Fußball-Bundesliga

Der HSV auf der Suche nach Torgefahr und etwas Hoffnung

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Anstatt eines Befreiungsschlages gab es beim 1:3 in Augsburg eine weitere Niederlage. Trainer Mirko Slomka fand später deutliche Worte, Kapitän Marcell Jansen kritisierte mangelnde Effektivität.

Augsburg. Er hatte eine ganze Zeit lang wild gestikuliert und gerufen, da beschloss Mirko Slomka, sich hinzusetzen und das Ganze sacken zu lassen. Das Endergebnis von 3:1 leuchtete da beim Spiel des FC Augsburg gegen Slomkas HSV schon auf der Anzeigetafel, auch wenn die Spieler noch dagegen anliefen. Der nächste klatschende Nackenschlag für einen Fußball-Dinosaurier, der gebückt in Richtung zweite Liga taumelt. Und ein Anlass für Mirko Slomka, nach dem Spiel deutliche Worte zu finden.

„Wir strahlen überhaupt keine Torgefahr aus, egal mit welchem Stürmer. Wenn Heiko Westermann unser bester Torjäger ist, dann ist das einfach zu wenig“, sagte ein verzweifelter Slomka nach dem Auswärtsspiel in die Mikrofone der wartenden Reporter. Die 3000 mitgereisten Fans hatten die Malaise des HSV zuvor bereits in plakativere Worte verpackt: „Wir ham‘ die Schnauze voll“, riefen sie, immer wieder und sogar über den Augsburger Siegesjubel hinweg.

Slomka konnte ihren Ärger verstehen. „Sie nehmen wieder solche Reisestrapazen auf sich und erleben dann eine solche Leistung“, sagte Slomka nach der Niederlage, die die Sorgen des Bundesliga-Dino im Abstiegskampf verstärkt hatte. Wieder erwies sich die schwarze Auswärtsserie der Hanseaten als äußerst standfest, der letzte Punkgewinn auf fremden Platz datiert aus dem Oktober des letzten Jahres. Wieder gab es statt der „totalen Hingabe“, die Sportchef Oliver Kreuzer gefordert hatte, schülerhafte Abwehrfehler in allen Mannschaftsteilen.

Die bittere Erkenntnis, dass dieser HSV noch nicht einmal dann frei aufspielen und Torchancen generieren kann, wenn alle Abstiegskonkurrenten wie an diesem Wochenende patzen, kam noch hinzu. „Wir versuchen viel, aber wenn wir immer wieder flanken, flanken, flanken und es passiert nichts, wir aber durch zwei Flanken zwei Gegentore bekommen, dann ist das echt bitter“, sagte Verteidiger Marcell Jansen, der nach seiner Verletzung prompt die Kapitänsbinde übernommen hatte. Stets bemüht, aber am Ende nicht gut genug: Das Schicksal von sitzengebliebenen Schülern droht dem HSV in Hinblick auf seine schon traditionelle Bundesligazugehörigkeit. Jansen: „Wir wollten heute etwas mitnehmen und haben das nicht gemacht. Das müssen wir jetzt erstmal analysieren.“

Der FC Augsburg deckte die Schwächen früh auf

Schon nach wenigen Minuten sorgte Halil Altintop für die Führung der Augsburger (7.) und konnte nach einer Kontersituation (32.) auf 2:0 erhöhen. Der ehemalige Hamburger Andre Hahn schraubte schließlich noch vor der Pause mit einem fulminanten Fernschuss (43.), den sich HSV-Torhüter Rene Adler selbst ins Netz faustete, en Spielstand auf 3:0 hoch. „Ich bereite mich genauso akribisch vor wie sonst und dann passiert mir so ein Ding“, gab Adler nach dem Schlusspfiff zu Protokoll.

Ehe Augsburg seinen zweiten Treffer erzielte, besaß der HSV bei einem Freistoß von Calhanoglu, den FCA-Torhüter Marvin Hitz prächtig parierte (19.), durch Heiko Westermann nach einem Freistoß von Calhanoglu (25.) sowie durch Milan Badelj, der ebenfalls an Hitz scheiterte (31.), drei hervorragende Chancen, das Spiel offen zu gestalten. In der Abwehr allerdings unterliefen der Mannschaft von Trainer Mirko Slomka haarsträubende Fehler.

Kurz vor der Pause gelang Heiko Westermann (44.), der den Ball nach einem Freistoß von Hakan Calhanoglu mit der Schulter ins FCA-Tor verlängerte, immerhin der Ehrentreffer. Nur mit dem Mut der Verzeiflung versuchten die Gäste danach, dem Spiel noch eine Wende zu geben – die Qualität dafür war allerdings erkennbar nicht vorhanden.

Als Tabellen-16. geht der Hamburger SV mit nur einem Punkt Vorsprung auf den 1. FC Nürnberg und zwei Punkten Vorsprung auf Eintracht Braunschweig in die letzten beiden Spieltage. „Ärme hochkrempeln und weiterkämpfen“, gab Marcell Jansen im Interview nach dem Spiel in Augsburg zu Protokoll, und musste beim Gedanken an das Restprogramm doch sichtbar durchschnaufen: Wartet doch in der nächsten Woche der FC Bayern München von Pep Guardiola, und zum Saisonabschluss Mainz 05, die eher noch großkalibriger als die Augsburger anzusehen sind.

Die Jammerei bringe nichts, sagt Jansen. „Wir werden bestimmt jetzt nicht aufhören, Fußball zu spielen.“ Mirko Slomka steht vor der Aufgabe, seiner Mannschaft erneut beizubringen, wie man dafür nicht nur von Hingabe spricht, sondern auch die richtigen Ergebnisse auf die Anzeigetafel bringt.

(sid)

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