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Pep Guardiola verzichtet gegen Dortmund auf Mandzukic

Zahlen, Daten, Fakten, Stimmen: Hier erfahren Sie alles rund um das 71. DFB-Pokal-Finale zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund. Schweinsteiger und Mandzukic nicht im Aufgebot der Bayern.

Während Hamburg gebannt auf Sonntag wartet, wenn der HSV gegen seinen erste Bundesliga-Abstieg spielt, schaut der Rest der Republik, Europa und auch die Welt auf ein ganz anderes Spiel: das 71.-Pokalfinale im DFB-Pokal. Am Sonnabend (20 Uhr, im Liveticker auf abendblatt.de und ARD/sky im TV) stehen sich die beiden besten Deutschen Mannschaften, der Deutsche Meister FC Bayern München und der Tabellenzweite Borussia Dortmund, im Berliner Olympiastadion gegenüber. Erfahren Sie hier alles rund um das spannendste Club-Spiel der Saison, abgesehen von dem Abstiegskampf des Dinos.

Rummenigge kündigt offene Gespräche mit Mandzukic an

„Wir werden offen und fair über alles reden, und das Ergebnis ist offen“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zur Causa Mandzukic. Mandzukic müsse sich entscheiden, ob er sich weiter dem Wettbewerb beim FC Bayern stellen wolle oder lieber wechselt. „Aber es ist sicher, dass es nur ein Ergebnis geben kann, das im Sinne des FC Bayern ist – denn wir haben es in der Hand“, betonte Rummenigge.

„Es wird sicher vernünftige Gespräche geben, dann gibt es auch eine vernünftige Lösung“, sagte Bayern-Ehrenpräsident Franz Beckenbauer am Freitagabend in Berlin. Mandzukic, der dem WM-Kader Kroatiens angehört, erhält im Sommer in dem Dortmunder Saison-Torschützenkönig Robert Lewandowski einen hochkarätigen Konkurrenten auf der Mittelstürmerposition. „Wenn Mario hier bleibt, wird es natürlich kein einfacher Wettbewerb für ihn, denn es kommt ein Spieler mit Weltklasseniveau zu uns“, sagte Rummenigge.

Dortmund erwartet bei Sieg 250.000 Menschen zur Feier

Das Pokalfinale mobilisiert die Fans in Dortmund: Zehntausende Menschen werden in den ausverkauften Westfalenhallen und vor den drei Großbildleinwänden in der City erwartet, um sich die Live-Übertragung des Endspiels aus dem Berliner Olympiastadion gemeinsam anzusehen. Im Fall eines Dortmunder Pokalsieges ist am Sonntag ein Autokorso mit den BVB-Spielern und Cheftrainer Jürgen Klopp geplant. Dazu würden nach Angaben der Stadt und der Polizei rund 250.000 Besucher erwartet.

Rund 450 Einsatzkräfte der Polizei werden an diesem Sonnabend für die Sicherheit in der Stadt sorgen. Der Einsatz von rund 1000 Polizisten aus ganz Nordrhein-Westfalen ist vorgesehen, wenn am Sonntag der Pokalsieger Borussia Dortmund heißt.

Klopp neckt seinen Trainer-Kontrahenten

„Dieses Finale ist für mich das größte Finale“, verkündete Klopp, der listig seinen Kontrahenten Guardiola darin bestärkte, dass die Bayern auch als Verlierer noch „eine gute Saison“ gespielt hätten. „Pep, aus meiner Sicht, deutscher Meister zu werden reicht! Lass dir nichts einreden.“ Zu wissen, dass bei den Bayern Schweinsteiger und Mandzukic fehlen und Franck Ribéry nach Rückenproblemen zunächst auf der Bank sitzen dürfte, bezeichnete Klopp als nicht hinderlich für seine Spielvorbereitung: „Aber wenn Müller, Götze und Robben die Offensive besetzen – puh!“, stöhnte der Borussen-Coach: „Einen Vorteil kann ich da nicht erkennen.“

