann, 35, Beachvolleyball-Olympiasieger 2012 in London, der zuletzt für den VC Olympia Berlin spielte, hat das gesagt, nachdem beide Städte am Mittag ihre Konzepte für die Sommerspiele 2024 oder 2028 vorgestellt hatten. Wolfgang Maennig, 54, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Uni Hamburg, wiederum meinte: „Es ist egal, ob sich Hamburg oder Berlin bewirbt: Deutschland ist der ganz klare Favorit, weil es einfach dran ist.“

Beide Städte, sagte der Achter-Olympiasieger von 1988, hätten ihre Vorteile. Berlin verfüge über „viel mehr Sportstätten, die olympiatauglich sind. Hamburg hat den Vorteil, dass es etwas kompakter ist und den vielleicht größeren Rückhalt in der Bevölkerung hat.“

Auf einer Informationsveranstaltung des Hamburger Sportbundes (HSB) beschäftigte die Vertreter von Vereinen und Verbänden vor allem eine Frage: Wie teuer werden Olympische Spiele in Hamburg? Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hatte darauf bei der Präsentation des Hamburger Konzeptes keine konkrete Antwort geben wollen, „weil es momentan keine seriöse Grundlage für irgendwelche Zahlen gibt“. Dafür sei es einfach noch zu früh.

Die Kosten, Nachhaltigkeit und Nachnutzung der Olympiastätten werden allerdings Schlüsselthemen bleiben, auch für die Olympia-Projektgruppe des Senats, die nun die 13 öffentlich gestellten Fragen der Olympiakritiker ausführlich beantworten will. Und sie muss in den nächsten Wochen noch die von der Bürgerschaft geforderte Machbarkeitsstudie für mögliche Sommerspiele in Hamburg erstellen.

Dirk Seifert von „NOlympia Hamburg“ forderte am Dienstag: „Europas Städte sollten sich zusammensetzen und gemeinsam einen Maßnahmenkatalog erstellen, unter welchen Bedingungen man sich für Olympia bewerben will.“ Seifert und Maennig sind am Donnerstagabend im Rathaus (19 Uhr, Raum B) wie HSB-Präsident Jürgen Mantell Teilnehmer einer Podiumsdiskussion der Hamburger Grünen: „Olympia in Hamburg – Ja bitte oder Nein danke?“ In der Einladung heißt es: „Viele Hamburger fragen sich, ob Olympische Spiele von den Kosten, der Größe und angesichts des Demokratieverständnisses des IOC noch zeitgemäß sind. Andere sehen eher die Chancen einer Bewerbung für Hamburgs Infrastruktur, für den Wohnungsbau, den Breitensport und den Tourismus.“

Auch in den Mails an das Hamburger Abendblatt sind die Meinungen geteilt. Die Zahl der Olympiabefürworter hat in den vergangenen Wochen jedoch zugenommen. Sportsenator Michael Neumann (SPD) wünscht sich jetzt noch mehr kritische Fragen, „denn nur wenn wir die Skeptiker überzeugen können, haben wir eine Chance, bei einem Referendum eine breite Mehrheit für Olympia zu erhalten“.

Wann der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sich zwischen Berlin und Hamburg entscheidet und für welche Spiele, 2024 oder 2028, er sich bewerben will, ist weiter offen. Der ursprünglich geplante Termin 6. Dezember scheint nicht mehr zu halten zu sein. Offen bleibt auch folgende Frage: Sollte Berlin den Zuschlag erhalten, die Berliner sich in einer Volksbefragung aber gegen Olympia aussprechen, würde dann Hamburg noch zum Zuge kommen (wollen)? „Damit haben wir uns bislang nicht beschäftigt“, heißt es dazu auf Abendblatt-Nachfrage aus der Olympia-Projektgruppe.