Nachspiel

Am Ende gewinnt immer Vettel

Ein Kommentar von Christian-A. Thiel

Was ist die Formel 1? Wenn 22 Rennwagen zwei Stunden lang im Kreis fahren, und am Ende gewinnt immer – Sebastian Vettel. Auf diese Variante eines berühmten Fußballspruchs könnten die Rivalen der Rennbahn kommen, wenn sie jeden Sonntag neue Niederlagen erleben müssen. Die Weltmeister Alonso, Räikkönen, Hamilton und Button müssen akzeptieren, dass sie derzeit in Vettels Roadshow nur Statisten sind.

Nur noch Rechenkunststücke trennen Sebastian Vettel von seinem vierten Weltmeistertitel. Und weil der junge Mann erst 26 Jahre alt ist, könnte sogar Michael Schumacher seine für unantastbar gehaltenen Rekorde in überschaubarer Zeit verlieren.

Vettels Überlegenheit basiert nicht allein auf überragendem Fahrtalent, das man rasenden Kollegen wie Alonso und Hamilton auch nicht absprechen kann. Vettel hat das System Schumacher perfektioniert. Er arbeitet sich seinen Vorsprung durch Technik heraus, indem er akribisch mit den Ingenieuren das Auto verbessert und das auf der Piste umsetzt.

Allerdings lösen Seriensieger Missgunst aus. Die Engländer waren schon Schumacher in herzlicher Abneigung verbunden. Vettel wandelt sich in den Augen seiner Kritiker gerade vom netten Schwiegersohn zum gnadenlosen Monster, das mit seinen Gegnern kurzen Prozess macht.

Die große Frage ist, ob und wann Vettel das bestens eingerichtete Nest bei Red Bull verlässt und andernorts eine neue Herausforderung sucht. Noch, so scheint es, findet er seine Siege nicht langweilig.