Lewandowski, Reus, Götze, Robben, Müller – die Liste der möglichen Helden für den großen Endspiel-Abend umfasst viele prominente Namen. „Auf dieses Spiel kann sich jeder freuen“, sagte Bayern-Kapitän Philipp Lahm. Auch bei Guardiola kribbelt es vor seiner Premiere in der deutschen Pokal-Kultstätte: „Ich bin neu hier. Die Stimmung wird überragend sein. Wir sind bereit!“

Der BVB reist ohne Glücksbringer nach Berlin

Die Glücks-Schuhe blieben diesmal daheim: Dortmund ist ohne Talisman zum Pokalfinale in Berlin gereist. „Nobby war der Meinung, dass es beim BVB so langsam mal einen anderen Pokalhelden geben sollte“, kommentierte Trainer Jürgen Klopp schmunzelnd. Beim 5:2-Erfolg vor zwei Jahren gegen die Münchner hatten die Borussen die alten Schuhe von Norbert Dickel im Gepäck, mit denen er den Revierclub 1989 beim 4:1 über Bremen als zweifacher Torschütze zum Pokaltriumph geschossen hatte.

Die magische Wirkung einer solchen Aktion sollte sich beim Champions-League-Finale gegen den FC Bayern wiederholen. „Im vergangenen Jahr haben wir es in London mit den Schuhen von Lars Ricken noch mal versucht – das hat ja nicht ganz so gut funktioniert“, sagte Klopp mit Bezug auf die 1:2-Niederlage. Ricken hatte beim Dortmunder Erfolg im Champions-League-Finale von 1997 gegen Juventus Turin zum 3:1-Endstand getroffen.

Überraschung vor der Partie

Der Rekord-Pokalsieger aus München muss wie erwartet auf Bastian Schweinsteiger verzichten. „Er ist verletzt. Bastian hat Probleme mit dem Knie“, sagte Trainer Pep Guardiola bei der gemeinsamen Pk der beiden Finalisten in Berlin. Schweinsteiger laboriert seit dem letzten Punktspiel gegen den VfB Stuttgart an Problemen mit der Patellasehne im linken Knie. Ob deswegen auch die Teilnahme des Mittelfeldstrategen an der WM in Brasilien gefährdet ist, ließ Guardiola unbeantwortet: „Ich bin kein Arzt.“

Auf Top-Stürmer Mario Mandzukic, der in der Torjägerliste der Bundesliga den zweiten Platz hinter Lewandowski belegte, verzichtet der spanische Coach freiwillig. „Dass Mandzukic nicht dabei ist, ist meine Entscheidung“, sagte Guardiola. Mit einem Bericht über ein mögliches Tauschgeschäft des FC Bayern mit dem FC Chelsea hatte die „Bild“-Zeitung am Freitag Spekulationen über die sportliche Zukunft des Torjägers angeheizt. Mandzukic und Schweinsteiger hatten die Reise nach Berlin am Donnerstag nicht mit ihrem Team angetreten.

Wer gewann öfter den Pokal?

Die Frage ganz klar mit FC Bayern München zu beantworten. Mit 16 Erfolgen sind die Münchener Rekordsieger. Der BVB gewann die Trophäe bisher dreimal. Bei einem Sieg würde der Revierclub mit Nürnberg, Köln und Frankfurt gleichziehen. Neben den Bayern würden dann nur noch Schalke (5 DFB-Pokalsiege) und Bremen (6) vor Dortmund stehen.

Wie sieht die Bilanz im Finale gegeneinander aus?

Die Bilanz gegeneinander im Finale ist ausgeglichen. Wobei die Borussen bisher besser überzeugen konnten. Denn es ist erst das dritte Aufeinandertreffen beider Mannschaften im Pokal-Endspiel. 2007 setzte sich der große Favorit aus München erst in der Verlängerung mit 2:1 durch. 2012 triumphierte die Borussia in einem denkwürdigen Finale mit 5:2 und sicherte sich damit erstmals in der Vereinsgeschichte das Double.

