Erster Deutscher an der Spitze von Olympia

Wirtschaftsanwalt Thomas Bach setzt sich bei der Wahl zum IOC-Präsidenten klar durch

Buenos Aires. Thomas Bach ist der neue Herr der Ringe. Der 59 Jahre alte Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim wurde als erster Deutscher zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees gewählt. Bach setzte sich bei der 125. IOC-Vollversammlung in Buenos Aires im zweiten Wahlgang mit 49 Stimmen deutlich gegen seine Mitbewerber Richard Carrion aus Puerto Rico (29), Ser Miang Ng aus Singapur (6), den Schweizer Denis Oswald (5) und Sergej Bubka aus der Ukraine (4) durch. Wu Ching-Kuo aus Taiwan war bereits in der ersten Wahlrunde gescheitert.

„Ich will aus tiefem Herzen meinen Freunden danken. Das ist ein überwältigendes Zeichen des Vertrauens“, sagte Bach in seiner ersten Rede. Er wisse um die große Verantwortung in seiner neuen Funktion. Allen Mitgliedern des IOC versicherte er: „Ihr müsst wissen, meine Tür, meine Ohren und mein Herz sind immer offen.“

37 Jahre nach seinem Olympiasieg von Montreal mit den deutschen Florettfechtern ist Bach nun auch auf dem Gipfel der Macht angekommen. Sein Aufstieg auf den Funktionärs-Olymp hatte bereits 1981 mit seiner Aufnahme in das IOC begonnen. Seit 1988 gehört er dem IOC-Vorstand an. Zwischen 2000 und 2004 sowie erneut seit 2006 wirkte er als ehrenamtlicher Stellvertreter vornehmlich seines Vorgängers Jacques Rogge, der am Dienstag nach zwölf Jahren turnusgemäß aus dem Amt schied. „Thomas Bach wird die beste Zeit seines Lebens haben“, prophezeite der 71 Jahre alte Belgier seinem Nachfolger. Bach hatte bereits im ersten Wahlgang mit 43 Stimmen die nötige absolute Mehrheit der 93 wahlberechtigten Olympier nur knapp verfehlt. Das Resultat zeige, „welches Ansehen und Vertrauen Sie innerhalb der olympischen Familie genießen“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): „Ich freue mich sehr darüber, dass Deutschland mit Ihnen auf der internationalen Ebene auch weiter hervorragend vertreten ist.“

Der für den Sport zuständige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) verknüpfte seine Gratulation mit einer Aufgabenbeschreibung: „Es wird darum gehen, dass Thomas Bach auch in Zukunft dem olympischen Geist zum Durchbruch verhilft und den Gigantismus eindämmen kann. Es ist gut für den deutschen Sport, wenn ein Deutscher ein solches Amt bekleidet.“ Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sprach von „einer großen Ehre für unser Land“ und versicherte: „Sie können sich unserer Unterstützung sicher sein, insbesondere bei der wichtigen Aufgabe, weltweit offensiv die Doping-Bekämpfung durchzusetzen und für Transparenz mit Blick auf die Probleme im Sport zu sorgen.“ Glückwünsche kamen auch von Günter Ploß, dem Präsidenten des Hamburger Sportbundes: „Als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes ist es Thomas Bach gelungen, die Fusion von Deutschem Sportbund und Nationalem Olympischen Komitee erfolgreich umzusetzen. Diese integrierenden Fähigkeiten und das überzeugende Wahlergebnis werden ihm helfen, die Lager im IOC zusammenzuhalten und dabei alle Nationen der Welt mitzunehmen.“

Bach ist erst der neunte Präsident in der Geschichte des IOC und einer der wenigen Deutschen an der Spitze bedeutender internationaler Organisationen. Den DOSB-Vorsitz will er kommende Woche abgeben.