Boxen

Felix Sturm ist bereit, Geschichte zu schreiben

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Björn Jensen

Siegt der Mittelgewichts-Boxprofi am Sonnabend, wäre er zum vierten Mal Weltmeister. Ein Rückblick auf seine bisherigen Triumphe.

Hamburg. Wenn Felix Sturm an diesem Sonnabend (22.20 Uhr/Sat.1) dem britischen Mittelgewichts-Boxprofi Darren Barker dessen IBF-Weltmeistertitel abnehmen kann, dann hätte der 34 Jahre alte Kölner Geschichte geschrieben. Nie zuvor gelang es einem deutschen Profiboxer, viermal einen WM-Titel zu erkämpfen. Das Abendblatt blickt auf Sturms bisherige drei Titelgewinne und -verluste zurück.

13. September 2003 in Berlin: Weil sich sein Universum-Stallkollege Bert Schenk wenige Tage vor dem Duell um den WBO-WM-Titel gegen den Argentinier Hector Velazco die Bizepssehne gerissen hatte, durfte der fürs Vorprogramm geplante Sturm ihn ersetzen. Nie zuvor hatte er zwölf Runden geboxt, war auf diese Distanz nicht vorbereitet – und gewann trotzdem durch 2:1-Mehrheitsentscheid. „Ich bin am Ende um mein Leben gerannt, hatte riesige Blutblasen unter den Füßen. Aber ich war Weltmeister“, erinnert er sich.

5. Juni 2004 in Las Vegas: Nach nur einer Titelverteidigung bot sich die Chance zum Duell mit US-Superstar Oscar de la Hoya. Sturm zeigte keinen Respekt, führte den Favoriten zeitweise vor, und dennoch sprachen die Punktrichter den Sieg einstimmig de la Hoya zu. „Über den Kampf wird noch heute gesprochen, durch ihn bin ich berühmt geworden. Gefühlt war es ein Sieg, der mir viel Selbstvertrauen gegeben hat.“

11. März 2006 in Hamburg: Der Neuseeländer Maselino Masoe kam als WBA-Weltmeister in die Color-Line-Arena, aber er war chancenlos gegen Sturm, der den Kampf aus der langen Distanz kontrollierte und einstimmig nach Punkten siegte. Allerdings verscherzte er es sich mit dem Hamburger Publikum, als er zwei Runden vor Schluss im Gefühl des sicheren Sieges das Tempo herausnahm und Masoe mit zum Jubel erhobenen Armen vorführen wollte. „Daraus habe ich gelernt, dass man immer bis zum Schluss alles geben muss.“

15. Juli 2006 in Hamburg: Dieser Lerneffekt hatte allerdings auf sich warten lassen. Gleich in seiner ersten Titelverteidigung erlitt Sturm gegen den spanischen Ringfuchs Javier Castillejo seine erste und bislang einzige vorzeitige Niederlage. Viel zu arrogant boxte er, unterschätzte den damals schon 38-jährigen Gegner und lief diesem ins offene Messer, weil er sich dem Schlagabtausch stellte, anstatt sich auf seine Schnelligkeit aus der Distanz zu verlassen. In der zehnten Runde war das Duell nach mehreren harten Treffern beendet. „Ich habe ihn nicht ernst genommen, war zu hochnäsig und arrogant. Das war eine neue, brutale Erfahrung.“

28. April 2007 in Oberhausen: Nach nur einem Aufbaukampf durfte Sturm zum Rückkampf gegen Castillejo antreten, und diesmal boxte er schlauer. Er bewies, dass er gelernt hatte, dass er den Knock-out verkraftet und sich ernsthaft auf den Spanier eingestellt hatte. Der einstimmige Punktsieg war absolut verdient. „Die Belastung war groß, zumal meine Mutter schwer krank war, zehn Tage später starb sie. Aber ich habe bewiesen, dass ich lernfähig bin.“

1. September 2012 in Oberhausen: Siebenmal hatte Sturm seinen Titel verteidigt, 2009 hatte er sich in einem langwierigen Rechtsstreit von Universum getrennt, seinen eigenen Boxstall gegründet, war 2010 zum Superchampion ernannt worden und hatte diesen Titel auch fünfmal verteidigt, und dann kam die Titelvereinigung mit dem australischen IBF-Champion Daniel Geale. Zwei Wochen vorher hatte sich Sturm eine Bronchitis eingefangen, die er verschwieg, die ihn aber im Kampf deutlich behinderte. Er kämpfte uninspiriert, unbeweglich und verlor verdient durch Mehrheitsentscheid.

Am 7. Dezember soll in Stuttgart das nächste Erfolgskapitel geschrieben werden. Sollte Sturm Barker besiegen, muss er im Frühjahr 2014 zum Rückkampf in England antreten. Dann könnte die Geschichte weitergehen. Aber so weit ist es noch nicht.

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