Gelassenheit vorm ersten „Endspiel“

Hockey-Nationalspieler Jan-Philipp Rabente vom UHC ist heiß auf das WM-Duell mit Holland

Den Haag. Der linke Knöchel schmerzt, er steckt in einem Tapeverband, weil Kapsel und Bänder lädiert sind. Aber trotzdem hätte Jan-Philipp Rabente nichts lieber getan am Mittwoch als zurückzukehren auf den Platz, um sie aus dem Gedächtnis zu schießen, diese 0:1-Niederlage gegen Argentinien am Dienstag im zweiten WM-Gruppenspiel. „Es nervt schon, wenn man tagelang auf einer Niederlage herumkauen muss und nicht die Chance hat, es besser zu machen“, sagt der Mittelfeldspieler des Uhlenhorster HC.

Leider sieht der Spielplan erst für Freitagabend (19.45 Uhr/Sport 1) die Chance zur Wiedergutmachung vor, die die deutschen Hockeyherren nicht ungenutzt lassen dürfen. Denn verlören sie auch gegen WM-Gastgeber Niederlande und gewänne Neuseeland seine Partie gegen Argentinien, dann hätte der Olympiasieger und Europameister auf seinem Weg zum historischen Triple in den beiden verbleibenden Gruppenspielen je sechs Punkte auf „Oranje“ und die „Black Sticks“ gutzumachen. „Rechenspiele bringen uns gar nichts“, sagt Rabente, „wir wissen, dass wir nur noch Endspiele haben, aber ich mache mir deswegen wirklich keine Sorgen.“

Das darf man dem 26-Jährigen aus doppeltem Grund abnehmen. Zum einen, weil er einer der Leisetreter im Team ist, der seinen Job als Tempomacher stets konsequent und mit viel Übersicht, aber ohne jegliche Aufgeregtheit versieht. Und zum anderen, weil sie es ja kennen, die deutschen Hockeyherren, dass ihnen in der Gruppenphase von großen Turnieren ein Spiel misslingt. Aus dem Druck des Gewinnenmüssens, der anschließend auf ihnen lastet, ziehen sie so viel Stärke, dass nicht mehr verloren wird.

Dass einige Beobachter schon mutmaßten, die Mannschaft von Bundestrainer Markus Weise würde deshalb absichtlich verlieren, lässt Rabente nur müde lächeln. „Wer in einer so ausgeglichen und stark besetzten Gruppe absichtlich verlieren würde, der wäre verrückt. Natürlich dürfen wir uns niemals darauf verlassen, dass wir nach Niederlagen immer stärker zurückkommen“, sagt er. Dennoch sei es ein gutes Gefühl zu wissen, dass im Team noch enormes Potenzial stecke, das es nun abzurufen gelte. „Wir sind in K.-o.-Spielen einfach einen Tick besser, als wenn es nicht um alles geht. Das ist unsere Mentalität, aber gleichzeitig auch unsere Stärke. Deshalb glaube ich fest daran, dass wir einen ordentlichen Schub bekommen.“

In einer ausführlichen Videoanalyse hatte Weise seiner Auswahl am Mittwochmorgen die Fehler aus dem Argentinien-Spiel vorgehalten. Kurz zusammengefasst: Es war, anders als beim 4:0-Auftaktsieg gegen Südafrika, zu wenig Tempo im Aufbauspiel, zu wenig Zug zum Tor, zu wenig Variabilität zu sehen. „Das sind alles Dinge, die man relativ leicht verändern kann“, sagt Rabente. Zugutekommen dürfte den Deutschen außerdem, dass die Niederländer viel weniger destruktiv spielen werden als Argentinien, das sich komplett im eigenen Viertel eingeigelt hatte.

Wo man schon über gesteigerten Druck spreche: „Die Holländer“, sagt Rabente, „dürfen auch nicht gegen uns verlieren, denn jeder erwartet von denen den Titel. Ich halte sie aber durchaus für schlagbar.“ Und wenn einer weiß, wie man den Erzrivalen bezwingt, dann ja wohl Jan-Philipp Rabente, der mit seinen beiden Toren im Olympiafinale 2012 das 2:1 gegen die Niederlande allein herausschoss. „Das sind schöne Erinnerungen“, sagt er, „aber die helfen uns am Freitag auch nicht.“ Das stimmt. Da müssen sie sich schon selbst helfen, die Hockeyherren.