Nachspiel

Kohlschreibers Credo: Ich, ich, ich

Ein Kommentar von Andreas Hardt

Bei der Präsentation des Teilnehmerfeldes für das Tennisturnier am Rothenbaum war Philipp Kohlschreiber keine Silbe wert. Martin Klizan (Slowakei) ist dort gedruckt, dann Feliciano Lopez (Spanien). Und nichts dazwischen, wo der Weltranglisten-18. aus Augsburg alphabetisch auftauchen müsste. Kein Kohlschreiber am Rothenbaum also.

Nun ist es ja nicht so, dass der eigenwillige Schwabe die Hamburger Besucher in den vergangenen Jahren regelmäßig zu Begeisterungsstürmen hingerissen hätte. Eher im Gegenteil. Über die dritte Runde ist er hier nie hinausgekommen. Seinen Charme, Kampfgeist, Esprit haben die Hanseaten auch nie wirklich gesehen - vielleicht konnte er sie auch einfach nicht zeigen. Egal: Kohlschreibers Abwesenheit ist nicht wirklich ein Verlust.

Aber: Der Rothenbaum ist das bedeutendste deutsche Turnier. Und da hat Deutschlands Nummer zwei anzutreten. Wenn er denn tatsächlich auch etwas für seinen Sport tun will und nicht nur Lippenbekenntnisse abgeben.

Kohlschreiber hat sich schließlich diverse Mal darüber beklagt, dass Tennis in den Medien zu schlecht wegkommt, dass seine Leistung nicht anerkannt wird, dass er ungerecht beurteilt wird. Aber nun hat er sich leider wieder als der Egoist geoutet, der er nicht sein will.

Hamburg passt nicht in seinen Plan, heißt es. Aber alles spricht dafür, dass ihm tatsächlich das Antrittsgeld zu niedrig war.

Tennis ist ein Individualsport. Jeder ist sich selbst der Nächste. Schade, dass Philipp Kohlschreiber immer wieder daran erinnert.