Nachspiel

Von Hamburg-Marathon für Olympia lernen

Eine Idee ist mehr wert als Geld: Ein Kommentar von Rainer Grünberg

Mit vollen Hosen ist gut stinken, sagt der Volksmund. Dementsprechend leicht fällt es dem London-Marathon mit einem Athletenbudget von vier Millionen Euro, jedes Jahr im April die besten Langläufer der Welt an die Themse zu holen; was niemand ihm vorwirft. Die wahre Kunst besteht aber darin, mit dem Zehntel des Etats fast genauso schnelle Zeiten auf die Strecke zu bringen. Das gelingt dem Haspa-Marathon nun schon seit drei Jahren. Und deshalb kann Hamburg viel von dieser Veranstaltung für seine geplante Olympiabewerbung lernen.

Mit dem Blick fürs Machbare, Kompetenz und dem entsprechenden Netzwerk lassen sich finanzielle Beschränkungen kompensieren. Es muss nicht mehr immer schneller, höher, stärker sein. Effektiver, nachhaltiger, ressourcenschonend lauten heute die Komparative. Geld mag den Weg zum Erfolg am einfachsten pflastern, Fantasie aber bietet auf Dauer tragfähigere, vor allem charmantere Lösungen.

Und eine zweite Erkenntnis liefert der Haspa-Marathon: ohne Spitzen- kein Breitensport. Gingen die Teilnehmerzahlen jahrelang kontinuierlich zurück, steigen sie nun seit drei Jahren wieder. In Hamburg, das zeigen die jüngsten Streckenrekorde, sind schnelle Zeiten möglich – für jedermann. Der Kurs bremst niemanden aus. Das macht ihn auch für den ehrgeizigen Hobbyläufer attraktiv. Dieser Erkenntnis hatten sich die ehemaligen Organisatoren lange verschlossen und den Marathon fast zum Stehen gebracht. Jetzt läuft er wieder – ohne dass der Etat dafür angehoben werden musste. Manchmal hilft eine Idee.