Mit acht Metern nach Moskau

HSV-Weitspringer Sebastian Bayer will bei den deutschen Meisterschaften seinen Titel verteidigen

Hamburg/Ulm. Für Sebastian Bayer vom Hamburger SV ist es die Rückkehr zur Stätte seines bisher weitesten Sprungs im Freien. Bei 8,49 Metern war der heute 27-Jährige vor vier Jahren im Ulmer Donaustadion gelandet, nur fünf Zentimeter fehlten ihm zum nationalen Uralt-Rekord des DDR-Olympiasiegers Lutz Dombrowski aus dem Jahr 1980. Mit seiner Freundin Carolin Nytra, die parallel zu ihm die 100 Meter Hürden gewonnen hatte, feierte er damals seinen Triumph Arm in Arm.

Bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften an diesem Wochenende fehlt Nytra nach einer Fußverletzung, Bayer wiederum hat sich einmal mehr ehrgeizige Ziele gesetzt. Der Europameister von 2012 will seinen Titel verteidigen, es wäre sein sechster, und das mit einem Satz über die acht Meter. Das ist nach dem bisherigen Saisonverlauf für ihn schon eine Herausforderung. Mit 7,83 Metern liegt er auf Rang sieben der deutschen Jahresbestenliste.

Ein Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel, erlitten Anfang Mai im Trainingslager auf Teneriffa, störte Bayers Saisonaufbau, danach führten vermutlich Fehlbelastungen zu Komplikationen im linken Knie. „Ich konnte nicht mehr schmerzfrei springen.“ Die Beschwerden sind abgeklungen, die letzten Übungseinheiten am Freitagmittag im Kraftraum absolvierte er ohne Probleme. Was jetzt bei den Meisterschaften an diesem Sonnabend ab 17.30 Uhr möglich ist, kann er schwer einschätzen. „Wenn alles zusammenpasst, sollte sich niemand zu sicher fühlen, dass er mich schlagen kann“, sagt Bayer.

Sein Saisonziel bleiben die Weltmeisterschaften Mitte August in Moskau. Mit Alyn Camara (Leverkusen; 8,29 m) und Christian Reif (Rehlingen; 8,27 m) haben zwei Deutsche bereits die anspruchsvolle WM-Norm (8,25 m) erfüllt. Bis zum 27. Juli kann Bayer sie nachreichen oder auf Kulanz hoffen, dass die 8,34 Meter seines EM-Sieges am 1. Juli 2012 in Helsinki Anerkennung finden. Bis zu drei deutsche Weitspringer dürfen bei der WM starten.

Ein paar Wettkämpfe fehlten ihm wohl zur Bestform, glaubt Bayer, „doch mit meiner Erfahrung kann ich einiges kompensieren“. Bayer gilt als einer, der bei wichtigen Wettkämpfen stets seine Leistungen bringt. Die Konkurrenz fürchtet er schon deshalb nicht, weil der die Saisonbestweiten auf Anlagen gelungen sind, die große Sprünge begünstigen. Camara und Reif hatten ihre Ergebnisse in Bad Langensalza (Thüringen) erzielt. Dort sind Weiten über acht Meter fast eine Selbstverständlichkeit.

Mit Mario Kral (2013: 7,90 m) nimmt ein weiterer HSV-Weitspringer den Kampf um die vorderen Plätze auf. Clubkollegin Nadja Käther (2013 bisher 6,30 m) ist nach langwierigen Oberschenkel- und Rückenproblemen gerade in die Saison eingestiegen. Medaillenchancen haben über 1500 Meter die Sujew-Zwillinge Elina und Diana vom Haspa-Marathonteam. „In dem Lauf ist alles offen, aber beide haben ein Pfund drauf“, sagt Hamburgs Landestrainerin Beate Conrad. Als Außenseiter tritt Helge Schwarzer (HSV) über 110 Meter Hürden an. Andreas Lange (LG Reinbek/Ohe), Jahresbester über 800 Meter, verzichtet wegen der U23-WM in Finnland auf seinen Start in Ulm.

Fernsehen: Sonnabend, ARD: 17.40 Uhr bis 19.35 Uhr. Sonntag, ZDF: 16.15 Uhr bis 18.40 Uhr.