Nachspiel

Hirn statt Hintern in der Formel 1

Ein Kommentar von Christian-A. Thiel

Die Frage, ob wirklich immer der beste Fahrer den Titel des Weltmeisters der Formel 1 trägt, ist schon fast philosophisch. Gerade Seriensieger wie Michael Schumacher oder Sebastian Vettel mussten sich oft rechtfertigen: Macht sie ihre Fahrkunst so überlegen oder ist es ein Vorsprung durch Technik, den sie den Geniestreichen ihrer Ingenieure verdanken?

In dieser Saison, so viel ist sicher, wird eine Menge von den Fähigkeiten des Mannes im Cockpit abhängen. Die veränderten technischen Vorschriften haben die Rolle des Fahrers gestärkt. Ins Auto klettern und Gas geben genügt in der neuen, grünen Formel 1 mit Hybridantrieb und Spritbegrenzung nicht mehr. Die Aufgabe an Bord des Rennwagens ist ähnlich komplex geworden wie die eines Piloten im Flugzeug. An Nico Rosbergs Multifunktionslenkrad im neuen Silberpfeil sind 23 Knöpfe und Schalter zu bedienen und sechs Anzeigen im Auge zu behalten. Das alles bei Tempo 300 und regem Sprechfunkverkehr mit der Boxenmannschaft.

Es gab Zeiten, da war viel vom „sensiblen Hintern“ des Formel-1-Fahrers die Rede. Jetzt ist eher Hirn gefragt. Ein Rennfahrer muss nicht unbedingt Doktor der Physik sein, aber wer die Technik nachvollziehen kann, sich sein Rennen klug einteilt und nicht schon in der ersten Runde gewinnen will, kann am Ende ganz oben stehen.

Dennoch werden wir nie erfahren, ob der Formel-1-Weltmeister 2014 auch der beste Fahrer ist. Um das festzustellen, müssten nämlich alle Piloten in identischen Autos sitzen.