Tore, Tore, Tore

Die Dortmunder sind im diesjährigen Wettbewerb noch ohne Gegentor. In den Partien gegen Wilhelmshaven (3:0), München 1860 (2:0 n. V.), Saarbrücken (2:0), Frankfurt (1:0) und Wolfsburg (2:0) gab sich die BVB-Deckung keine Blöße. Die Münchner erzielten auf dem Weg ins Finale doppelt so viele Treffer: beachtliche 21 Tore, unteranderem gegen Rehden (5:0), Hannover (4:1), Augsburg (2:0), Hamburg (5:0) und Kaiserslautern (5:1).

Was wird beim DFB-Pokal verdient?

Der Pokal wird mehr und mehr zu einem lukrativen Wettbewerb. Bisher nahmen sowohl die Münchner als auch die Dortmunder allein aus dem TV- und Vermarktungstopf jeweils über sechs Millionen Euro ein. Allerdings liegt die Gesamtsumme bei den Bayern höher als beim BVB, weil vier Spiele der Münchner live im Free-TV gezeigt wurden. Die Dortmunder waren nur zweimal live in der ARD zu sehen. Für den Gewinner des Finales gibt es 3,2 Millionen Euro, der Verlierer erhält 2,6 Millionen.

Wer sieht sich das Finale an?

Finale beider Teams im Jahr 2012 sorgte für einen Einschaltquotenrekord. Im Schnitt sahen 13,55 Millionen TV-Zuschauer die Partie. In diesem Jahr wird das Duell der deutschen Branchenführer in 189 Länder übertragen – mehr als jemals zuvor. 802 Medienvertreter aus dem In- und Ausland haben sich akkreditiert.

Internationale Auswirkungen

In diesem Jahr qualifiziert sich kein Club über den DFB-Pokal für Europa, weil beide Endspielteilnehmer als Champions-League-Teilnehmer feststehen. Der vakante Platz in der Europa League ging deshalb an den Bundesliga-Siebten aus Mainz.

„Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“

Seit 1985 wird das DFB-Pokalfinale fest im Berliner Olympiastadion ausgetragen. Erst vor wenigen Wochen haben der Deutsche Fußball-Bund und das Land Berlin ihre Rahmenvereinbarung bis 2020 verlängert. Die Partie zwischen dem FC Bayern und dem BVB ist insgesamt das 36. Endspiel in Berlin.

Neuer ist heiß auf Revanche gegen BVB

Das gab es noch nie: Als erster Fußballer bestreitet Manuel Neuer sein viertes DFB-Pokal-Finale nacheinander. 2011 gewann der Nationaltorwart mit Schalke den „Pott“ gegen den MSV Duisburg (5:0). 2012 folgte ein 2:5 mit Bayern gegen Dortmund, 2013 gab es einen 3:2-Sieg gegen Stuttgart. Neuer ist heiß auf den BVB: „Ich bin in Gelsenkirchen aufgewachsen und habe 20 Jahre für Schalke gespielt.“

Zehntes Double für den FCB?

Der FC Bayern greift zum zehnten Mal in der Vereinsgeschichte nach dem Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal-Sieg. Nach dem 24. Titelgewinn hat der Rekordchampion die Chance, den erneuten Doppelschlag perfekt zu machen. In der vergangenen Saison (2012/2013) hatten die Bayern unter Cheftrainer Jupp Heynckes sogar das Triple (Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League) errungen. Bayern München ist klarer Double-Spitzenreiter vor Schalke 04, dem 1. FC Köln, Werder Bremen und Borussia Dortmund, die je einmal das Double gewannen.

