Abendblatt-Serie

Als ein Hamburger 1982 das Spring-Derby gewann

Abendblatt-Serie - Zurückgekehrt: Hamburger Sportstars an den Stätten großer Momente: Sensationell siegte Achaz von Buchwaldt 1982 beim Spring-Derby. Seinem Sport blieb er treu.

Hamburg. Augenblicke, die eine Karriere prägen. Orte, die man nicht vergisst. Das Abendblatt bat 15 Sportstars, an Hamburger Stätten großer Momente zurückzukehren und sich dort an ihre Vergangenheit zu erinnern. Die Serienteile lesen Sie bis Anfang September wöchentlich an dieser Stelle.

Respekt hat man schon von weitem, doch bei näherem Hinsehen kommt Hochachtung hinzu – im wahrsten Sinn des Wortes. Gut und gerne drei Meter Höhe misst der Große Wall, vom Einritt aus rechts außen auf dem Parcours höchst prominent platziert. Und oben auf dem mit Gras bewachsenen Erdhügel wartet ein weißes Hindernis. Wer sein Pferd dazu bewegen kann, diesen Berg zu meistern und dann noch die direkt dahinter positionierte Planke zu überspringen, braucht auch vor Pulvermanns Grab nebenan keine Scheu zu haben.

„Nicht schlecht“, sagt Achaz von Buchwaldt und lässt seine Finger verspielt durch die Grashalme des Walls gleiten. Er meint damit Wucht, Würde und Tradition der größten Derby-Hürde. Bravourös waren auch seine Husarenritte, mit denen der heute 68 Jahre alte Reitermann das Publikum in Klein Flottbek begeisterte. 1982 und 1996 gewann Achaz von Buchwaldt das Blaue Band in souveräner Manier. Für den Sportler aus Rissen war es beide Male ein Heimspiel erster Klasse.

„Kaum ist man Derbysieger, schon ist man wer!“ befand von Buchwaldt im Juni 1982 in der ihm eigenen Art: augenzwinkernd und vielsagend. So wie der Mann der leisen, durchdachten Töne sprach, so ritt er auch. Mit langer Leine, bedächtig gestrafften Zügel, filigran. Kein Wunder: Ein Lehrmeister war Hans Günter Winkler persönlich. Von Buchwaldts Credo: „Ein Pferd ist kein Sportgerät.“ Man müsse Achtung vor der Kreatur haben.“

Genau so steuerte er vor 31 Jahren die zehnjährige Hannoveraner Stute Wendy zu einem Derbysieg, mit dem keiner gerechnet hatte. Erstmals in der Geschichte dieses Traditionswettbewerbs wurde ein Reiter aus der gastgebenden Hansestadt vor der Haupttribüne geehrt. Der Hamburger Landestrainer, dessen Vater aus Mecklenburg stammt und in Muggesfeld bei Bad Segeberg als Gestütsverwalter aktiv war, hatte es allen gezeigt. Von Buchwaldt war als letzter von sechs Reitern ins Stechen gegangen und hatte Nerven bewahrt. Schon 1967 hatte er im Alter von 23 Jahren sein erstes Derby bestritten und auf Athene Rang acht belegt.

Auch 1996 hatte ihn keiner so richtig auf der Rechnung. „Dieser Sieg war etwas ganz Besonderes“, erinnert sich von Buchwaldt. „Ich habe den Erfolg intensiver genossen als beim ersten Mal.“ Im Stechen war der seinerzeit 51-Jährige schneller und besser als der Engländer John Whitaker. Auch andere Größen wie Nelson Pessoa als Dritter oder Hugo Simon (7.) hatten das Nachsehen.

Wie immer blieb von Buchwaldt bescheiden und übergab den Haupt-Lorbeer sein treues Pferd, das ihn zum Sieg trug. Der 18 Jahre alte Lausbub wurde mit Dank, Möhren und einer Extraportion Hafer in den Ruhestand verabschiedet. Noch zwölf Jahre durfte er auf einer Weide in Falkenstein grasen. „Großartig, wenn ein alter Sack noch einmal ganz vorne sein darf“, kokettierte von Buchwaldt. Er meinte damit sich, nicht das Pferd. Zwar steigt der gebürtige Grömitzer, der später den Kaufmannsberuf erlernte, beim Derby heute nicht mehr in den Sattel, dennoch ist er aktiv geblieben. Das Pferde-Festival in Klein Flottbek ohne Achaz von Buchwaldt? Undenkbar!

Neben seiner Ehefrau Elisabeth, die aus Rio de Janeiro stammt und ihm seit 43 Jahren angetraut ist, saß der zweifache Derbysieger und zweifache Vater am 20. Mai dieses Jahres auf der kleinen Tribüne neben dem Einritt und fieberte mit den Kollegen unten auf dem Parcours. Mit einem Mann ganz besonders: Der Schweizer Pius Schwyzer wird seit dem Vorjahr von ihm trainiert. Immerhin gewann der in Hamburg bisher nur Eingeweihten bekannte Reiter eine der beiden Derby-Qualifikationen.

Schützling Nummer zwei ist die talentierte, 25 Jahre alte Alexandra Fricker ebenfalls aus der Schweiz. Im Schnitt einmal pro Woche fliegt von Buchwaldt nach Zürich, um die beiden vor Ort zu trainieren. Es ist kein Zufall, dass die Verträge bis 2016 laufen. Im Rahmen der Olympischen Sommerspiele in Brasilien geht es dann um Ehre und internationales Renommee.

Zwar liebt der erfahrene Ausbilder seine Ruhe in Rissen, doch gehört Reisen zum Geschäft. In den Sommermonaten steht praktisch an jedem Wochenende ein Turnier auf dem Programm. Achaz von Buchwaldt ist nicht nur dabei, sondern mitten drinnen. Schließlich ist er nach wie vor der einzige Deutsche, der dem Bundeskader 25 Jahre in Folge angehörte. Er kennt die Reitersleut’, die Pferde und die Strategen hinter den Kulissen. Europaweit. Auch aus seiner Ära als Nationaltrainer der dänischen Equipe zwischen 2004 und 2011. Unter der Regie des Hamburgers gewannen die Dänen Nationenpreise und nahmen an der Super-League teil, dem Wettstreit von acht Top-Mannschaften der Welt. Ein bisschen schloss sich der Kreis: Um 1600 wurden die Buchwaldts vom dänischen Königshaus in den Adelsstand versetzt.

Einen wie Achaz interessieren solche Äußerlichkeiten wenig. Sein Motto: „Bleib mit beiden Beinen auf dem Boden und ernähre dich redlich.“