Ende einer großen Hamburger Tradition

Nach 99 Auflagen erlebt die Alsterstaffel ihr Jubiläum nicht mehr

Hamburg. Welche Ausmaße das alles einmal nehmen würde, konnten Arthur Mannheimer und Walther A. Cordua vom SC Victoria nicht ahnen, als sie für den 22. August 1909 zum "Stafetten-Wettlauf um die Außenalster" luden. Schon bei der zweiten Austragung 1910 säumten Tausende Zuschauer die Strecke, bald wuchs sich das Rennen zu Europas größter Straßenstaffel aus.

Nun fällt nach 99 Auflagen der Vorhang für die Alsterstaffel. Zum Jubiläumsrennen, das für diesen Sonntag vorgesehen war, wird es nicht kommen. Eine Hamburger Sporttradition ist heimlich, still und leise zu Grabe getragen worden. "Die Veranstaltung war seit 2008 defizitär, sie hat sich überlebt", sagt Veranstalter Frank Thaleiser. Die zuletzt nicht einmal 300 Teilnehmer - zuzüglich 26 Schülerteams - hätten den organisatorischen Aufwand vor allem für die Sperrung des Jungfernstiegs nicht mehr gerechtfertigt.

Zum Vergleich: 1957 wurden 7500 Starter aus 70 Vereinen gezählt. Nicht nur die Leichtathletikabteilungen entsandten ihre Mitglieder, für fast alle Sparten war die Alsterstaffel Pflichttermin. Wer mitmachen wollte, musste sich sogar in Ausscheidungsrennen bewähren. Später kamen Betriebssport- und Schülerstaffeln hinzu. Bis zu einer halben Million Zuschauer säumten die Strecke. Kurzum: Das Rennen war der Höhepunkt des Hamburger Sportjahrs.

In den 70er-Jahren begann der Zuspruch zu schwinden, auch weil nun andere Veranstaltungen der Alsterstaffel den Termin streitig machten. Der Niedergang ließ sich auch nicht dadurch aufhalten, dass Streckenführung und -länge mehrfach geändert, Veranstalter gewechselt, Prominentenstaffeln gebildet und Inlineskater ins Programm genommen wurden.

Die Tradition soll nach Thaleisers Willen in einer neuen Veranstaltung fortleben. Geplant ist ein kombinierter Einzel- und Staffellauf, der auf einer Strecke von zehn Kilometern von den Deichtorhallen durch die HafenCity zum Fischmarkt und über die Alster zurückführt. "Das Konzept ist tragfähig, wir würden dabei alle maritimen Sehenswürdigkeiten mitnehmen", sagt Thaleiser. Eine erste Vorlage lehnte allerdings die HafenCity Hamburg GmbH ab. Für 2014 will Thaleiser einen neuen Antrag stellen. Die Entscheidung liegt beim Eventausschuss Hamburg, der die Nutzung der sogenannten Premiumflächen der Stadt kontrolliert.

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