Dennoch: Statistik spricht für Dortmund

Trotz der Meisterschaft, den neun Double-Gewinnen und mehr geschossenen Toren im laufenden Wettbewerb, die Statistik spricht für Borussia Dortmund. Denn der letztjährige Triple-Gewinner Bayern München hat seit der Saison 2010/11 nur vier von insgesamt 13 Pflichtspiel-Duellen gegen Borussia Dortmund gewonnen, darunter allerdings das Champions-League-Endspiel 2013 (2:1). In der Fußball-Bundesliga gelang den Bayern zuletzt ein 3:0 am 23. November vergangenen Jahres in Dortmund, zuvor waren sie jedoch sechs Begegnungen ohne Sieg geblieben. In der Rückrunde feierte der BVB am 12. April mit dem 3:0 in München eine gelungene Revanche.

Mit dem Erfolg am 12. Mai 2012 im DFB-Pokalfinale (5:2) in Berlin waren dem BVB seinerzeit sogar fünf Siege in Folge gelungen. Danach folgten fünf Spiele, in denen die Bayern unbesiegt geblieben waren.

„Wir hätten auch 500.000 Karten verkaufen können“

Das DFB-Pokal-Finale in Berlin wird immer interessanter. Vor der Partie sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach: „Wir hätten auch 500.000 Karten verkaufen können.“ Das Stadion ist mit knapp 77.000 Zuschauern ausverkauft. Bei der Premiere 1985, als Berlin im geteilten Deutschland zum festen Schauplatz auserwählt wurde, hielt sich die Euphorie in Grenzen. Die Partie zwischen Bayern München und Bayer Uerdingen war nicht mal ausverkauft. Am Ende setzten sich die „Underdogs“ aus Krefeld sensationell mit 2:1 durch und gaben einen Vorgeschmack auf die Dramatik der folgenden drei Jahrzehnte.

Fußballerische Klasse, aber auch reichlich Anekdoten und Legenden prägten die erfolgreichen Pokaljahre in der Hauptstadt. Etwa der 4:1-Sieg von Borussia Dortmund 1989 gegen Werder Bremen, als Norbert Dickel trotz schwerer Knie-Verletzung zweimal traf. Mit dem Sieg startete der BVB eine neue Klub-Ära. Oder die knappen Erfolge der Außenseiter Hannover 96 (1992) und Werder Bremen (1999) im Elfmeterschießen gegen Borussia Mönchengladbach und Bayern München. Oder gar die Deklassierung der Bayern durch Jürgen Klopps Borussia Dortmund vor zwei Jahren mit dem 5:2-Triumph.

Die Bayern schafften in den 30 Jahren am häufigsten den Sprung ins Finale. Bereits zum 13. Mal ist der Rekordmeister in Berlin dabei, neunmal gewann er. Werder Bremen stand seit 1985 in neun Endspielen, der BVB in vier. Nur „Hausherr“ Hertha BSC scheint mit seiner eigenen Spielstätte auf Kriegsfuß zu stehen. Den Profis gelang der Einzug kein einziges Mal, dagegen waren die Hertha-Amateure 1993 dabei, verloren aber standesgemäß mit 0:1 gegen Bayer Leverkusen nach einem Tor von Ulf Kirsten.

Auch am Sonnabend gibt es wieder ein großes Fest. Das Stadion wird zur Hälfte in schwarz-gelb und zur Hälfte in rot-weiß getaucht sein. Wenn die dreimalige Ski-Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch den Pokal ins Stadion trägt, wird der Lautstärke-Pegel seinen ersten Höhepunkt erreichen. Die Siegesfeier mit tanzenden Gewinnern, Konfetti-Regen und „We are the champions“ ist Pflicht.

Der DFB hat vorgesorgt. Mindestens bis zum Jahr 2020 wird das „deutsche Wembley“ Berlin bleiben. DFB und der Berliner Senat verlängerten den Vertrag vorzeitig um fünf Jahre. „Das Pokalfinale in Berlin hat sich zu einem einzigartigen Erlebnis für jeden Fußballfan entwickelt. Mittlerweile strahlt es für mich mindestens die gleiche Faszination wie das oft zitierte Cup-Finale in Wembley aus“, sagte Niersbach beim traditionellen „Cup Handover“ im Roten Rathaus der Stadt.

