Tennis

Nur Kohlschreiber hat keine Lust auf Hamburg

Deutschlands Nummer zwei will nicht am Rothenbaum spielen. Lokalmatador Tommy Haas ist dagegen beim Turnier vom 13. bis 21. Juli dabei.

Hamburg. Michael Stich ist zufrieden. Neue Sponsoren hat er für das Profi-Tennisturnier am Rothenbaum (13. bis 21. Juli) gewonnen, nicht weniger als 13 Partnerlogos zieren die Fotostellwand hinter dem Turnierdirektor. Der Vorverkauf läuft besser, als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres, mit Mats Wilander hat er nach Ivan Lendl und John McEnroe wieder einen prominenten Altstar als Gegner für das "Legendenmatch" am 14. Juni gewinnen können, Sport1 und Hamburg1 zeigen Live-Bilder und der deutsche Topstar und gebürtige Hamburger Tommy Haas hat seine Teilnahme zugesagt. "Tommy hat gezeigt, dass seine Finalteilnahme hier vor einem Jahr nicht nur ein Strohfeuer war, sondern die Leistungen nachhaltig bestätigt", sagte Stich über die Nummer elf der Welt, "er spielt wieder gerne in Deutschland und freut sich darauf, hier anzutreten."

Dies gilt aber nicht für jeden deutschen Spieler. Philipp Kohlschreiber fehlt in der am Dienstag veröffentlichten Meldeliste, der Weltranglisten-18. mag beim sportlich bedeutendsten Turnier im eigenen Land nicht antreten. "Er hat relativ viel gespielt und wird in der Woche nach Wimbledon auch in Stuttgart dabei sein", begründet sein Manager Stephan Fehske auf Abendblatt-Anfrage die Abwesenheit des zweitbesten deutschen Profis aus Augsburg, "danach macht er eine Pause, um sich auf die Turniere in den USA, Asien und den Daviscup vorzubereiten." Das klingt nachvollziehbar. Eine Jahresplanung hätte es allerdings auch möglich gemacht, unmittelbar nach Wimbledon beispielsweise auf Stuttgart zu verzichten und dann ausgeruht nach Hamburg zu kommen. Wenn man denn gewollt hätte. Hinter dem sportlich weniger wichtigen Turnier in der Schwaben-Metropole steht allerdings der örtliche Nobel-Autobauer als Titelsponsor. Ebenso in München, wo Kohlschreiber im Finale gegen Haas verlor. Das derzeit laufende Rasenturnier in Halle wird von einem großen Modeunternehmen finanziert. Das sind völlig andere Voraussetzungen als in Hamburg (Preisgeld 1,1 Millionen Euro), wo allein durch den höheren Turnierstatus rund 600.000 Euro mehr ausgeschüttet werden als in Stuttgart und München. Antrittsgelder sind in der Branche bei Turnieren unterhalb der Masters-Serie gängige Praxis, um sich den einen oder anderen Star heranzuholen, der aus sportlichen Gründen sonst nicht käme.

"Wir haben mit Philipp gesprochen und ihm ein Angebot gemacht", sagte Stich, "aber wir konnten uns nicht einigen." Auch in Halle haben sie erst kürzlich noch miteinander gesprochen. Vergebens. "Das Startgeld war für die Entscheidung nicht ausschlaggebend", sagte Fehske, der sich gerne eine Hintertür offen lassen möchte, falls die nächsten Wochen für seinen Schützling sportlich nicht so toll laufen: "Eventuell können wir ja noch über eine Wildcard reden."

Stich hat noch vier „Joker“-Startplätze

Dass sich Michael Stich darauf allerdings noch einlässt, ist nur schwer vorstellbar. Vier "Joker"-Startplätze hat er noch zur Verfügung, als gesetzt können dafür die Lokalmatadore Tobias Kamke und Julian Reister gelten. Der Hamburger Mischa Zverev dagegen wird nicht in Hamburg spielen. Stich denkt jedoch darüber nach, dessen 16 Jahre alten Bruder Alexander Zverev nach seinem tollen Erfolg in Paris "eine Plattform in der Heimatstadt" zu geben. Der jüngere Zverev hatte bei den French Open in der vergangenen Woche das Juniorenfinale erreicht. "Ich habe ihn mir dort angeschaut, das war sehr beeindruckend. Aber man darf die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Dennoch ist eine Wildcard für das Hauptfeld oder die Qualifikation denkbar", sagte Stich.

Elf Spieler aus den Top 30 der Weltrangliste haben gemeldet, vier aus den ersten 20. Aber wie immer keiner aus den Top Ten. Titelverteidiger Juan Monaco (Argentinien) ist dabei, ebenso Gilles Simon (Frankreich), der Sieger von 2011. Mit dem Polen Jerzy Janowicz kommt einer der Aufsteiger des vergangenen Jahres, der Russe Nikolai Dawidenko ist dagegen ein alter Bekannter. Spannend wird der Auftritt von Ernests Gulbis (Lettland) und Alexander Dolgopolow (Ukraine) - beide können an guten Tagen gegen jeden gewinnen. Aber sie haben nicht immer gute Tage. Aus Deutschland stehen Florian Mayer (Bayreuth) und Daniel Brands (Deggendorf) neben Haas im Hauptfeld.

Seit 2009 sind Stich und sein Partner Detlef Hammer für die ehemaligen German Open verantwortlich. Bis 2018 läuft ihr Vertrag, und beide sind entschlossen, ihn zu erfüllen. "Unser Ziel ist es, das Turnier immer besser zu machen. Es soll eine Institution in Hamburg bleiben", sagt Stich. Die Eintrittspreise sind sogar leicht gesenkt worden. Schon für 19 Euro kann man am Sonntag beim Schaukampf mit Stich und Wilander sowie von Montag bis Mittwoch dabei sein. Am Finaltag kostet das billigste Ticket 29 Euro. Dauerkarten sind zwischen 145 und 399 Euro erhältlich.

Über den Streit mit dem Deutschen Tennis Bund (DTB) über eine Umwandlung in ein Rasenturnier möchte er nicht mehr reden: "Wir waren nie dagegen, aber wir konnten das nicht umsetzen, weil wir vom DTB nie betriebwirtschaftliche Fakten bekommen haben." Punkt. "Jetzt sollten wir es mal lassen." Michael Stich will sich die Laune nicht verderben lassen. Nicht vom DTB und auch nicht von Philipp Kohlschreiber.