Menschlich gesehen

Hockey-Rosskur

Eine Radtour an der Nordsee, das Mobiltelefon ausgeschaltet – für Jamilon Mülders war der spielfreie Mittwoch bei der Hockey-WM in den Niederlanden wie ein kleiner Urlaub. Weil ein Bundestrainer während eines Turniers jedoch nie ganz zur Ruhe kommt, kreisten die Gedanken des 38-Jährigen schon um den Freitag, wenn die deutschen Damen auf Argentinien treffen.

Mülders, der Hautfarbe und Vornamen seinem äthiopischen Vater verdankt, hat dem deutschen Damenhockey seit seiner Amtsübernahme nach dem enttäuschenden siebten Rang bei den Olympischen Spielen 2012 in London eine Rosskur verschrieben. Er will, dass sein Team einen mutigen Offensivstil spielt, sich auf seine Stärken konzentriert und nicht nach dem Gegner ausrichtet. Mit seiner direkten Ansprache, klaren Regeln und dennoch großem Vertrauen in die Eigenverantwortlichkeit scheint der Diplomtrainer, der mit Ehefrau und Tochter außerhalb Berlins lebt, den Nerv seiner Spielerinnen zu treffen. Unter ihm wurden die Damen 2013 Europameister und gewannen die WM-Qualifikation.

Ein Händchen für als schwierig geltende Charaktere wird dem Weltmeister von 2002 nachgesagt, was daran liegen mag, dass er selbst ein kritischer Geist ist. Dass er in Hamburg für alle drei Topklubs UHC, HTHC und Alster gespielt hat, spricht allerdings vor allem für seine Qualität. Und die ist auch in diesen Tagen unbedingt gefragt.