Historisches Spiel für, aber ohne Schweinsteiger

Für Bastian Schweinsteiger wird es eine besondere Partie. Zwar wird der Nationalspieler nicht mit auflaufen. Der Mittelfeldspieler ist derzeit an der Patellasehne am linken Knie verletzt, reiste nicht mit dem Team nach Berlin an. Dennoch könnte es ein historischer Abend werden. Bei einem Triumph des FC Bayern gegen Borussia Dortmund würde der Münchner Vize-Kapitän mit seinem siebten Finalerfolg seinen langjährigen Weggefährten Oliver Kahn (6) übertreffen und zum alleinigen deutschen Rekordpokalsieger aufsteigen.

Bei einer Siegesfeier der Münchner würde auch Rekordchampion Schweinsteiger in Berlin dabei sein. 2003, 2005, 2006, 2008, 2010 und 2013 holte der 29-Jährige bislang den „Pott“, stets mit dem FC Bayern. Ein Endspiel ohne Schweinsteiger wäre übrigens kein Novum: Auch 2003 und 2006 kam er bei den Siegen im Olympiastadion nicht zum Einsatz. Oliver Kahn stand damals noch im Bayern-Tor.

Fokus liegt auf Götze und Lewandowski

Aller guten Dinge sind drei. Das hofft Mario Götze, der im DFB-Pokalfinale gegen seine alten Dortmunder Kameraden im Fokus stehen wird. Es ist am Ende seines ersten Jahres beim FC Bayern weiterhin „etwas Besonderes“ für den Fußball-Nationalspieler, gegen seinen Ex-Klub anzutreten. Auch wenn die Brisanz nicht mehr ganz so groß ist wie am 23. November 2013, als Götze beim Münchner 3:0-Sieg auch noch das erste Tor schoss.

„Das erste Mal war sehr emotional, weil es in Dortmund war“, erinnerte der 21-Jährige vor dem Wiedersehen am Sonnabendabend im Berliner Olympiastadion: „Jetzt ist es ein Finale, es geht um den DFB-Pokal, wir wollen den Pokal unbedingt holen.“

Mario Götze will sich endlich in einem großen Finale zeigen und beweisen. 2012 saß er nach einer langwierigen Schambeinentzündung beim 5:2-Triumph der Borussia 90 Minuten auf der Bank. 2013 verpasste er das Champions-League-Finale im Wembleystadion, das die Bayern gegen den BVB mit 2:1 gewannen, wegen einer Muskelverletzung.

Nun soll Götzes Stunde schlagen. „Ich bin sicher, dass er seinen Beitrag dazu leistet, dass wir als Sieger vom Platz gehen“, sagte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge vor dem Finale: „Das sind Spiele, in denen man dem Druck standhalten muss und die Spieler prägen.“

Ebenfalls brisant ist das Thema Robert Lewandowski. Der Dortmunder wird sein letztes Spiel für Dortmund bestreiten, wenn er fit ist. Danach geht es dann zum FC Bayern München. Die Sorge, dass dem Polen der Druck im Berliner Olympiastadion zu groß werden könnte, hält sich bei Hans-Joachim Watzke in Grenzen. „Von allen Fußballspielern auf der Welt wird Robert damit am gelassensten umgehen“, sagte der BVB-Geschäftsführer. „Für sein Entree beim FC Bayern ist es viel besser, wenn er als Pokalsieger kommt.“

Wie groß der Hype um Lewandowski ist, bekamen alle Beteiligten schon zwei Tage vor dem Anpfiff zu spüren. Weil der an der Wade getapte Noch-Dortmunder am Abend vor dem Abflug nach Berlin das Geheimtraining vorzeitig beendete, wurde heftig über seinen möglichen Ausfall diskutiert. „Alles okay“, sagte er der „Bild“ (Freitag) und versuchte damit, die Wogen zu glätten.

Es spricht für Lewandowski, dass ihn die Fans bereits vor zwei Wochen in seinem letzten Heimspiel für den BVB mit Ovationen verabschiedeten. Anders als Mario Götze, dessen Wechsel zum FC Bayern vor einem Jahr in Dortmund noch immer die Gemüter erregt, erfreut sich sein künftiger Vereinskollege beim Revierclub noch immer höchster Wertschätzung.

In München wächst die Vorfreude auf Lewandowski. „Ich bin überzeugt, dass er erstklassig zum FC Bayern passt und eine große Verstärkung für uns werden wird“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Auch Abwehrspieler Dante hält große Stücke auf seinen künftigen Mannschaftskollegen: „Jeder weiß, dass er ein Weltklassestürmer ist. Er wird im Finale alles für Dortmund geben, aber wir auch dafür, dass er kein Tor schießt.“

Mit vollmundigen Ankündigungen pflegte Lewandowski in den vergangenen Tagen seinen Ruf als Musterprofi: „Mich interessiert mein neuer Arbeitgeber im Moment überhaupt nicht. Ich möchte einen krönenden Abschluss – am liebsten mit einem Pokal in der Hand“, sagte er der „Sport Bild“ und versprach: „Wir werden in Berlin ein Feuerwerk abbrennen.“

Für Lewandowski ist es ein Déjà-vu. Schon vor dem Champions-League-Finale beider Mannschaften in London ein Jahr zuvor galt sein Wechsel zum FC Bayern als ausgemachte Sache. Doch der BVB verweigerte ihm ein Jahr vor dem Vertragsende die Freigabe. Dieses Machtwort hat Watzke bis heute nicht bereut. Wie vom Geschäftsführer prophezeit, hat der Angreifer den dadurch verloren gegangenen Transfererlös mit wichtigen Toren in der Bundesliga und in der Champions League wieder eingespielt. Zudem gewann er in dieser Saison mit 20 Treffern erstmals die Bundesliga-Torjägerkanone.

Von der Abschlussschwäche, die ihm in seiner ersten BVB-Saison in den Boulevard-Medien den wenig schmeichelhaften Beinamen „Lewandoofski“ einbrachte, redet kaum noch jemand. Mit jeder Saison steigerte er seinen Marktwert. Der im Sommer 2010 für 4,5 Millionen Euro von Lech Posen verpflichtete Nobody gilt spätestens nach seinen furiosen vier Treffern im letztjährigen Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid zum 4:1-Sieg seiner Mannschaft als einer der weltbesten Stürmer. „Trainingsfleiß, Ehrgeiz, Eigenmotivation sind bei ihm absolut außergewöhnlich. Lewi ist Paradebeispiel für Scouting und Geduld“, kommentierte Trainer Jürgen Klopp.

Das Berliner Olympiastadion scheint Lewandowski zu inspirieren. Im denkwürdigen Pokalfinale 2012 gegen den FC Bayern erzielte er beim 5:2-Sieg der Borussia drei Treffer. Und beim 4:0 über Hertha am vorigen Sonnabend traf er zweimal – und machte dabei sogar erstmals als Freistoß-Kunstschütze von sich reden. BVB-Sportdirektor Michael Zorc hofft auf Duplizität der Ereignisse: „Er ist ein einzigartiger Spieler. Einmal muss er das jetzt noch für uns beweisen.“

Fokus liegt auch auf Reus

Ein weiterer Spieler auf Seiten der Dortmunder wird wohl ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Auch wenn Marco Reus eher ein Vertreter leiser Töne ist. Denn dafür lässt er umso eindrucksvoller Taten sprechen. Und dies erledigte der Nationalspieler von Borussia Dortmund in der abgelaufenen Saison derart überzeugend, dass er in sämtlichen Scorer-Ranglisten auf den Spitzenplätzen auftaucht. Seit zwei Jahren spielt Reus nunmehr für die Westfalen – im Pokalfinale gegen Bayern München hofft er auf seinen ersten Titel als Fußball-Profi.

„Ich bin zum BVB gekommen, um permanent um Titel zu spielen“, sagte Reus im Vorfeld des Saison-Highlights im Berliner Olympiastadion. Gleich im ersten Jahr nach seinem Wechsel für 17 Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach zu seinem Heimatverein in seinem Geburtsort reichte es im vergangenen Jahr zumindest für den Einzug ins Champions-League-Finale, doch das ging mit 1:2 in Wembley gegen die Bayern knapp verloren.

„Jetzt haben wir eine neue Chance. Ich möchte diesen Pokal“, sagte Reus, der vor der Saison zumindest den nationalen Supercup (4:2 gegen München) in den Händen halten durfte. Doch das ist nichts gegen Berlin. Die Mannschaftskollegen haben Dortmunds neben Bundesliga-Schützenkönig Robert Lewandowski (20 Treffer) gefährlichste Offensivwaffe schon eingestimmt.

Im laufenden Pokal-Wettbewerb kam Reus bisher dreimal zum Einsatz, ein Tor wollte ihm jedoch nicht gelingen. Die erzielte er dafür umso zahlreicher in der Bundesliga-Saison (16 Tore) und in der Champions League (5) – nicht zu vergessen seine Assists. Allein in der Rückrunde der abgelaufenen Spielzeit stehen für ihn 17 Scorer-Punkte in der Statistik – das ist Liga-Topwert. Seit seinem Wechsel zum BVB erzielte der 24-Jährige 42 Pflichtspieltore, besonders bemerkenswert: 19-mal schoss er die Schwarz-Gelben mit 1:0 in Führung.

„Wir wissen, was wir an Marco haben. Und ich bin sicher, dass auch Marco sich bei uns wohl fühlt und weiß, was er an diesem außergewöhnlichen Klub hat“, sagte Klub-Boss Hans-Joachim Watzke. „Ich würde ihm seinen ersten Titel von Herzen gönnen.“

Dem BVB-Geschäftsführer ist natürlich nicht entgangen, dass einige europäische Spitzenklubs längst ihre Fühler nach Reus ausgestreckt hatten, zumal eine Klausel im Vertrag einen Ausstieg im nächsten Jahr für 35 Millionen Euro ermöglicht. „So lange das für mich selbst kein Thema ist, tangiert mich das nicht“, wurde Reus jüngst im kicker zitiert.

Ein Jahr hat Reus noch Zeit, seine Zukunft bei den Borussen auszuloten. Ein Titel würde vermutlich letzte Zweifel ausräumen. Doch der Publikumsliebling konzentriert sich derzeit nur auf Dortmund und die WM in Brasilien.

Derzeit, so scheint es, sieht er seine Zukunft beim BVB, dort, wo er das Fußballspielen begann, dort, wohin er über die Stationen Rot Weiss Ahlen sowie Mönchengladbach zurückkehrte und sich unter Jürgen Klopp weiterentwickelte. Auf seine Schnelligkeit, Dribbelstärke und vor allem seine ausgeprägte Schusstechnik setzt der BVB-Coach auch am Sonnabend im Pokalfinale. So wie am 19. April im Bundesliga-Gastspiel bei den Bayern: Dort erzielte Reus beim 3:0-Sieg das vorentscheidende 2:0.

Allerdings fuhr den BVB-Fans ein Schock durch die Glieder, als Reus beim Bundesliga-Finale am vergangenen Sonnanbend bei Hertha BSC nach einem rüden Foul vom Platz humpelte. Doch schnell gaben die Mediziner Entwarnung. Reus' nächstem Anlauf auf den ersten Titel steht nunmehr nichts im Wege.

Die Vorraussichtliche Auftsellungen:

BVB: Weidenfeller - Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer - Jojic, Sahin - H. Mkhitaryan, Reus, Großkreutz - Lewandowski – Trainer: Klopp

FCB: Neuer - Rafinha, J. Boateng, Dante, Alaba - Javi Martinez - Lahm, T. Kroos - Robben, M. Götze - T. Müller – Trainer: Guardiola